"Alles Theater"

TRIER. Alljährlich ehrt die Karnevalsgesellschaft "M'r wieweln noch in Zalawen 1911" Jecken für ihre Verdienste um den Trierer Karneval. Die höchste Ehrung, den "Orden gegen den Trierischen Ernst", erhielt Herressekt-Geschäftsführer Adolf Lorscheider (TV vom Samstag). Wieweler Sportler des Jahres wurden Ingrid und Thomas Weirich.

Karnevalistische Ordensfeste können bisweilen wegen Lobhudelei und blumigen Dankesrepliken zu unlustigen Pflichtveranstaltungen werden. Nicht bei den Wiewelern: Höhepunkt des launigen Abends ist der Auftritt des Trierer Meisters aller Stimmlagen und Sprachmelodien, Günther Reim. Der 85-jährige Kammerschauspieler rezitiert Mark Twains humoristisches "Knipst, Brüder, knipst!", scheint dabei dem Wahnsinn nahe zu kommen, marschiert über Bühne und nimmt den ganzen Saal für sich ein. Reim, der 1967 im vierten Jahr der Verleihung den Orden gegen den Trierischen Ernst erhalten hatte, bekommt an diesem Abend zwar keine Auszeichnung, dafür aber stehende Ovationen. "Alles Theater", bedankt er sich hintersinnig und in Anspielung auf das Theater-Motto der Wieweler in diesem Jahr. Dass man einen Tango "zur Not auch in einer Telefonzelle tanzen kann", wie Thomas Weirich meint, verdankt die Show ihren zweiten Höhepunkt. Denn nur deshalb kann das zum "Wieweler Sportler" des Jahres gewählte und mit unzähligen Auszeichnungen dekorierte Turniertanzpaar Ingrid und Thomas Weirich auf der für ihre Verhältnisse relativ kleinen Wieweler-Bühne zeigen, was es kann. Vom Glück, den Richtigen zu loben

Von großem karnevalistischen Talent auch die Rede von August-Hermann Thormeyer, der "unernste Trierer" von 2005, für seinen Nachfolger Adolf Lorscheider. Denn der eigentlichen Laudatio schickt er einige Bemerkungen voraus über das Leid der Laudatoren beim Laudatieren. Elegant kratzt "Gustl" die Kurve: "Hab ich ein Glück, den Richtigen loben zu müssen! Er hat ein Herz für den Karneval, und wenn er lacht, dann wackelt die Beleuchtung!" Auf das dann ausgeschüttete Lob pariert der in Olewig aufgewachsene und zur KG Heuschreck gehörende "unernste Ordensträger" Adolf Lorscheider: "Ich hoffe, meine Frau hat gut zugehört!" Bewährtes wie der Besuch des Trierer Prinzenpaars und die Duckentche natürlich und Neues wie der Solomariechen-Tanz der elfjährigen Sandra Dalpke, die in dieser Session das erste Mal auf der Bühne steht, geben dem Ordensreigen den richtigen Rahmen: Rainer Benz (ATK-Verdienstorden), Rudi Zenner und Gisbert Wiszinski (neue Ehrenratsherren), Werner Schmeiser (Ehrenrats-Orden), Josef Arweiler (Rhein-Mosel-Lahn-Orden).

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