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Als Blindfuchs durch die Stadt

Viezjupp : Als Blindfuchs durch die Stadt

Liebe Leser! Wir Treverer sind cleverer. Keine neue Erkenntnis. Nein, das hat die Leiendecker Bloas schon vor Jahren festgestellt. Aber jetzt sind wir damit bundesweit in den Schlagzeilen. Wir sind clever, weil sich das Corona-Virus bei uns nicht so ausbreitet wie anderswo.

Darüber bin ich froh. Und ich sage Euch, das Geheimnis liegt in der Disziplin. Selbst ich trage immer und überall Maske. Selbst, wenn ich nur in den Garten gehe.

Bärbel und ich haben uns daher mit medizinischen Masken eingedeckt. Das heißt, eigentlich hat Bärbel die besorgt. Sie ist nun Schuld, dass die Kommodenschublade nicht mehr zugeht, weil sie Stoffmasken, FFP2-Masken und diese OP-Masken in rauen Mengen gehamsert hat. Sie achtet penibel darauf, dass ich regelmäßig eine frische anziehe. Ich finde ja, nach fünf Tagen sind die auch noch gut. Besonders die FFP2-Masken mit den Nasenbügeln legt sie mir immer raus. Ihr müsst wissen, beim Einkaufen bin ich Brillenträger, sonst kann ich die Preise auf den Lebensmitteln nicht lesen. Bärbel schwört mir, dass mit diesen Masken die Brille auf gar keinen Fall beschlagen kann.

Was soll ich sagen: Meine Brille tut es trotzdem, obwohl ich  mir von dem Bügel schon eine Kerbe in die Nase gedrückt habe. Als ich neulich auf dem Wochenmarkt Eier und Gemüse einkaufen wollte, war ich beim Bezahlen praktisch blind. Ich wühlte in meinem Geldbeutel und versuchte Zwei-Euro-Stücke zu finden, doch stattdessen hüpften die Münzen auf den Boden. Ich bückte mich und sah sie nicht. Hinter mir wurde die Schlange immer länger. Ich tastete mit den Händen vor dem Eierstand herum. So lange, bis mir eine ältere Dame aufhalf und meinte, es sei eine Schande alte Menschen zum Betteln auf die Straße zu schicken. Peinlich berührt, habe ich anschließend mit einem Schein bezahlt.

Am Gemüsestand sollte mir das nicht passieren. Ich zog meine Brille aus, warf den Kohl für den Teerdisch und die Gurken für Bärbels Gesichtsmasken in meine Tasche und wollte bei der netten Marktfrau zahlen. Ich kniff die Augen zusammen, zog meinen Geldbeutel und ... meine Brille rutschte mir aus den Fingern. Mit einem leisen Knack landete sie auf der Erde. Ein Glas ist kaputt. Bärbel hat nur ein bisschen geschimpft. Nun kann ich leider morgens meinen TV nicht mehr lesen. Die aktuellen Corona-Zahlen trompetet mir stattdessen Bärbel ins Ohr.  Das ist allerdings eine Disziplin, die nur mein Eheweib perfekt beherrscht.

Ein schönes Wochenende wünscht Euch Euer Jupp