Als das Moselbähnchen noch fuhr …
Leiwen · Diese "Weißt du noch…"-Serie behandelt den Moselort Leiwen. Als das nebenstehende Foto mit dem weiß gestrichenen Eisenbahnviadukt im September 1969 aufgenommen wurde, verkehrte die legendäre Moselbahn schon nicht mehr. Am 31. Januar 1968 fuhr der letzte Zug.
Leiwen. Gab es in Leiwen mal eine Moselbrücke? Als der Redakteur im Zeitungsarchiv auf die Ortsansicht von Leiwen stößt, die TV-Fotograf Gerd Schneider im September 1969 von der anderen Moselseite aus aufgenommen hatte, erliegt er zunächst diesem Irrglauben. In der Tat könnte man auf den ersten Blick annehmen, es handele sich bei dem markanten weißen Brückenbauwerk um eine Moselbrücke. Doch die Perspektive täuscht: Die vermeintliche Brücke ist ein Eisenbahnviadukt. Dort verkehrte die Moselbahn; sie verband die Moselorte von Trier bis Bullay.
In Leiwen schauen sich Heimatforscher Hermann Erschens und der älteste Bewohner, der 93-jährige Johann Bartel, die Fotos an. Da werden Erinnerungen wach. "Früher haben die Dampfloks hier in Leiwen Wasser aufgenommen", sagt Bartel. Hin und wieder sei er mit der Moselbahn nach Trier gefahren, aber nicht sehr oft. "Erst hatte man kein Geld", sagt der rüstige Winzer, der auch heute noch im Weinberg mit anpackt, "und dann hatte man ein Auto". Der 93-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie auf dem Treidelweg am Ufer die Schiffe von Hand flussaufwärts gezogen wurden. Der Weg verlief neben dem Viadukt, das 1978 abgerissen wurde. Es musste dem Bau der Straße von Köwerich nach Leiwen weichen. Zehn Jahre zuvor, genauer gesagt am 31. Januar 1968, musste Leiwen Abschied von der Moselbahn nehmen. Der Betrieb wurde eingestellt. 65 Jahre lang war die Gemeinde an die Schiene angeschlossen; am 2. April 1903 hielt der erste Zug. Die Strecke von Trier nach Leiwen war der erste Bauabschnitt der Moselbahn, im August 1905 war die Strecke durchgängig bis Bullay fertig.
TV-Serie Weißt du noch...
Der Bahnhof (auf dem Foto das Fachwerkgebäude vorne links) wurde in den siebziger Jahren abgerissen. "Es wird erzählt, die Firma Reh brauchte einen breiteren Zugang für die großen Tanklaster", sagt Hermann Erschens. Er ist Hauptautor der Leiwener Ortschronik.
Das nebenstehende Panoramabild von Leiwen stammt vom September 1965. Aufgenommen wurde es von Zummet. Der Vergleich mit dem aktuellen Foto zeigt, dass sich Leiwen in seinen Ausmaßen kaum verändert hat. Der Grundstein für weitere Ansiedlungen, beispielsweise in Richtung Köwerich im Bereich Flurgarten, wurde Anfang der sechziger Jahre gelegt. Auch die Familie von Johann Bartel siedelte damals um. "Im Ort gab es ja keine Ausdehnungsmöglichkeit", sagt er, "weil in Leiwen früh eine Landumlegung gemacht wurde, konnten wir draußen bauen." Zu dieser Zeit hätten sich viele Winzer auch die ersten Traktoren leisten können. "Da hatte auch der gute 1959er Jahrgang seinen Anteil dran", meint Bartel schmunzelnd. Von der Moselkanalisierung in den Jahren 1963/64 habe man außer den Ausbaggerungen nicht viel mitbekommen. Im Gegensatz zu Mehring, wo eine ganze Häuserzeile dem Flussausbau weichen musste und viele Familien umgesiedelt wurden, sei Leiwen verschont geblieben.