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Jahrhundertflut vor 25 Jahren: Als das Wasser bis zum Halse stand

Jahrhundertflut vor 25 Jahren : Als das Wasser bis zum Halse stand

Vor 25 Jahren suchte eine Jahrhundertflut das Moselland heim. Triers City wurde verschont, während andernorts „Land unter“ war.

Kein Grund zur Besorgnis. Am Ende des Jahres liegt er im grünen Bereich, der Pegelstand der Mosel. In Trier wird ein Wasserstand von etwa 3,50 m erwartet. Für diese Jahreszeit sehr wenig. Ende 1993 bot sich ein völlig anderes Bild. Da verließ die Mosel nicht nur ihr Bett, sie trat auch weit über die Ufer. So weit, dass Triers damaliger Oberbürgermeister Helmut Schröer Katastrophenalarm auslöste.

Erst bei 11,28 m machte die Flut halt. Es war der 23. Dezember. An ein friedliches Weihnachtsfest dachte niemand. Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Rettungsdienste, unzählige Freiwillige waren im Einsatz.

Nur einmal seit Menschengedenken hatte das Wasser höher gestanden: 11,39 m an Silvester 1947. Wenige Zentimeter mehr, und die braune Brühe wäre in die Innenstadt geschwappt. Die City kam  1993 noch einmal davon. Der in den späten 1920er Jahren gebaute Moseldamm, über den heute Hauptverkehrsstraßen führen, hatte sich bewährt. Links der Mosel und im nördlichen Stadtgebiet herrschte purer Ausnahmezustand, den Menschen stand das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals.

In Trier-West und Pallien drückte sich das Wasser durch den Bahndahn und quoll aus der Kanalisation. Auch in Ruwer konnte Tausende von Sandsäcken nur wenig gegen die Naturgewalt ausrichten. Von den Häusern nahe der Ruwermündung ragten nur noch die Obergeschosse aus den Fluten, das Mertesdorfer Freibad verschwand gar ganz unter der Wasseroberfläche. Im stark gefährdeten Stadtteil Pfalzel errichteten Helfer eine künstliche Schutzmauer.

Eine Katastrophe mit Ansage. „Der Dezember war ein total verregneter, aber auch milder Monat“, sagt der Trierer Wetterexperte Andreas Wagner. „Gebietsweise fielen im saarländisch/rheinland-pfälzischen Einzugsgebiet der Mosel bis zu 350 Liter Regen pro Quadratmeter.“ Bezogen auf Trier ist das fast die Hälfte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge eines Jahres.

Auch an der Obermosel und der Sauer drang das Wasser in Häuser. Ganze Straßenzüge mussten evakuiert werden. Die engen Mittelmosel-Täler traf es besonders hart. In Bernkastel-Kues wurde die Moselbrücke sicherheitshalber gesperrt. Dort, wo man im Umgang mit Hochwasser Routine hat, blieben Hunderte Häuser und Geschäfte als Totalschaden zurück, viele Betriebe sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Die voller Verzweiflung ersehnte frohe Botschaft kam einen Tag vor Heiligabend: Das Hochwassermeldezentrum gab leichte Entwarnung.

An geruhsame Festtage war aber nicht zu denken. Trümmerbeseitung und Saubermachen waren angesagt. Und Daumendrücken für die Menschen am Rhein: Nun wurden Mainz, Koblenz, Bonn, Köln und weite Teile der Niederlande von einer nie dagewesenen  Flut heimgesucht. Das Hochwasser von 1993 gilt für das Trierer Land als Jahrhunderthochwasser, war aber noch etwa einen Meter niedriger als das „Jahrtausendhochwasser“ vom Februar 1784 – eine regelrechte Sintflut. Umgerechnet auf den heutigen Pegel Trier dürfte es einen Wasserstand von 12,30 m gegeben haben.