Als der Parkplatz noch Schulhof war

Als der Parkplatz noch Schulhof war

WALDRACH. Es war im Sommer 1920, als ein unbekannter Fotograf ein Panoramabild von Waldrach schoss. Leider ist die Aufnahme an den Rändern so "ausgefranst", dass nur noch ihr mittlerer Teil gut erkennbar ist. Doch auch dieser Ausschnitt zeigt eine Reihe interessanter Details.

Eins der markantesten Gebäude auf dem historischen Foto ist die ehemalige Volksschule - zu erkennen im linken unteren Bereich. Doch Lehrer und Schüler gehen in dem um 1900 errichteten Haus schon lange nicht mehr ein und aus: Die Schule mit Lehrerwohnung und Aula wurde 1971, nach Errichtung des Neubaus an der heutigen Schulstraße, abgerissen. Ein Parkplatz trat an ihre Stelle. Zur Erinnerung wurde er auf den Namen "Alter Schulhof" getauft. "Heute würde man diesen historischen Bau sicher nicht mehr abreißen", bedauern viele Waldracher. Doch daran ist nun nichts mehr zu ändern.Ruine weicht dem Rathaus

Gut erhalten geblieben ist das Weingut Scherf-Oster im mittleren Bild-Vordergrund. Dies gilt auch für das Haus der ehemaligen Metzgerei Theo Schmitt, links oberhalb der Schule. Allerdings werden dort heute Döner über die Theke gereicht - die Zeit der heimischen Fleisch- und Wurstwaren ist unter diesem Dach seit Anfang der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts vorbei. Ebenfalls "nur noch Geschichte" ist das Anwesen oberhalb des Hauses Schmitt. Es handelt sich um den ehemaligen "Waldracher Hof", der noch vor einigen Jahren als Ruine zu besichtigen war. Inzwischen ist an seine Stelle das neue Rathaus der Verbandsgemeinde Ruwer getreten. Interessant ist die Geschichte des Turms der Pfarrkirche St. Laurentius, die 2005 ihren 100. Geburtstag feierte. Auf dem Bild von 1920 präsentiert sich der Turm noch in seiner ursprünglichen Höhe. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerfetzte ein Granateinschlag den Helm und Teile des oberen Geschosses. In der Rückschau war dies fast ein Glücksfall, denn als der Bau im Jahr 1951 instand gesetzt wurde, erhielt er gleich noch ein zusätzliches Stockwerk oben drauf. Beachtenswert sind auch die Veränderungen im Waldracher Weinbau. Im Jahr 1920 glich der Weinberg hinter dem Dorf noch einem Flickenteppich, bestehend aus Hunderten kleiner und kleinster Parzellen. Ein Zustand, der bis zur Flurbereinigung im Jahr 1956 andauerte. Seither weist die Anbaufläche eine klare Gliederung auf. Doch leider stören inzwischen auch in Waldrach die zunehmenden Drieschen das klare Bild der Reben.