Als die Bäume leuchten lernten

Als die Bäume leuchten lernten

Wenn am Freitag in der Trierer Innenstadt das Lichterfest Illuminale steigt, dann haben auch die Kinder der Keune-Grundschule ihren Teil beigetragen. Seit Schuljahresbeginn basteln die Grundschüler bunte Lampions.

Trier-Kürenz. Im Zimmer der Klasse 4b der Keune Grundschule geht es hoch her. Wo sonst fleißig gerechnet, geschrieben und gelesen wird, entsteht derzeit ein ganz besonderer Wald. Die Kinder basteln große weiße Bäume für die Illuminale, das Lichterfest am Freitagabend (weitere Infos im Extrakasten "Illuminale" unten).
Aus Weidenästen haben die Viertklässler Gerüste gebaut, die dann mit weißem Lampionpapier beklebt wurden. Zum Schluss kommen kleine Lämpchen in die Kunstwerke hinein, die die Bäume von innen erleuchten. Maya, Mira, Maximilian und Caspar (alle neun Jahre alt) sind hochkonzentriert bei der Sache. Seit Schuljahresbeginn haben sie insgesamt zehn Stunden Arbeit in ihr Kunstwerk investiert. Am Freitag soll es dann auf einer Rasenfläche neben dem Stadttheater stehen und dort von allen Menschen bestaunt werden können. "Im Dunkeln draußen zu sein ist für Kinder immer toll, und die Zusammenarbeit, das Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen, ist auch super", sagt Klassenlehrerin und Schulrektorin Isabelle Rotsch. Sie schätzt an der Bastelei auch den Gedanken der Gruppenarbeit: "Man muss zusammenarbeiten, das ist das Schöne." Die Keune-Grundschule gehört mit rund 230 Schülern zu den größten Grundschulen Triers. Alle Schüler nehmen am Bastelprojekt teil. "Wir haben bisher jedes Mal bei der Illuminale mitgemache, aber noch nie waren alle Stufen mit jeweils eigenen Projekten dabei", sagt Rotsch. Seit fünf Jahren mache die Schule mit Bastelprojekten an der Illuminale mit. "Der Plan für dieses Jahr kam kurz vor den Sommerferien. Das Thema ist Nachhaltigkeit und Urban Gardening, also städtisches Gärtnern. Vom Gärtnern kamen wir dann auf die Idee, Weidenäste zu verarbeiten. Die Arbeit mit den widerspenstigen Ästen sei aber nicht einfach gewesen. "Teamwork war gefragt. Aber das haben die Kinder toll gemacht", resümiert sie.
Jede Stufe mit eigenem Projekt


Bei der Organisation und Leitung der Bastelstunde wird Isabelle Rotsch von Lissy Krahl unterstützt. Die 64-Jährige hilft schon seit acht Jahren ehrenamtlich in der Schule mit. Auch im Don-Bosco-Haus in Trier-West engagiert sich "Oma Lissy", wie die Kinder sie nennen, als Leiterin einer Ganztagesgruppe.
Jede Klassenstufe hat für die Illuminale ein eigenes Bastelprojekt: Die Erstklässler basteln aus abgeschnittenen Böden von Plastikflaschen Apfel-Lampions. Die Zweitklässler bauen aus Luftballons und Pappmaché Kakteen - wobei kleine Leuchtdioden die piksenden Dornen ersetzen. Die dritten Klassen basteln aus weißen Milchflaschen leuchtende Schneeglöckchen und die Viertklässler besagte Baum-Lampions. Auch die beiden Bastel-AGs der Schule haben eigene Projekte. Seit Anfang des Schuljahrs sind die Keune-Schüler beschäftigt. Teilweise wurden andere Stunden zum Kunstunterricht umfunktioniert, um rechtzeitig fertig zu werden.
Alle 24 Lehrer der Grundschule und auch die zwei FSJler waren mit dabei. Das Illuminale-Bastelprojekt ist an der Keune-Grundschule eine Gruppenarbeit im ganz großen Stil.Extra

Die Erstklässler der Grundschule Keune basteln Apfel-Lampions. Dazu haben sie die Böden von Plastikflaschen abgeschnitten und jeweils zwei zu einem "Apfel" zusammengeklebt. Von innen wurde das durchsichtige Plastik dann mit grüner oder roter Wasserfarbe angemalt. Am Ende wurden die Äpfel dann mit jeweils einer kleinen Leuchtdiode versehen und an einer Lichterkette aufgereiht. Die Idee mit den Wasserfarben hatte der sechsjährige Kevin. Er hat seinen Apfel mit roter Farbe angemalt. "Ich mag aber beide Farben, Rot und Grün", erzählt er. Gina, sechs Jahre, weiß, was sie will: "Ich habe meinen Apfel in meiner Lieblingsfarbe angemalt, in Rot", sagt sie. Das Anmalen hat ihr beim Basteln am meisten Spaß gemacht. Auch der sechsjährige Matthis weiß, was ihm am meisten Spaß gemacht hat: "Als wir fertig waren, und die Apfellampions zum ersten Mal geleuchtet haben". Viertklässlerin Libby (zehn Jahre alt) bastelt an ihrem Weidenbaumlampion. "Zu Hause bastel ich auch gerne. Außerdem flechte ich viel." Libby freut sich auf Freitagabend: Dann sind die selbst gebastelten Kunstwerke öffentlich ausgestellt. dafExtra

Die Erstklässler haben aus abgeschnittenen Plastikflaschenböden und mit Wasserfarben Apfellampions gebastelt. Foto: (h_st )
Matthis, sechs Jahre. Foto: (h_st )
Kevin, sechs Jahre.tv-fotos (4): david falkner. Foto: (h_st )
Gina, sechs Jahre. Foto: (h_st )
Libby, zehn Jahre alt. Foto: (h_st )

Rund um Viehmarkt und Theater wird am Freitag, 30. September, das Lichterfest Illuminale gefeiert. Los geht es um 16 Uhr mit dem Kinderprogramm. Offiziell eröffnet wird das Fest um 18 Uhr. Dann gibt es bis Mitternacht rund 100 verschiedene Vorführungen, Experimente, Mitmachaktionen oder Ausstellungsstücke rund um das Thema Licht. Illuminare ist ein Wort aus der lateinischen Sprache. Auf Deutsch übersetzt bedeutet es "Erleuchten" oder "Du wirst erleuchtet". Jedes Jahr hat die Illuminale ein anderes Motto. In diesem Jahr geht es um Nachhaltigkeit (also das Wiederverwenden oder Verwerten von Müll) und Urban Gardening (also Gärten mitten in der Stadt). daf

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