Als Homosexueller 1942 im KZ ermordet: Damian Reis erhält auf Initiative von Jürgen Wenke einen Stolperstein im Zurlauben.

Gedenken : Häftling 45232 hat wieder einen Namen - Ein Stolperstein in Trier-Zurlauben erinnert

Als Homosexueller 1942 im KZ ermordet: Damian Reis erhält auf Initiative des Bochumers  Jürgen Wenke am Dienstag einen Stolperstein in Zurlauben.

Seinen 47. Geburtstag hat Damian Reis nicht mehr erlebt. Der Trierer starb am Tag davor, am 11. August 1942, im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin – Opfer einer gezielten Mordaktion der Nazis. Sein „Vergehen“: Damian Reis war  homosexuell. Im Sommer 1942 wurden alle in Sachsenhausen internierten Homosexuellen ermordet; rund hundert dieser Männer sind heute namentlich bekannt. Jürgen Wenke (61) aus Bochum will an ihr grausames Schicksal erinnern, sie vor dem Vergessen bewahren. Lange hat er auch über Damian Reis geforscht. Resultat: Heute (Dienstag) verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig vor Reis’ letztem Wohnhaus, am Zurlaubener Ufer 89, einen Stolperstein. Mehr als 70.000 dieser Gedenktäfelchen mit Namen und Lebensdaten von Opfern hat Demnig (der am vergangenen Samstag 71 wurde) seit 1992 verlegt.

In bundesweit bislang 38 Fällen gab Jürgen Wenke den Anstoß. Trier ist für ihn kein Neuland: Seit einem Jahr erinnern Stolpersteine vor dem  Haus Hohenzollernstraße 13 an die Zwillingsbrüder Ernst und Leo Salomon. 2019 soll einer in Konz hinzukommen.

Das Erinnern an homosexuelle Nazi-Opfer als Mission für den Diplom-Psychologen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bochumer Vereins Rosa Strippe („Gegen Diskriminierung – für Akzeptanz und Selbstbestimmung“)? „Das klingt mir zu kirchlich. Aber ich finde es sehr wichtig, Flagge zu zeigen in einer Zeit, da wieder völkische Ideen propagiert werden und es gefährliche Tendenzen hin zur Ausgrenzung von Minderheiten gibt. Von Hetze ganz zu schweigen.“Der positive Effekt der oft hunderte Stunden andauernden Recherchearbeit über einzelne schwule Nazi-Opfer: „Ich finde vor Ort viel Unterstützung und Zustimmung.“ Wenn auch nicht immer erschöpfende Informationen. Von Damian Reis konnte er kein Foto ausfindig machen. Der Lebensweg in Kürze: geboren am 12. August 1895 in Trier-Ehrang, aus einer Schieferdecker-Dynastie stammend und selbst Dachdecker von Beruf, katholisch, bereits mit 20 Jahren Soldat im Ersten Weltkrieg, verheiratet, zu einem unbekannten Zeitpunkt erstmalige Verurteilung nach Paragraf 175 wegen homosexueller Kontakte, Verhaftung durch die Polizei Trier 1939, letzter freiwilliger Wohnort in Trier, Zurlaubener Ufer 89. Nach der Verhaftung überstellt zum Polizeipräsidium Köln; Anfang 1942 Deportation in das KZ Sachsenhausen, dort Zwangsarbeit als Nummer 45232 in der bei Häftlingen gefürchteten Strafkompanie „Klinker“. Ermordet. Angebliche Todesursache: „Herz- und Kreislaufschwäche bei Grundleiden beidseitiger Lungenentzündung“.

Die Stolpersteinverlegung am Dienstag (30. Oktober) muss kein Schlusspunkt in Sachen Reis-Forschung sein. Wenke: „Für weitere Informationen oder ein Foto wäre ich dankbar.“ (Kontakt: www.stolpersteine-homosexuelle.de). Beginn ist gegen 14.15 Uhr. Neben Wenke wird auch Georg Weege  sprechen, Gründungsmitglied des Schwul-Lesbischen Zentrums Trier (Schmit-Z e.V.) und Stolperstein-Pate.

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