Als Moskau zwei Schläger nach Trier schickte

Als Moskau zwei Schläger nach Trier schickte

Ein unbekannter Geschäftspartner will einen Trierer Autohändler bestrafen und schickt ihm zwei Profi-Schläger ins Haus. Diese richten ein Blutbad an und verletzt en drei Menschen schwer. Das Landgericht schickte gestern einen 31-jährigen Russen für sechs Jahre hinter Gitter. Er soll einer der Schläger gewesen sein.

Trier. Als Richterin Petra Schmitz das Urteil verkündet und der vereidigte Dolmetscher es ins Russische übersetzt hat, nickt der Angeklagte kurz. Was dieses Nicken bedeutet, weiß nur er selbst. Ich habe verstanden, könnte es heißen. Oder: Ich habe es nicht anders erwartet.

Doch was tatsächlich in ihm vorgeht, bleibt sein Geheimnis. Fünf Verhandlungstage lang hat der 31-jährige Moskauer geschwiegen. Warum ist er, der kein Wort Deutsch spricht, kurz vor dem Überfall über Griechenland zum ersten Mal in seinem Leben nach Deutschland eingereist und nach Trier gekommen? Warum hatte er das Blut der Opfer an den Kleidern, als die Polizei ihn in der Christophstraße verhaftete? Er schweigt. Seine Schuld ist eindeutig, sagt Staatsanwalt Wolfgang Barrot. "Ich habe selten ein Verfahren mit so vielen Beweisen geführt."
Barrot fordert in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Es sei kein versuchter Totschlag, sondern mehrfache gefährliche Körperverletzung. "Er und sein Partner wollten die Opfer nicht töten", sagt Barrot. "Sie wollten sie strafen. Offenbar ist irgendein Geschäft schiefgegangen, der Überfall ist nichts anderes als unerträgliche Selbstjustiz."

Opfer und Zeugen, so Barrot, haben den Angeklagten als einen der beiden Täter erkannt. Der deutlichste Beweis sei das Blut aller drei Opfer des Überfalls an Schuhen, Hose und Shirt des Angeklagten - der Inhaber des Autohauses, seine Mutter und ein Mitarbeiter wurden schwer verletzt.
Die Theorie, der Überfall sei im Auftrag eines Konkurrenten geschehen, hat der Inhaber des Autohauses im Zeugenstand präsentiert. Er stammt ebenfalls aus Russland, seine Firma R-Company hat Filialen in Kiew, Moskau und Krasnodar. Bis zum Ende des Prozesses hält diese Theorie stand, die Staatsanwaltschaft glaubt sie ebenso wie das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Petra Schmitz. "Wir können diesen Hintergrund nicht aufklären", sagt die Richterin. "Das müssen wir aber auch nicht. Unsere Aufgabe ist es, über Schuld oder Unschuld des Angeklagten zu befinden."

Der Angeklagte wird von Swetlana Rosenzweig vertreten, einer russischen Strafrechtsexpertin mit einer Kanzlei in Koblenz. In einem 70-minütigen Plädoyer zieht sie die gesamte Beweislage, die Zeugenaussagen, die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft und die Verhandlungsführung des Gerichts in Zweifel und fordert einen Freispruch. Auch die Blutspuren überzeugen sie nicht: "Wir wissen schließlich nicht, wie sie an die Kleidung meines Mandanten gekommen sind. Möglicherweise ist er mit dem wahren Täter zusammengestoßen."Extra

Zwei Männer betreten am Nachmittag des 23. August 2013 die Verkaufsräume des Autohändlers R-Company neben der Porta Nigra. Sie schlagen mit Teleskopstöcken aus Metall gezielt auf die Köpfe ihrer Opfer ein - mit derartiger Wucht, dass die massiven Knüppel hinterher krumm sind. Der 35-jährige Firmenchef muss später mit 141 Stichen am Kopf genäht werden, er erleidet außerdem einen Schädelriss, einen Bruch des Mittelhandknochens und einen Abriss der Bizepssehne. Auch seine Mutter und ein Mitarbeiter werden geschlagen. Als Sirenen zu hören sind, fliehen die beiden Angreifer. Einsatzfahrzeuge der Polizei versuchen, sich mit Blaulicht und Martinshorn einen Weg durch die Innenstadt zu bahnen. In der Christophstraße nehmen die Beamten wenig später den jetzt Verurteilten fest. Vom zweiten Schläger fehlt jede Spur. jp

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