Alte Öfen, Maiskolben und ein Grenzfluss
Fischbach-Oberraden/Gemünd/Jucken · In zwölf Etappen reisen zwölf Volksfreund-Reporter von A wie Aach bis nach Z wie Zewen - einmal quer durch die Region Trier. Ihr Ziel ist es nicht nur, die eigensinnige Schönheit von Eifel, Mosel und Hunsrück zu ergründen und etwas Typisches zu essen. Sie machen sich auch auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Eine ungewöhnliche Sommerreise.
Fischbach-Oberraden/Gemünd/Jucken. Hier fällt also der Startschuss zur dritten Etappe der Sommerreise: Fischbach (Eifelkreis Bitburg-Prüm) - vier Häuser, davon zwei am Ende eines Privatweges. Nur das Murmeln des Radenbachs ist zu hören, ansonsten herrscht fast absolute Stille. Eine Idylle für die Einen, der Ort, an dem der Hund begraben liegt, für die Anderen. Keine Chance, einen Punkt auf der Liste für diese Sommerreise abzuhaken. Es sei denn, die Fata Morgana, die auf einem Felsvorsprung über der winzigen Gemeinde im Radental thront, ist echt.
Eine Sehenswürdigkeit bestaunen: Dort oben ragt tatsächlich der Turm einer Kirche auf, die angesichts der Größe Fischbachs völlig überdimensioniert wirkt. Die Frage, wer das Gotteshaus an solch einen Ort verpflanzt hat, beantwortet das Internet - auf der Straße ist kein Mensch zu sehen. Die Witwe des Düsseldorfer Jagdpächters Karl Kürten ließ die katholische Filialkirche St. Karl Borromäus zwischen 1925 und 1927 errichten. Eine Kuriosität am Rande: Sie ließ in die Kapelle eine Privatwohnung einbauen. Geschmackssache - aber die Kirche ist ein Foto wert. Über die B 50 geht es nach Süden und dann über die L 1 nach Westen, doch schon in Sinspelt ist die geplante Route nach Gemünd nur noch Makulatur. Die Ortsdurchfahrt von Geichlingen ist gesperrt. Ärgerlich, doch die Umleitung erweist sich als Glücksfall: Das Eisenmuseum in Hüttingen hätte ich ohne den Umweg nie kennengelernt.
Mit jemandem über den Sinn des Lebens reden: Theo Lukas sammelt seit seinem fünften Lebensjahr laut eigener Aussage "eigentlich alles Alte". Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte führt er das Eisenmuseum seit 13 Jahren. Der ehemalige Bauernhof und die Scheune sind bis unter die Giebel mit alten Öfen, seltenen Herd- und Kochgerätschaften, historischen Fotos, Kleidern und sogar der Einrichtung einer ganzen Schulklasse von Anno dazumal vollgestellt. Im museumseigenen Café serviert Theo Lukas frischgebackene Waffeln. Worin er wohl den Sinn des Lebens sieht? Lukas muss nicht lange nachdenken: "Der Sinn meines Lebens ist es, Altes und Historisches der Nachwelt zu erhalten", sagt er.
Etwas Regionaltypisches essen und trinken: Weiter geht\'s nach Gemünd. Es ist Samstag, doch die wenigen Gaststätten an der Strecke sind geschlossen. Die Waffel im Museumscafè war mir nicht regionaltypisch genug, und mein Magen macht mir deswegen schon bald leise Vorwürfe. Dann zweigt die L 1 in Richtung Bauler und Rodershausen ab: Die Straße steigt auf dem Weg vom Ourtal hoch zum Islek durch endlose Maisfelder an. Die Hoffnung, ein Restaurant zu finden, sinkt. Inzwischen gehen mir allerhand Maisrezepte durch den Kopf. Auf der L 10 geht es steil bergab zurück in das Ourtal zum Grenzörtchen Gemünd.
Nur der Fluss trennt Deutschland vom Großherzogtum Luxemburg, auch das ist ein Foto wert. Leider ist das Restaurant des Campingplatzes ebenfalls zu. Außerdem schüttet es unten im Tal wie aus Eimern. Oben im Islek scheint die Sonne.
Ein Andenken mitbringen: Der Weg nach Jucken beginnt wiederum mit einer Fahrt durch Maisfelder. Kurz entschlossen halte ich an und pflücke einen Maiskolben. Damit sind zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Kolben ist ein Andenken und gibt ein regionaltypisches Abendessen ab. Dass er noch unreif ist, bemerke ich erst später. Am Ortseingang von Karlshausen springt mir ein ungewöhnlich gestalteter Garten ins Auge. Er gehört Rudi Vanden, der sich gern mit dem selbst gebauten Brunnen fotografieren lässt. "Wir sind selten in den Urlaub gefahren", sagt der Pensionär. "Wir haben lieber in unserem Garten gearbeitet." Auch so kann der Sinn des Lebens aussehen."Sie sind auch nicht der erste, der hier fotografiert", sagt Rudi Vanden. "Manchmal halten sogar Reisebusse an." Ich mache einen Abstecher nach Herbstmühle, einem Ort mit 22 Einwohnern. Auch hier ist die Ortsdurchfahrt gesperrt, doch dafür bietet sich ein schönes Bild: Die versammelte Dorfjugend planscht in einem Bach.
Einen Lieblingsplatz finden: Es hat etwas gedauert. Erst am Ortsausgang von Jucken finde ich meinen Lieblingsplatz: Hier gibt es einen atemberaubenden Panoramablick: Hinter mir liegt das enge und romantische Ourtal, vor mir liegen die weiten Landschaften des Islek. Mein Maiskolben und ich schießen ein Selfie (Selbstporträt, Foto links) - Mission erfüllt.
Ausblick: Die nächste Etappe führt von Jucken über Kickeshausen nach Lünebach.