Altes Haus mit neuer Aufgabe

Die rund 380 Einwohner zählende Ortsgemeinde Naurath/Eifel baut ihre ehemalige Dorfschule zu einem Gemeindezentrum um. Im Alleingang hätte der kleine Ort das rund 550 000 Euro kostende Projekt nicht stemmen können - finanziell zur Hilfe kamen den Naurathern das Konjunkturpaket II des Bundes, das Land und das Bistum Trier.

Naurath/Eifel. Die Naurather Dorfschule, die der Straße, an der sie liegt, ihren Namen gab, wurde 1898 errichtet. Äußerlich anzusehen sind dem roten Buntsandsteinbau seine 113 Jahre nicht. Das Innere des denkmalgeschützten, zweigeschossigen Hauses ist derzeit allerdings eine Baustelle. Dort, wo mehrere Generationen der Naurather das Lesen, Schreiben und Rechnen erlernten, soll in Zukunft gefeiert, getagt und verwaltet werden - aus der ehemaligen Volksschule entsteht ein Bürgerhaus.

Einweihung im Sommer 2011 geplant



Derzeit sind verschiedene Handwerksbetriebe in der weitgehend ausgekernten Schule mit dem Innenausbau beschäftigt - im Sommer soll das Gemeindehaus eingeweiht werden.

"Anfang der 60er Jahre kam das Aus für die alte Dorfschule", erinnert sich Ortsbürgermeister Paul-Gerhard Jahn, der dort selbst noch die Grundbegriffe des Lesens, Schreibens und Rechnens erlernt hatte.

Später diente das gemeindeeigene Haus vorwiegend als Wohnung. Ein Saal im Parterre wurde auch von Vereinen und vom Ortsgemeinderat genutzt. Als 2006 die Mieter kündigten, endete der jahrzehntelange Stillstand. Ortsbürgermeister Jahn: "Im Gemeinderat begann damit die Diskussion über eine neue Nutzung. 2007 folgten erste Planungen und Gespräche mit den Behörden, und 2008 ging der Planungsauftrag an das Schweicher Büro Schuh + Weyer."

2009 begann die Gemeinde in Eigenleistung den Bau auszukernen - nichttragende Wände wurden entfernt, und nach dem Einbau neuer Stahlträger auch ein Teil der alten Tragwände. Nach rund achtmonatiger Vorarbeit zogen im Juni 2010 die ersten Handwerksbetriebe zum Innenausbau ein.

Insgesamt kostet das Projekt die Summe von rund 550 000 Euro, von denen 240 000 Euro aus dem Konjunkturpaket II finanziert werden. 43 000 Euro hat das Land für den Dachausbau zugesagt. Das Bistum beteiligt sich mit 40 000 Euro am Ausbau der alten Schule, damit die Pfarrgemeinde künftig den neuen Saal regelmäßig auch für ihre Veranstaltungen nutzen kann. Das alte Pfarrheim wurde verkauft.

Das neue Gemeindehaus wird im Parterre einen 150 Quadratmeter umfassenden Saal erhalten, der unterteilt werden kann. Im jüngeren Anbau finden eine Küche und das Treppenhaus Platz. Im Obergeschoss sind ein Dienstzimmer für den Ortsbürgermeister, ein Raum für die Krabbelgruppe und ein kleinerer Saal vorgesehen, der auch für Gemeinderatssitzungen genutzt werden soll. ExtraEhemalige Dorfschulgebäude dienen heute vorwiegend als Gemeinde-, Veranstaltungs- oder Vereinshäuser (Beispiele die Ex-Schulen in Mertesdorf, Mehring, Butzweiler, Fell) oder seltener als Kindergärten (etwa in Pluwig oder Lorscheid). Das Zeitalter der Dorfschulidylle dauert bis in die 60er Jahre. In großen Gemeinden waren die damaligen Volksschulen von jeher schon baulich in einzelne Klassenräume für die Altersstufen 1 bis 8 untergliedert. Eher die Regel auf dem Land war aber die kleine Ein-Raum-Schule, wo der "alleinregierende" Dorflehrer alle acht Altersstufen gleichzeitig unterrichtete. Anfang der 69er Jahre, mit der neuen Unterteilung in Grund- und Hauptschule, begann das Dorfschulsterben. Meist wurden zentrale neue Gemeinschafts-Grundschulen für mehrere Dörfer errichtet. Der Hauptschulbetrieb wanderte in die neuen Schulzentren, die besonders in den 69er Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen. Aus "Dorfschülern" wurden damals "Fahrschüler", die täglich Bustouren auf sich nehmen müssen - mit allen bekannten Problemen. (f.k.)