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Am 8. Juni stehen „Graustufe West“ auf der Tufa-Bühne. Ein Heimspiel für die vier Musiker – die sich nicht als Trierer Band verstehen.

Porträt : Eine Band aus Trier, die keine Trierer Band ist

Die Gewinner des Musikwettbewerbs „Rockbuster“ in Rheinland-Pfalz beweisen, dass deutsche Musik aus der Region auch anders klingen kann. Am 8. Juni stehen „Graustufe West“ auf der Tufa-Bühne. Ein Heimspiel für die vier Musiker – die sich nicht als Trierer Band verstehen.

Gute Musik zu spielen, die sich von anderen abhebt, ist nicht leicht. Gerade bei deutschen Liedern dominieren eingängige Texte, die wenig Raum für Interpretationen lassen. Nicht so bei der Gewinnerband „Graustufe West“ des landesweiten Musikwettbewerbs Rockbuster aus dem vergangenen Jahr.

In ihren Liedern wird nicht über Liebeskummer (Lea), Freiheit (Janitz, Trier) oder „Auf uns“ (Andreas Burani) gesungen. Vielmehr singen sie über soziale Missstände oder Entwicklungen, ohne dabei politisch zu werden.

Das Lied „Damit Niemand eine Zukunft hat“ könnte die Manipulation durch Medien thematisieren. Andere Deutungen sind aber auch möglich. Der Kreativität des Zuhörers sind keine Grenzen gesetzt. „Das Kunstwerk soll für sich stehen und muss interpretiert werden“, erklärt Bilel Hadhri (29, Keyboards und Gesang). „Wir haben nicht die Übersetzung für unsere Lieder“, fügt Frank Adames (27, Drums) hinzu. Der Zuhörer „kann interpretieren, wie er will“. In der deutschen Sprache, die von Redewendungengeprägt ist, sei es nicht immer leicht, „Tiefe rein zu bringen“, erzählt Songwriter Johannes Felz (26, Leadgesang und Gitarre).

Die offen formulierten, zum Nachgrübeln anregenden Texte werden durch Bass, Drums, Keyboard und Gitarre begleitet. Teils sind die Klänge verzerrt, was beim Hören gewollt an die 80er Jahre, an Joy Division oder The Cure erinnert. Es bleibt jedoch beim Erinnern: Vergleiche mit anderen Bands fallen bei so einer ungewöhnlichen Band schwer. Schließlich will Graustufe West „mehr, als nur gute Musik machen“. Sie will sich von der Masse abheben. „Wir müssen weiterdenken“, betont Johannes. Aus diesem Grund kooperieren die vier Musiker mit Trierer Multimedia-Studenten. „Jede Band will ein gutes Video machen“, stellt Bilel klar. Benötigt werden dafür nebst Motivation aber auch „Equipment, Look, Technik. Deswegen ist es gut, wenn man Verantwortung abgibt.“ Beide Parteien – Band und Studenten – profitieren von dieser Zusammenarbeit.

Obwohl die Band erst im Spätsommer 2017 gegründet wurde, ist sie schon in großen Locations aufgetreten, darunter das Exhaus, Lucky’s Luke und natürlich der Rockbuster Wettbewerb. Bekannt wurde Graustufe West unter dem Namen „Prejudged Youth“, den sie Anfang des Jahres geändert hat.

Alle vier Bandmitglieder kommen aus Trier. Ihre Zugehörigkeit zur Stadt wollen sie in ihrer Musik jedoch außer Acht lassen. „Man limitiert sich, wenn man sagt: Wir sind ’ne Trierer Band“, meint Bilel. Stattdessen versuchen sie auch in anderen Städten Fuß zu fassen und das Künstlerumfeld zu erweitern. Und die Pläne für die Zukunft? „Wir haben schon einiges in Trier gespielt, aber Porta Hoch Drei fehlt noch“, scherzt Johannes.

Angesichts der Professionalität der Band überraschen die Lebensläufe der Musiker. Hauptberuflich sind die vier als Erzieher, Lehrer, Techniker und Student anzutreffen. Einmal in der Woche kommen alle zusammen – für die Musik.

Am 8. Juni tritt Graustufe West mit Affinity KIT und Sonny Boy Slim in der Tuchfabrik auf. Die drei auftretenden Bands wurden von Pop RLP für besondere musikalische Leistungen in Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Veranstaltungsbeginn ist um 20 Uhr, Graustufe West spielt ab 22 Uhr. Der Eintritt ist frei.