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Am Moselufer kracht's besonders oft

Am Moselufer kracht's besonders oft

Das Moselufer ist Triers unfallträchtigste Route. Aber auch an anderen Ampeln, Kreuzungen und Einmündungen im Stadtgebiet passieren immer wieder Unfälle. Experten versuchen alljährlich, die Gefahrenstellen sicherer zu machen - in der Kölner Straße seit mehr als 30 Jahren ohne Erfolg.

Noch schnell über die Kreuzung, obwohl die Ampel schon dunkelgelb ist. Flott in die Lücke auf der Nebenfahrbahn ziehen, weil der Verkehr dort vermeintlich schneller fließt: Meist sind es auch in Trier unbedachte Fahrfehler, die zu Unfällen führen.

An einigen Stellen im Stadtgebiet verleiten offenbar jedoch unübersichtliche Vorfahrtsregelungen, Beschilderungen, Ampelschaltungen oder Fahrbahnmarkierungen geradezu zum Falschfahren - mit den entsprechenden Folgen.

21 solcher Unfallschwerpunkte (siehe Extra) weist die Polizeistatistik für 2013 aus. Alljährlich analysiert eine Unfallkommission - Vertreter von Straßenverkehrsamt, Tiefbauamt, Polizei und Landesstraßenbehörde - um vor Ort zu beratschlagen, wie die gefährlichen Stellen sicherer gemacht werden können.

Häufig bleiben die Bemühungen allerdings ohne Erfolg. Fünf Beispiele:

Einmündung Martinsufer/Ausoniustraße: Seit Jahren kracht es hier immer wieder wegen unvorsichtiger Spurwechsel auf der zweispurigen Fahrbahn, die von der Kaiser-Wilhelm-Brücke in die Ausoniusstraße oder nach rechts auf das Katharinenufer führt. Die Maßnahmen der Unfallkommission der vergangenen Jahre - eine mit weißer Farbe markierte Sperrfläche, zusätzliche Verkehrsschilder, Plastikschwellen zwischen den Fahrbahnen - haben die Unfälle nicht merklich reduziert.

Aufgegeben hat die Kommission allerdings noch nicht: Die gelben, niedrigen Plastikschwellen sollen nun durch massivere, rot-weiße Schwellen ersetzt werden, die nicht so einfach zu überrollen sind.
Bereits im Jahre 2011 hatten die Unfallexperten außerdem für die Kaiser-Wilhelm-Brücke ein Schild beschlossen, das die Verkehrsführung am Martinsufer erläutert. Angebracht wurde die Hinweistafel bislang allerdings nicht. "Die Aufstellung kann aus technischen Gründen erst im Zuge der Brückensanierung vorgenommen werden, voraussichtlich nicht vor 2015", begründet das städtische Tiefbauamt.

Pellinger Straße/Pacelliufer: 2009 konnte eine Verlängerung der Ampel-Rotphase auf der Uferstraße Richtung City die Zahl der Kollisionen mit Autos, die von der entgegenkommenden Fahrbahn nach links in die "Pellinger" einbiegen wollten und trotz "Rot" noch rüberhuschten, zwar zunächst senken. Trotzdem gehört die Einmündung weiter zu den Unfallschwerpunkten.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Unfallkommission beschlossen, die Ampelschaltung weiter zu optimieren. Passiert ist das allerdings noch nicht. "Die Zuschussbewilligung für die neue Ampelsteuerung liegt noch nicht vor", begründet das städtische Tiefbauamt.

Südallee/Saarstraße: Häufige Unfallursache an dieser Einmündung ist laut Kommission, dass auf der Südallee "relativ hohe Geschwindigkeiten gefahren" werden. Geschwindigkeitskontrollen seien wegen der "örtlichen und verkehrlichen Verhältnisse jedoch schwierig", heißt es in dem Bericht der Kommission weiter, die deswegen offenbar kapituliert. Maßnahmen, die die Zahl der Unfälle senken könnten, seien "momentan nicht ersichtlich".

Kölner Straße/Hornstraße: Seit mehr als 30 Jahren passieren an dieser unübersichtlichen Einmündung mit schwieriger Vorfahrtsregelung regelmäßig Unfälle.
2008 wurde versucht, den Verkehr aus der Hornstraße vor dem Abbiegen in die Kölner Straße durch neue Markierungen leicht Richtung Martinerfeld zu leiten, um so besseren Einblick in die Kreuzung zu gewähren. Der gewünschte Effekt blieb aus: Die Einmündung zählt immer noch zu Triers häufigsten Unfallstellen.
Die aktuelle Markierung der Fahrbahn wurde von der Unfallkommission trotzdem beanstandet: "schnellstmöglich erneuern", heißt es in ihrem Bericht. Eine grundlegende Änderung der Vorfahrtsregelung, um den Gefahrenpunkt sicherer zu machen, ist übrigens nicht möglich: Martinerfeld und Kölner Straße müssen vorfahrtsberechtigt bleiben, damit es keine Rückstaus über die anschließende Bahnüberführung gibt.

Zurmaiener Straße/Höhe Zeughausstraße: Dieser Unfallschwerpunkt ist offenbar hausgemacht. Denn mehrere von der Polizei gezählte Auffahrunfälle könnten "auf die dort befindliche Videowall zurückzuführen sein", heißt es in dem Bericht der Unfallkommission.
Die elektronische Werbetafel mit blinkenden Lichtern und Videos am Stadion hatte die Stadt vor Jahren genehmigt - diese Entscheidung aber im Nachhinein bereut und mittlerweile auch aus dem Fehler gelernt: Weil sie die Aufmerksamkeit der Autofahrer ablenken können, hat das Rathaus für den südlichen Stadteingang - Pacelliufer und Medardstraße - solche Blink-Tafeln kürzlich per Satzung verboten (der TV berichtete).
Um auch am Stadion für mehr Sicherheit zu sorgen, will das Straßenverkehrsamt beim Bauamt darauf drängen, dass auf der Leuchttafel zumindest keine Videos mehr gezeigt werden dürfen.Extra

Von einer Unfallhäufungsstelle sprechen Polizei und andere Behörden, wenn es an einer Kreuzung, Ampel oder sonstigen Stelle im Straßennetz innerhalb eines Jahres mindestens fünf Mal aus gleicher Ursache - etwa Fahrspurwechsel - kracht.
Für das Jahr 2012 wies die Statistik 15 solcher Unfallhäufungspunkte im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Trier aus.
2013 ist deren Zahl auf 21 gestiegen. Unsere Grafik zeigt, wo diese Unfallschwerpunkte liegen.
In der Klammer hinter den Straßenbezeichnungen ist die Zahl der Unfälle angegeben, die im vergangenen Jahr dort passiert sind. Sortiert ist die Auflistung nach der Unfallhäufigkeit. woc