Am Wochenend' im Kettenhemd

Kettenhemden und Schwerter. Keine Hörnerhelme. Die Wikinger haben geplündert, gewütet - und faszinieren Historiker. Thomas Adrian geht einen anderen Weg: Er verwandelt sich nahezu jedes Wochenende in einen Wikinger und erlebt die Geschichte selbst. Ganz ohne Plündern.

Trier. Briefmarken sammeln, Tauben züchten - es gibt viele Hobbys auf der Welt. Für Thomas Adrian gibt es nur eins: das Mittelalter. Besonders die Wikinger haben es ihm und seiner Frau Jennifer, die er durch seine Leidenschaft kennengelernt hat, angetan. "Wir tragen keine Helme mit Hörnern", sagt der 33-jährige Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr Trier. Dies sei ein weitverbreiteter Irrtum. Fast jedes Wochenende touren sie durch das Land und nehmen an Mittelaltermärkten teil, in voller Wikinger-Montur. Die ist zum größten Teil selbst gemacht, nur bei den Schuhen wurde nachgeholfen. "Wenn wir die Schuhe auf altmodische Weise herstellen würden, könnten wir uns fast jede Woche neue machen", sagt Jennifer Adrian.
1998 fing es an. Ein Freund nimmt ihn mit zu einem Mittelaltermarkt. "Es war, als würde ich schon ewig dazu gehören", sagt Adrian. Wie eine große Familie habe man ihn dort aufgenommen und ihm alles gezeigt, was er wissen wollte. "Hier gibt es keine Ellenbogengesellschaft, und jeder passt auf den anderen auf." Seither ist er mit dem "Mittelalter-Virus" infiziert. "Es macht einfach Spaß, die Geschichte selbst zu erleben."
Fast alle Kleider sind selbst hergestellt, auch der Schild, den Adrian als Schutz vor sich hält. Bei einem Gewicht von etwa fünf Kilogramm wird der Arm schnell lang und länger. In der anderen Hand hält er ein Schwert, das ein ähnliches Gewicht hat. Zur Verteidigung waren früher also vor allem muskulöse Arme nötig. Im wahrsten Sinne des Wortes schwerer hat es Adrians Bekannter Erik Möhnen. Der 22-jährige Informatiker trägt als Schutz ein zehn Kilogramm schweres Kettenhemd und schnauft schon beim Anziehen.
Diese Erfahrungen machen für sie die Faszination des Mittelalters und der Wikinger aus. "Wir erleben die Geschichte selbst", sagt Adrian. Von der Kleiderherstellung über Feuermachen mit dem Feuerstein bis hin zum Schwertkampf - die Adrians sind mittendrin statt nur dabei.
Menschen ganz nah


Außerdem haben sie seit 2008 einen Lederstand, mit dem sie auf Mittelaltermärkten präsent sind und einen kleinen Nebenverdienst erwerben. "Das soll alles unser Hobby bleiben." Zudem bieten sie ab diesem Jahr Lederseminare an, in denen man lernen kann, wie man beispielsweise eine Handtasche oder andere Lederwaren herstellt.
Adrian ermuntert alle Besucher von Mittelaltermärkten, ihn und seine Kollegen anzusprechen. "Obwohl die Wikinger ein raues Volk waren - wir sind harmlos!"

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