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Amerikanerin auf Eroberungstour

Amerikanerin auf Eroberungstour

In Hessen, Bayern und Brandenburg bildet die aus den USA eingeschleppte Beifuß-Ambrosie mittlerweile Massenbestände. In Trier ist sie bislang vereinzelt in Gärten aufgetaucht. Nun hat ein Botaniker größere Mengen der Problempflanze an der Staustufe entdeckt.

Trier. "Die Sache sollte publik gemacht werden, damit die Behörden Bekämpfungsmaßnahmen einleiten können", sagt Hans Reichert. Regelmäßig fährt der Trie rer Botaniker und pensionierte Gymnasiallehrer mit seinem Rad an der Mosel entlang. Nun entdeckte er an der Staustufe bei Euren zwischen weiß und gelb blühenden Blumen eine unscheinbare grüne Pflanze: Ambrosia artemisiifolia, die Beifuß-Ambrosie, auch als beifußblättriges Traubenkraut bezeichnet.
Verbreitung mit Vogelfutter


"Ich habe die Pflanzen ausgerissen, bis ich gesehen habe, dass ein Stückchen die Mosel runter alles voll war davon", sagt er. Ihm geht es nicht nur darum, die heimische Pflanzenwelt vor "Überfremdung" durch einen amerikanischen Exoten zu schützen: "Die Beifuß-Ambrosie ist stark allergieauslösend und kann zu Asthma führen", weiß er. Die Pollen der Pflanze gehörten zu den gefährlichsten Allergenen weltweit. Bereits geringe Dosen könnten bei Allergikern Heuschnupfen oder auch Asthma auslösen - oder Menschen erst zu Allergikern machen. Dadurch, dass die Pflanze erst vom Spätsommer an blüht, verlängere sich die Leidenszeit der Betroffenen.
In Trier sei die Beifuß-Ambrosie bisher vereinzelt in Gärten zu sehen gewesen, sagt Reichert. In einigen Bundesländern gebe es bereits Massenbestände: Die Samen würden etwa mit Futtermischungen für heimische Vögel in Deutschland verbreitet. Dies mag auch das Vorkommen an der Staustufe erklären: Hier leben zahlreiche Enten, Schwäne und Gänse.
"Die Pflanze wird hier bald wieder verschwunden sein, wenn die Erdarbeiten für die zweite Schleuse begonnen haben", vermutet Reichert. Das Problem sei damit nicht gelöst: "Der Wind hat unzählige Samen überallhin in die Umgebung verteilt, die Pflanze wird mit Sicherheit wieder auftauchen. Sie gedeiht sehr gut auf offenen Flächen." Reichert rät dem zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) zu Bekämpfungsmaßnahmen.
Dort ringt man bereits mit einem anderen eingeschleppten Exoten: mit der Herkulesstaude, dem Riesen-Bärenklau aus dem Kaukasus. "Wir bekämpfen sie überall im Rahmen unserer Mittel", sagt WSA-Mitarbeiterin Charlotte Kurz: Die giftige Pflanze führe bei Hautkontakt zu Verletzungen.
Wegen der Beifuß-Ambrosie werde sie sich an die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) wenden, mit der das Amt eng zusammenarbeite. Diese erforscht die Öko-Systeme in und an den Bundeswasserstraßen und entwickelt etwa Konzepte für eine ökologisch verträgliche Gewässerbewirtschaftung. Hans Reichert bietet dem WSA an: "Ich stelle mich gern zur Verfügung, um die Vorkommen zu zeigen."
Extra

Das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia, Wilder Hanf) stammt aus dem Nord-Osten der Vereinigten Staaten und breitet sich zunehmend in Europa aus. Die Pflanze wurde auch in einigen Gebieten in Rheinland-Pfalz entdeckt. Die einjährige Pflanze blüht von Juli bis Oktober. Sie entwickelt sich vor allem auf offenen Flächen im Feld, an Straßenrändern und in Gärten, hier vor allem an Vogelfütterungsstellen des letzten Winters, bedingt durch verunreinigtes Vogelfutter, aber auch in Schuttgruben und auf Baustellen. (Quelle: Landesministerium für Gesundheit)