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Amokdrohung: Das sagen Stadt, Uni und Studenten

Amokdrohung : Nach Amoklauf-Drohung: Das sagen Stadt, Unipräsident und Studenten

Der Schock sitzt tief: Ein 23-Jähriger drohte im Internet einen Amoklauf an, die Universität wurde gesperrt, 200 Polizisten waren im Einsatz. Mittlerweile ist der Mann gefasst. Der TV hat mit Studenten, dem Unipräsidenten und der Stadtverwaltung gesprochen.

Der TV hat sich am Freitag auf dem Campus der Uni Trier umgehört und mit mehreren Studenten über die Amokdrohung gesprochen.

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Hendrik Christ, Darius Mees und Lisa Braune studieren gemeinsam Medienwissenschaften an der Uni. Hendrik Christ: „Persönlich habe ich mich nicht bedroht gefühlt, aber manche Studenten haben sich mehr Sorgen gemacht als andere. Insgesamt ist es bei solchen Situationen aber immer besser, vorsichtig zu sein, anstatt es später bereuen zu müssen.“

Lisa Braune erzählt von ihrer ersten Reaktion auf den Post im sozialen Netzwerk Jodel: „Ich war nicht groß beunruhigt und dachte erst, dass jemand trollt und sich daran aufgeilt, Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Die Plattform Jodel ist besonders bei Studenten beliebt, da sie eine ortsbezogene Vertrautheit und den Austausch mit anderen Usern ermöglicht. Hendrik Christ und Darius Mees berichten von dem Polizeieinsatz: „Die Polizei konnte nicht das komplette Geländee absperren, und manche Busse kamen immer noch durch bis zur Mensa. Scheint so, als hätte es bei der Zusammenarbeit zwischen Polizei, Uni und SWT Probleme gegeben.“

„Gut war aber, dass der Präsident der Uni Trier mit uns sprach und uns die Situation am frühen Morgen uns erklärte“, berichten die drei Studenten. Lisa Braune, Darius Mees und Hendrik Christ sind nach dem Chaos nachdenklich, wie man Amokläufe generell verhindern kann. Lisa Braune sagt: „Am besten ist es, diese Menschen zu erreichen und mit ihnen zu reden, bevor es zu so etwas kommt. Das Problem an der Wurzel anzugehen bringt uns mehr, als darauf verspätet zu reagieren.“

Der Jurastudent Arno Schönberger kam morgens früh an der Uni an und wurde dann von Mitstudenten informiert, was sich auf Jodel abspielte. „Die Stimmung am Campus ist mittlerweile ziemlich entspannt, aber natürlich muss man so eine Drohung immer ernst nehmen.“

Auch Uni- und Stadtverwaltung geben Stellungnahmen ab:

Professor Michael Jaeckel, Präsident der Uni Trier: „So einen Fall mit großen Absperrungen hatten wir vorher noch nicht. Es gab mal eine Botschaft zu einem Amoklauf auf einem Schreibpult Audimax und auch Drohungen über Mail oder Twitter an bestimmte Personen. In der Nacht hat die Polizei nach einem vorgesehenen Ablaufschema die Uni-Kanzlerin Ulrike Graßnick informiert. Dann wurden unsere IT-Experten hinzugezogen. Einer von ihnen hat der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben, um den mutmaßlichen Verfasser der Chatnachrichten ausfindig zu machen. Welche Maßnahmen zu ergreifen sind, ist immer eine Frage des Abwägens. Wir halten uns dabei an die Vorgabe der Polizei. Die Ankündigung des Amoklaufs musste man ernst nehmen. Es ließ sich nicht verhindern, dass auch nach der Absperrung noch Menschen auf dem Campus waren oder dorthin kamen. Wir haben allen Mitarbeitern und Studierenden empfohlen, dem Campus fern zu bleiben, bis Entwarnung gegeben wird. Am Morgen gab es einige Seminare, danach ruhte der Vorlesungsbetrieb. Audimax und Mensa blieben geschlossen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei hat gut funktioniert. Ich hoffe, dass der Vorfall nicht zu Nachahmungstaten führt.“

Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier: „Die Stadt Trier hat gegen 7 Uhr einen Kristenstab aktiviert. Bei Rettungsdienst und Feuerwehr waren über 100 Leute mehr in Bereitschaft als im Normaldienst, etwa die Hälfte davon Ehrenamtliche. Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Feuerwehrdezernent Thomas Schmitt waren ständig informiert über die aktuelle Lage. Sie danken allen Beteiligten für ihr Engagement.“