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Amokfahrt 2020 in Trier: Stiftung für Opfer steht kurz vor Gründung

Finanzielle Hilfe : Nach Amokfahrt in Trier: Stiftung für Hinterbliebene steht kurz vor Gründung

Finanzielle Unterstützung soll es geben für die Menschen, die Anfang Dezember bei der Amokfahrt durch Trier verletzt oder traumatisiert wurden oder Angehörige verloren haben. Die dafür geplante Stiftung könnte nun bald ihre Arbeit aufnehmen.

Die Gründung einer Stiftung für Hinterbliebene und Opfer der Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 in Trier steht unmittelbar bevor. Das hat die Stadtverwaltung am Montag bekanntgegeben.

Auf einem Hilfekonto der Stadt war mehr als eine Million Euro an Spenden zusammengekommen, mit denen nun über die Stiftung Betroffenen geholfen werden soll. Bei der Amokfahrt, deren mutmaßlicher Täter ein 51-jähriger Trierer war, wurden fünf Menschen getötet und Dutzende teils schwer verletzt worden. Das gesammelte Geld, so die Stadtverwaltung, stehe ebenso für Hinterbliebene der Opfer und Verletzte zur Verfügung wie für Augenzeugen, die aufgrund der traumatischen Erlebnisse nach wie vor in psychiatrischer Behandlung seien.

Die Gründung der Stiftung wurde laut Stadtverwaltung mit den Familien der Hinterbliebenen im Rahmen der laufenden Gespräche der Katastrophen-Nachsorge abgestimmt. Ein Satzungsentwurf für die Stiftung liege derzeit zur Prüfung beim Finanzamt und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.

Alle Familien der Hinterbliebenen hätten aus den Spendengeldern unmittelbar nach der Amokfahrt eine Soforthilfe von 10 000 Euro erhalten. Zudem würden Rechnungen aus den Spenden bezahlt, die nicht oder nur zum Teil aus dem Opfer-Entschädigungsgesetz oder von Versicherungen gedeckt sind – beispielsweise, wenn Begräbniskosten höher gewesen seien als die Pauschalsumme aus dem Opfer-Entschädigungsgesetz. Das Büro des rheinland-pfälzischen Opferbeauftragten berät die Hinterbliebenen und Opfer-Familien und hilft bei der Antragstellung, wenn es Hilfebedarf gibt. Gibt es keine Möglichkeit, Mittel von Kassen oder Versicherungen zu bekommen, stehen die Mittel aus dem Spendenfonds als Soforthilfen zur Verfügung.

Nach dem Entwurf der Stiftungssatzung wird es künftig eine ehrenamtliche Stiftungsleitung geben, die sich um die gerechte Verteilung des Geldes kümmern soll. Die vorgesehene Vorsitzende der Stiftung werde sich bei einem weiteren Nachsorge-Treffen am kommenden Wochenende den Hinterbliebenen und Opfern vorstellen.

Das Geld der Stiftung soll im Laufe der nächsten zehn Jahre komplett ausgezahlt werden. Durch die Stiftungskonstruktion entstehen laut Verwaltung keine Verwaltungs- oder Personalkosten. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe sagte dazu: „Ich kann verstehen, dass viele Menschen sich fragen, warum es mit der Gründung einer solchen Stiftung nicht schneller geht. Wir wollen aber in jedem Fall einen rechtlich sicheren Rahmen schaffen, damit die Auszahlung des Spendengeldes auch tatsächlich bei den Betroffenen den vorgesehenen Zweck erfüllt.“ Ehe große Summen überwiesen würden, solle geprüft werden, ob eine Spende an Hinterbliebene oder Opfer nicht dafür sorgen könnt, dass diese Ansprüche gegenüber Versicherungen oder Sozialkassen verwirkten. Bekomme beispielsweise ein Empfänger von Sozialleistungen einen großen Betrag gespendet, könne er unter Umständen seine Sozialhilfe-Ansprüche verlieren.

Im Rahmen der Katastrophen-Nachsorge sind mit den Hinterbliebenen-Familien laut Stadtverwaltung auch erste Gespräche zur Form einer dauerhaften Gedenkstätte in Trier für die Opfer geführt worden. Es gebe eine Vielzahl an Ideen. Darüber werde weiter mit alle Hinterbliebenen gesprochen, denn es solle eine möglichst einmütige Lösung gefunden werden, die allen Wünschen gerecht wird.