1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Amtsgericht Trier: 31-Jähriger wegen mehrfachen Diebstahl verurteilt

Prozess : Diebstahl für den guten Zweck? Warum sich ein 31-Jähriger bei seinem Arbeitgeber in Trier mehrfach bediente

Das Amtsgericht Trier hat einen 31-Jährigen verurteilt. Der Angeklagte war beschuldigt worden, Mitte 2021 Elektroartikel im Wert von über 5000 Euro von seinem Arbeitgeber gestohlen und verkauft zu haben. Das Geld wollte er jedoch nicht für sich behalten.

Kaffeemaschinen, Smoothiemaker, Kontaktgrills, Fernseher. All das soll ein 31-Jähriger Mann aus Trier in mehreren Nacht- und Nebelaktionen von seinem Arbeitgeber gestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in 20 Fällen vor, er habe die neuwertigen Elektroartikel unter Altgeräten versteckt und nachts mit seinem Auto abgeholt. Der Diebstahl sei nur aufgefallen, da der Chef des Angeklagten sich eines Nachts auf die Lauer legte und ihn auf frischer Tat ertappte. Die Polizei nahm ihn noch an Ort und Stelle fest.

Krieg in Bergkarabach war der Auslöser

Der Angeklagte legte direkt zu Beginn der Verhandlung ein umfassendes Geständnis ab. Dies hatte er auch schon gegenüber der Polizei getan. Darüber hinaus ließ er über seinen Bruder weitere Artikel zurückbringen, die er bereits gestohlen hatte.

Der in Armenien geborene Angeklagte mit deutscher Staatsbürgerschaft äußerte sich wie folgt über sein Motiv. Ende 2020 kam es in seiner Heimat Armenien zu Kämpfen um die Region Bergkarabach. Dabei seien auch Freunde und Bekannte von ihm teils schwer verwundet worden. Den Tränen nahe schildert er dem Gericht vom Bild eines 23-Jährigen Freundes, der beide Arme verloren habe.

Um die Opfer des Krieges und deren Angehörigen unterstützen zu können, habe er angefangen zu stehlen. Auch sein Auto habe er zum Verkauf angeboten. „Als ich nach Deutschland kam, hatte ich mir geschworen nichts Verbotenes zu tun. Aber als ich sah, was in meiner Heimat geschah, handelte ich wie automatisch. Ich schäme mich und bin froh, dass ich durch Corona eine Maske tragen muss, damit man mein Gesicht nicht sieht“, erklärt der Angeklagte der Vorsitzenden Richterin.

Staatsanwaltschaft fordert 1 Jahr auf Bewährung, Verteidigung plädiert für unter 1 Jahr

Durch das umfassende Geständnis verzichtete das Gericht auf die Vernehmung von Zeugen. In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Bis zum Tatzeitpunkt sei der Angeklagte, bis auf einen Strafbefehl, nicht kriminell in Erscheinung getreten. Auch die Motivlage sowie sein Geständnis müsse man ihm zugutehalten. Allerdings seien Güter im Wert von 5000 Euro keine Bagatelle mehr, sondern gewerbsmäßiger Diebstahl.

Die Verteidigerin plädiert für eine Bewährungsstrafe unter einem Jahr. Ihr Mandant habe seine Lektion gelernt, zeige Reue und habe darüber hinaus umfassend mit der Polizei kooperiert. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, das übrige Diebesgut verschwinden zu lassen, jedoch habe er sich nach seiner Festnahme dazu entschlossen alle Gegenstände, die noch nicht verkauft worden waren zurückbringen zu lassen.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte nochmals ausführlich. Er sei betrübt, dass keine Zeugen vernommen worden waren, da er sich auch gerne persönlich bei seinem Arbeitgeber entschuldigt hätte.

Geständnis und Motiv sprechen für den Angeklagten

Die Vorsitzende Richterin folgt in ihrer Urteilsbegründung den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und verurteilt den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Des Weiteren muss er Schadensersatz zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. Sein Geständnis und das Motiv sprächen zwar für ihn, aber es hätte andere Wege gegeben, Geld für die Opfer des Krieges zu sammeln, zum Beispiel online.

Außerdem habe er das Vertrauen seines Arbeitgebers missbraucht. Die Vorsitzende Richterin gehe jedoch davon aus, der Angeklagte habe durch die Nacht in der Gewahrsamszelle seine Lektion gelernt und werde wohl keine weiteren Straftaten begehen. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel.