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An diesem heimeligen Ort ist tatsächlich jeder willkommen

An diesem heimeligen Ort ist tatsächlich jeder willkommen

Im Lern-Café in Trier-Euren treffen sich Flüchtlinge aller Nationen. Sie reden, trinken Tee, während ihre Kinder spielen und basteln. Noch im Februar dieses Jahres hat sich die Alternative für Deutschland an demselbem Ort gegen Ausländer ausgesprochen.

Trier. Nur mit Mühe findet man das Lerncafé in Trier-Euren. Es liegt am Hintereingang des Bürgerhauses Druckwerk und, ohne Schilder und Wegweiser, wirkt der Titel "Willkommenscafé" im ersten Moment deplatziert.
Doch dann ein anderes Bild: Unentgeltlich backen Eurener Frauen jeden Mittwoch Kuchen. Auch montags, dienstags und donnerstags sind sie da. Dann schenken sie jedoch keinen Kaffee aus, schließlich sind an diesen Tagen die ausländischen Besucher auf den Deutschunterricht fokussiert. "Sie bemühen sich und sind so herzlich", schwärmt Marion. Sie und vier andere Frauen betreuen die Flüchtlinge an diesem Mittwoch. Seit Oktober vergangenen Jahres werden die Treffen jede Woche veranstaltet, die Finanzierung läuft ausschließlich über Spenden. Ein Großteil davon, unter anderem auch die Miete, wird durch den Zuschuss des Vereins "Demokratie Leben" bezahlt.
Ausgelassene Stimmung


Den restlichen Teil übernimmt die Eurener Gemeinschaft. "Die Leute im Dorf unterstützen uns enorm", bestätigt Marion. Zudem würden zehn Eurener Wohnraum zur Verfügung stellen.
Zu den Flüchtlingen mit eigenem Wohnraum zählt eine Großfamilie aus Syrien. Die alleinerziehende Mutter mit neun Kindern ist alleine geflüchtet, da der Vater kurz vor dem Aufbruch bei einem Bombenanschlag umkam. Nun hat sie eine eigene Wohnung in Biewer gefunden, was sie jedoch nicht davon abhält, jede Woche ins Willkommenscafé in die Ottostraße zu kommen. Um den Transport kümmert sich der Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz.
Dass die Alternative für Deutschland (AfD) vor den Landtagswahlen ausgerechnet über dem Lern-Café im Druckwerk für ihre Partei werben musste, entsetzt ihn noch heute. Von Einschüchterung fehlt jedoch jede Spur. Die Kinder werden weiterhin von Biewer nach Trier gebracht. Die Stimmung ist ausgelassen, man drückt und herzt sich. Seit Januar sind sie jede Woche dabei und gehören mittlerweile "praktisch zur Familie", erzählt Karin. "Der Austausch an allen sozialen Stellen in Trier-Euren ist großartig", erzählt Heiner Finke, der ebenfalls ehrenamtlich im Lerncafé tätig ist.
Zufrieden ist auch Ashar Mohammed Ziad. Seit fünf Monaten kommt der Syrer jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in die Ottostraße. Wer ihn sprechen hört, glaubt nicht, dass er erst seit fünfeinhalb Monaten in Deutschland ist. Sein Diplom für Zahnmedizin hat er in Kroatien gemacht, dort lebte Ashar zehn Jahre lang. Danach machte er Praktika in der Schweiz. Jetzt hofft er, als Zahnarzthelfer eine Anstellung zu finden und nach seiner Approbation als Zahnarzt arbeiten zu können.
Seine Tochter ist in einer Klasse für Flüchtlinge in der Berufsausbildendenden Schule für Gesundheit und Soziales untergebracht. lisi