An Trier vorbei über zwei Brücken

An Trier vorbei über zwei Brücken

Bringen zwei Brücken die ersehnte Verkehrsentlastung für den Raum Trier? Die Trier-Saarburger SPD hat im Kreistag den Bau einer neuen Verbindung aus dem Raum Konz zur Autobahn bei Langsur vorgeschlagen. Das zuständige Mainzer Innenministerium weiß bisher noch nichts von dieser Idee.

Auf dem Papier gibt es sie schon: Die von der SPD im Kreistag Trier-Saarburg vorgestellte Alternative zum vermutlich bis zu 50 Millionen Euro teuren Moselaufstieg, die Direktverbindung aus dem Moseltal zwischen Trier-Zewen und Igel, soll die Stadt von einem Teil des Verkehrs entlasten und den Raum Konz-Saarburg besser an die A 1/A 64 anbinden. All das soll nach einer ersten Berechnung der Sozialdemokraten rund 40 Millionen Euro kosten und neben einer neuen Mosel- und einer Sauerbrücke auch einen neuen Tunnel umfassen.

Mehrheit lehnt Vorschlag ab


Die Idee für die neuen Brücken ist nicht ganz neu. Bereits im Mai 2011 hatten die Tawerner Sozialdemokraten auf ihrer Internetseite den Bau neuer Brücken vorgeschlagen (der TV berichtete). Damals war von einem Tunnel durch die Weinberge noch nicht die Rede. Weiter verfolgt wurde das Vorhaben nicht.

Offensichtlich hat den Vorschlag auch auf Kreisebene niemand nachhaltig zur Kenntnis genommen. Denn die Vertreter von CDU, FWG, FDP und Grünen im Kreis waren vom Redebeitrag des Fraktionsvorsitzenden Alfons Maximini überfahren, der eine Abkehr vom Festhalten am Moselaufstieg gefordert und das Zwei-Brücken-Modell vorgestellt hatte: Von der B 419 zwischen Wasserliesch und Wellen soll eine neue Brücke über die Mosel führen, die zwischen Wasserbilligerbrück und Igel an die Bundesstraße 49 angeschlossen wird.

Von dort aus könnte nach Vorstellungen der Sozialdemokraten ein rund 600 Meter langer Tunnel zur Bundesstraße 418 bei Langsur führen. Weiter soll es dann über die Sauer und eine möglicherweise ausgebaute und heute schon bestehende steile Cantonalstraße auf luxemburgischer Seite zur Autobahn am ehemaligen Grenzübergang Wasserbillig gehen (siehe Karte).

Einen Teil der Kosten könnte nach Ansicht der SPD der Luxemburger Staat übernehmen. Denn auch die Gemeinden Grevenmacher und Mertert/Wasserbillig hätten ähnlich wie auf deutscher Seite Igel, Temmels und Oberbillig ein Interesse daran, den Durchgangsverkehr aus ihren Orten herauszubekommen. Es habe bereits Gespräche mit Kommunalpolitikern aus dem Großherzogtum gegeben, sagt Maximini.
Weniger Transitverkehr in Trier


Auch für die Stadt Trier bringt die Zwei-Brücken-Lösung nach Ansicht der SPD Vorteile. So müsste der über die B 51 laufende Transitverkehr aus dem Raum Saarbrücken und Köln nicht mehr durch die Stadt fahren. Eine Idee für die Verbesserung der Verkehrssituation im Norden Triers hatten die Sozialdemokraten nicht mit zur Sitzung gebracht.

Im Trier-Saarburger Kreistag hat sich indes keine Mehrheit für die Idee der SPD gefunden. Eine Mehrheit aus CDU, FWG und FDP möchte stattdessen mit einem Aktionsbündnis erreichen, dass der Moselaufstieg und die Nordumfahrung doch noch gebaut werden. Von dieser Idee halten wiederum die Trier-Saarburger Grünen und die SPD nichts. Und auch die Ablehnung seines Zwei-Brücken-Modells lässt Maximini kalt. Der Sozialdemokrat möchte, dass das rheinland-pfälzische Innenministerium die Brücken-Tunnel-Lösung prüft. Sein Ziel ist, dass das Vorhaben in den Bundesverkehrswegeplan für die Jahre ab 2025 aufgenommen wird.

Im zuständigen Mainzer Innenministerium sind die Vorschläge für den Brückenbau bisher nicht bekannt, sagt Sprecher Joachim Winkler. Er stellt klar, dass derzeit am Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 gearbeitet wird. Grundsätzlich müssten alle Vorhaben fachlich geprüft werden, ehe sie in den Plan aufgenommen werden.
Ihre Meinung

Was ist Ihre Meinung zum Zwei-Brücken-Plan? Ist der Bau einer neuen Straße zwischen der Mosel und der Autobahn bei Wasserbillig sinnvoll? Oder soll der Moselaufstieg doch gebaut werden? Mailen Sie uns Ihre Meinung in wenigen Sätzen an echo@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).
Meinung

Pro: Keine Denkverbote
Ja, es muss eine neue Brücke her. Nur so ist das morgendliche Pendler-Chaos zwischen Konz und Luxemburger Grenze noch in den Griff zu bekommen. Spätestens dann, wenn die Grevenmacher Brücke abgerissen wird und sich ein Großteil der Luxemburg-Fahrer durch Trier quälen werden, müssen das auch die Trierer begreifen. Bereits vor Jahren hätte man die Chance gehabt, das Problem zu lösen. Und zwar kostengünstig. Als nämlich die Luxemburger angeboten haben, von Temmels aus eine Brücke mit direktem Autobahnanschluss zu bauen und vor allem zu bezahlen. Daraus wurde nichts. Daher ist der alte, nun wieder aus der Schublade gekramte Vorschlag einer Zwei-Brücken-Lösung zumindestens bedenkenswert. Ihn einfach als Ablenkungsmanöver abzutun ist falsch. Um die Verkehrsprobleme Richtung Luxemburg in den Griff zu bekommen, darf es keine Denkverbote geben. b.wientjes@volksfreund.de

Contra: Ablenkungsmanöver
Brücke, Tunnel, Brücke - und schon sind nahezu alle Verkehrsprobleme behoben. So einfach stellen sich offensichtlich die Trier-Saarburger Sozialdemokraten die Lösung der drängenden Verkehrsprobleme vor. Doch leider ist die Wirklichkeit komplizierter. Und die Welt besteht nicht nur aus den Wünschen von Konzern und Saarburgern nach einer besseren Anbindung ans Autobahnnetz. Vor diesem Hintergrund ist es wenig hilfreich, eine bereits vor zwei Jahren erfolglos ins Gespräch gebrachte Idee noch einmal zu verkünden und anzupreisen. Statt also mit einem vagen Ablenkungsmanöver die eigene Kehrtwende in der Verkehrspolitik und das Einknicken vor dem Koalitionspartner in Mainz kaschieren zu wollen, sollten sich die Sozialdemokraten in Land und Stadt zu ihrer Region bekennen. Und ebenfalls alles dafür tun, damit Trier und das Umland nicht irgendwann im Verkehr ersticken. h.jansen@volksfreund.de

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