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Andreas Schulze: Schlagerlied-Produzent aus Schweichswünscht goldene Schallplatten

Musik : Schweichs Schlagerlied-Produzent: Zwei goldene Schallplatten sind sein Traum

Andreas Schulze aus Schweich schreibt Texte für Schlagersänger wie G.G. Anderson. Der TV hat ihn in seiner Kreativhöhle besucht und sich in die Geheimnisse seiner Branche einweihen lassen.

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Dieses Zitat des französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885) präsentiert Andreas Schulze aus Schweich auf seiner Internetseite. Damit will der Schlager-Ghostwriter sein persönliches Statement  unterstreichen, dass Schlager für ihn mehr sind als nur ein seit Kindheitstagen gepflegtes Hobby. Mittlerweile sind sie neben seiner eigentlichen Profession als IT-Spezialist im Außenhandel sozusagen seine zweite Berufung.

1976 in Trier geboren, lebt der heute 45-jährige Familienvater die Schlagerleidenschaft seit Kindheitstagen. Inspiriert durch die Texte und Melodien namhafter Szene-Größen wie Matthias Reim, entwickelte sich aus anfänglicher Neugier eine Begeisterung, die ihm im Laufe der Zeit einige Auszeichnungen und einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Szene verschafft hat.

Im Gespräch mit dem TV erklärt Andreas Schulze, dass er sein Hobby gern schon früher zum Beruf gemacht hätte, dies aber aufgrund fehlender regionaler Schlagergrößen und hierzulande mäßiger Begeisterung für die Szenekultur damals noch sehr schwierig gewesen sei. Deshalb habe er in seiner ersten Lebensetappe eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen, bevor er seinen Zielen vor fünf Jahren ein gutes Stück nähergekommen sei. Dann nämlich konnte er unerwartet durch den von Josef Hassing gesungenen Hit „So ein Küsschen“, der den dritten Platz bei der Ballermann-Hits-Auszeichnung bekam, auf sich aufmerksam machen.

„Seitdem melden sich bekannte Interessenten gelegentlich bei mir und nicht mehr nur andersherum“, sagt Andreas Schulze und lacht. Vor allem in den vergangenen Jahren habe er sich nach seinen ersten überregional erfolgreichen Texten ein stabileres Standbein aufbauen können und einige Produzenten, Szene-Künstler und andere Songwriter kennenlernen dürfen. Gesungen wurden seine Texte seitdem unter anderem von Szenebekanntheiten wie H.K. Krüger, Marc Sommerfeld, Matthias Lenz, G.G. Anderson, Josef Hassing und El Capone.

Das, was ihn antreibe und motiviere, sei aber nicht der Ruf nach Anerkennung und Bekanntheit, sondern die Freude an der Sache, denn er selbst sei eher der Mann „hinter der Bühne“.

Ein persönlicher Herzenswunsch wäre für Andreas Schulze aufgrund seiner Heimatverbundenheit, irgendwann einmal dazu beizutragen, dass Schlager in der Region an Beliebtheit gewinnen. Das sei eines der Hauptmotive, die ihn antreiben.

Auf die Frage, wie die Corona-Krise seine Arbeit beeinflusst habe, entgegnet er, dass zwar durch die fehlende Live-Kultur ein Loch entstanden sei. Dies ändere aber an seiner Arbeitsweise wenig, da er als Songwriter nicht auf der Bühne stehe und ausschließlich von zu Hause aus arbeiten könne. Ein großes Privileg zurzeit, wie er meint.

Sicher sei für ihn auch, dass die Schlagerkultur generell nicht nennenswert durch die Krise geschädigt sei. Wöchentlich verfolgt er neue Titel über große Plattformen wie YouTube und macht sich so ein aktuelles Bild von der Szene.

„Gerade in den Hochburgen wie zum Beispiel im Ruhrpott scharren die Leute bereits mit den Hufen. Wenn Corona irgendwann mal vorbei ist, wird es nicht lange dauern bis die Leute wieder (bei dann sicher bald wieder stattfindenden Konzerten) in Schlagerlaune verfallen.“

In der Schlagerszene mitzumischen und sich als Außenstehender als Songwriter einen Namen zu machen, sei nicht leicht, beteuert Andreas Schulze. Wer eine Laufbahn in dem Genre anstrebe, müsse auch lernen, mit Niederlagen umzugehen. Auch jetzt komme es gelegentlich noch vor, dass Angebote gänzlich unbeantwortet blieben und weitere Anfragen zeitweise ausblieben.

Wer jedoch wirklich Freude an der Musik habe und durchhalte, werde irgendwann belohnt. In seinem Fall erfolgte diese Belohnung in Form der Auszeichnung für den besten Schlagersong für das Lied „Sterne sieht man nur im Dunkeln“ von Marc Sommerfeld. „Solche Auszeichnungen sind nie das Ziel, aber bestärken dich in der Annahme, dass du nicht alles falsch machst und andere deine Leidenschaft und die Inhalte nachempfinden können. Das ist natürlich eine unheimlich gute Motivation, am Ball zu bleiben und weiterzumachen.“

Zu der Frage nach der persönlichen Vorgehensweise beim Schreiben von Songtexten sagt Andreas Schulze, dass es im Schlagerbereich die ungeschriebene Leitlinie „Liebe und Sehnsucht“ gebe, an der man sich immer orientieren könne, wenn man nach generell passenden Themen suche. Das seien die Bereiche, die seit eh und je am meisten im Schlager thematisiert würden und vielleicht auch am besten in dieser Musikform geäußert werden könnten.

Er selbst orientiere sich aber sehr an den Menschen selbst und deren Gefühlen, weshalb es auch für ihn einfacher sei, Texte für Bekannte und Nahestehende zu verfassen als für gänzlich Fremde. Dies verleitet Andreas Schulze zu der These: „Je positiver und empathischer der Künstler, desto besser der Lied-Inhalt des Schlagertextes.“

Die Antwort auf die Frage nach neuen Projekten bleibt vorerst unkonkret, weil zwar etwa fünf potenzielle Projekte in den Startlöchern stünden, aber aufgrund der derzeitigen Situation noch nicht alles in trockenen Tüchern sei. Man könne nur so viel sagen, dass etliche neue Projekte und Ideen bereits auf bessere Zeiten  warteten.

Zuletzt teilt Andreas Schulze im Gespräch noch mit, dass ein wesentliches Ziel in Bezug auf seine musikalische Arbeit in den nächsten fünf Jahren sei, zwei goldene Schallplatten zu erhalten. Dies stehe aber nicht an der Spitze seiner Proritätenliste.

Auch als regionaler Schlagertexteproduzent werde er wohl, solange es ihm möglich sei, an seiner Leidenschaft festhalten und mit dieser Haltung vielleicht irgendwann einmal Texte an die Topstars der Szene wie Helene Fischer und Matthias Reim bringen.