Angeklagter entschuldigt sich im Gericht bei Opfern

Angeklagter entschuldigt sich im Gericht bei Opfern

Ein 26-jähriger Student muss sich seit gestern wegen eines Raubüberfalls vor dem Trierer Landgericht verantworten. Gleich zu Beginn legte er ein Geständnis ab. Er habe vergangenes Jahr einen Mann und eine Frau überfallen und deren Handys geklaut.

Trier. Nein, da sitzt nicht der typische Räuber auf der Anklagebank. Einer, der aus Geldnot, Habgier oder Drogensucht andere überfällt. Der 26-jährige Kölner ist ein bis dahin unbescholtener Student, der zunächst Jura studiert hat, bevor er vor zwei Jahren zu Politik und Japanologie gewechselt ist. Seit Ende Januar sitzt er in Untersuchungshaft. Schlimm sei es dort, sagt der schmächtige, fast jugendlich wirkende Mann. Er stammt aus einem guten Elternhaus, wurde als Baby aus einem SOS-Kinderdorf in Brasilien adoptiert, seine Mutter Ärztin, der kürzlich verstorbene Vater Rechtsanwalt.
Nach der Grundschule geht er auf eine englische Privatschule in Köln, macht ein passables Abitur, geht zur Bundeswehr und danach vier Monate nach Japan, bevor er nach Trier kommt zum Studieren. Geldsorgen, sagt der schüchtern wirkende, redegewandte Mann, habe er keine. Wenn er etwas brauche, bezahle ihm das seine Mutter, die ihm monatlich das Geld für seinen Lebensunterhalt überweise.
Warum er am 4. August vergangenen Jahres zusammen mit dem Sohn seiner Patentante vor den Kaiserthermen in Trier ein junges Paar überfallen hat und die Han dys der beiden geklaut hat, weiß er auch nicht so genau. Sein Kumpel aus Euskirchen, den er Cousin nennt, habe ihn dazu überredet. Der 19-Jährige wollte ein neues Handy haben. Daher seien sie "relativ spontan" auf die Idee gekommen, den Mann und die Frau, zwei Studenten, auf die sie nachts um halb zwei zufällig getroffen sind, zu überfallen.
Zuvor hätten sie bei ihm zu Hause etwas getrunken und sogenanntes Ballerspiel am Computer gespielt, seien dann in die Stadt gegangen und hätten im Palastgarten mit sogenannten Softair-Pistolen geschossen. Die oft wie echte Schusswaffen aussehenden Druckluftwaffen verschießen kleine Plastik- oder Metallkugeln. Unklar bleibt an diesem ersten Prozesstag, wem die Pistolen gehören. Während der 27-Jährige sagt, sein Kumpel habe beide mitgebracht, behauptet dieser, jeder von ihnen besitze eine Pistole. Auch ob der 19-Jährige, wie vom Angeklagten und auch von den beiden Opfern ausgesagt, ein Messer dabei hatte, bleibt ungeklärt. Der Jüngere, der sich im April in Euskirchen wegen der Tat vor Gericht verantworten muss, bestreitet das.
Er habe den Überfall zunächst für einen "üblen Scherz" gehalten, trotzdem habe er Angst gehabt, sagt der überfallene 27-Jährige. Nachdem sie die Telefone hatten, habe er erfolglos versucht, der Frau den Rucksack zu entreißen, gesteht er. Daraufhin seien sie durch den Palastgarten geflohen, der Mann habe sie verfolgt, und sein Kumpel habe dabei mit der Pistole auf ihn gezielt. Die beiden Handys habe sein Kumpel behalten. Der Angeklagte entschuldigt sich im Gerichtssaal bei den Opfern, spricht von einer "Dummheit". Sein Verteidiger Andreas Ammer geht von einem "minder schweren Fall" aus. Ob das Gericht das auch so sieht, entscheidet sich am 12. April. Dann soll das Urteil fallen.

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