Anja Reinermann-Matatko und Wolf Buchmann führen Trierer Grüne in den Wahlkampf

Kommunalwahl : Neues Personal bei den Trierer Grünen

Bei der Nominierung ihrer Stadtratskandidaten haben die Trierer Grünen die bisherige Besetzung der Fraktion komplett durcheinandergewirbelt. Anja Reinermann-Matatko und Wolf Buchmann heißt das Spitzenduo.

Anja Reinermann-Matatko ist zurück: Die 37-Jährige war 2015 nach Bonn umgezogen und hatte deshalb ihr Mandat im Trierer Stadtrat niederlegen müssen. Mittlerweile wohnt die promovierte Geografin wieder in Trier – und will zurück in die Politik. Am Samstag haben die Trierer Grünen sie zu ihrer Spitzenkandidatin für die Kommunalwahlen am 26. Mai nominiert (29 Ja-, 10 Nein-Stimmen, vier Enthaltungen).

Insbesondere, dass Oberbürgermeister Wolfram Leibe kürzlich angekündigt hat, künftig verstärkt große Einzelhandelsunternehmen in Gewerbe- und Industriegebieten rund um die City ansiedeln zu wollen, habe sie zu ihrer Kandidatur bewegt, sagte Reinermann-Matatko. „Der Handel hat da nichts verloren – aber ich habe bislang keinen Aufschrei in der Stadtpolitik gehört. Wir brauchen eine deutliche, laute Stimme im Rat, um unsere Postitionen klar zu äußern. Die Bevölkerung muss merken, dass wir für unsere grünen Inhalte kämpfen!“ Ziel bei der Wahl müsse sein, 20 Prozent der Wählerstimmen zu holen. Bei der Kommunalwahl 2014 hatten die Grünen in Trier 16,6 Prozent geschafft.

Auf Nachfrage, wie sie zu der festen Zusammenarbeit der aktuellen grünen Stadtratsfraktion mit der CDU stehe, erklärte Reinermann-Matatko, dass sie sich keinesfalls vorab auf feste Bündnisse festlegen werde. „Außerdem meine ich, dass es sicherlich auch möglich ist, zusammenzuarbeiten und Mehrheiten zu finden, ohne, dass man ständig Kröten schlucken muss.“

Bei den Kandidaturen ab Platz 2 zeichnete sich die Stimmung der weiteren rund neun Stunden ab: Bei keinem der folgenden 20 Kandidaten waren sich die Grünen einig. Kampfkandidatur folgte auf Kampfkandidatur. Um Platz 12 traten gar sechs Kandidaten gegeneinander an.

Dass der Druck auf die Liste so hoch war, hängt auch damit zusammen, dass die Grünen eine streng quotierte Liste haben: Platz 1 und alle folgenden ungeraden Listenplätze müssen mit Frauen besetzt werden. Nur für gerade Listennummern dürfen auch Männer kandidieren.

 Frauen sind bei den Trierer Grünen derzeit allerdings knapp: Petra Kewes, Spitzenkandidatin bei der Wahl 2014, will nicht mehr in den Stadtrat. Und die aktuelle Fraktionssprecherin Antje Eichler zieht überraschend aus persönlichen Gründen weg aus Trier.

Bei der Mitgliederversammlung waren gleich mehrere junge Frauen dabei, die erst kürzlich in die Partei eingetreten sind und in den Stadtrat drängen. „Ja, ich bin zusammen mit meinen Mitarbeitern im Wahlkreisbüro in den vergangenen Monaten intensiv auf die Suche nach geeigneten, interessanten Frauen gegangen“, räumte Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer, die weder im Stadtrat sitzt noch ein Parteiamt beim Trierer Kreisverband hat, gegenüber dem TV ein. Aber nicht nur die jungen Frauen, die Rüffer akquiriert hat, sind neu: „Insgesamt hatten wir seit Oktober rund 20 Parteieintritte“, bestätigte Geschäftsstellenleiter Ewald Adams.

Bei insgesamt 163 Parteimitgliedern, von denen bei der Mitgliederversammlung rund 40 da waren, brachten die Neuen das Kräfteverhältnis zwischen Alt und Jung ins Wanken: Auf Platz 3 der Liste setzte sich Michaela Hausdorf, 29, durch – und zwar gegen die aktuelle Stadträtin Christa Jessulat. Und auf Platz 5 schaffte es die 19-jährige Lara Tondorf, eine gestandene Kommunalpolitikerin auszustechen: Die 51-jährige Heike Bohn, langjährige Bürgermeisterin der ehemaligen Verbandsgemeinde Hillesheim in der Eifel und seit kurzem Triererin, zog den Kürzeren. Auf Platz 7 schaffte Bohn es nur mit drei Stimmen Vorsprung zu ihrer Gegenkandidatin Yelva Janousek, 26, seit wenigen Wochen bei den Grünen dabei.

Auch auf den Männerplätzen war es eng, allerdings aus anderem Grund: Um die wenigen Listenplätze drängelten sich jeweils gleich mehrere versierte Politiker. Und so kam es, dass Bernhard Hügle – aktueller Fraktionssprecher – für Platz 2 seinen Hut in den Ring warf, sich aber gegen den Rüffer-Vertrauten Wolf Buchmann nicht durchsetzen konnte. Hügle muss sich stattdessen mit Platz 12 zufriedengeben.

Dem Kreisparteivorsitzenden Johannes Wiegel erging es ähnlich: Vor der Wahl war der 28-Jährige sich recht sicher, dass es bei seiner Kandidatur auf Platz 4 keinen Gegenkandidaten geben werde.

Ein gewaltiger Irrtum: Die Grünen reichten ihren Chef von Platz zu Platz durch, erst auf Listenplatz 16 gewann Wiegel. „Ja, das ist schade für mich, aber so was gibt’s bei den Grünen ja öfter. Ich werde mich jedenfalls nicht unterkriegen lassen, mit der Fraktion zusammenarbeiten und mich bei den Vorstandswahlen nach der Kommunalwahl auch wieder als Vorsitzender zur Verfügung stellen“, kommentierte Wiegel seine schlechte Platzierung.

Mehr von Volksfreund