Anna war die Allererste

Fans, die vor den Hallen und Hotels auf ihre Idole warten, manchmal tagelang: Die gibt es auch in Trier. Vor der Tür der Arena haben sich erste jugendliche Camper eingerichtet und warten auf Tokio Hotel. Der TV präsentiert das Konzert.

Hahn im Korb: Vor der Arena wartende Tokio-Hotel Fans, fast ausnahmlos weiblich, zeigen ihre auf die Hände gemalten Startpositionen für den Eintritt. TV-Foto: Frank Göbel

Trier. Vor dem Haupteingang der Trier Arena sitzt ein Dutzend Mädchen in der Maisonne, inmitten eines Lagers aus Decken und Schlafsäcken. Manche sind aus Trier, andere kommen aus Frankfurt, Wiesbaden oder Bonn. Was sie, fühlbar und sichtbar, eint: Sie sind Fans von Tokio Hotel, die morgen in der Arena auftreten.Hart im Nehmen

Einige von ihnen haben bereits die Nacht hier verbracht. Offenbar keine sehr bequeme, auch die beste Isomatte macht aus dem Betonboden kein Federbett: Aber sie sehen alle erstaunlich ausgeruht und frisch aus: Echte Fans sind hart im Nehmen. Anna, 22, aus Wiesbaden, war die Allererste: Darum prangt auf ihrer Hand auch eine große, schwarze Eins aus Lackstift. Jeder Neuankömmling fragt brav herum, bis er, meistens sie, weiß, welche Startnummer auf die eigene Hand kommt. Wenn sich die Tore der Halle dann zum Konzert öffnen, dürfen sich die hartgesottensten Fans die besten Plätze aussuchen. Dass kaum Aussicht besteht, Bill & Co anlässlich des Soundchecks oder vor dem Konzert leibhaftig zu treffen, das wissen sie aus Erfahrung. Die begehrten Autogramme und Fotos gibt's deshalb eher nach dem Konzert oder vor dem Hotel - dessen Standort natürlich mit detektivischem Spürsinn ausfindig gemacht wird. Daniela Pallinski aus Trier hat ein ganzes Schulheft voller solcher selbstgemachten Fotos, teilweise mit Autogrammen verziert. Auf Dutzende von Konzerten ist sie gefahren. Ab und an trage Sänger Bill sogar eine Brille, die sie ihm mal geschenkt hat, erzählt Daniela, und die anderen freuen sich mit ihr. Überhaupt sehen die Anwesenden die Objekte ihrer Verehrung sehr realistisch. Daniela weiß traurige Geschichten zu erzählen, von Fans, deren Verehrung geradezu wahnhaft wurde. Aber den Mädchen vor der Arena scheint klar zu sein, dass ihre "persönliche" Beziehung zum Star meist einseitig ist. Für sie ist es der Spaß, zusammen ihre Begeisterung zu leben, ein paar Trophäen zu "schießen" - und sich auf das Konzert zu freuen.