Anregungen und Bedenken zur Windkraft-Planung in Schweich: Die Tausender-Marke ist geknackt

Anregungen und Bedenken zur Windkraft-Planung in Schweich: Die Tausender-Marke ist geknackt

Während der zweiten Offenlegung der Windkraftpläne in der Verbandsgemeinde Schweich haben Bürger und Behörden deutlich mehr als 1000 Anregungen und Bedenken vorgebracht. Der Verein Feller Gegenwind legt eine gutachterliche Stellungnahme vor, in der viele Verfahrensmängel aufgelistet werden.

Der Gegenwind, der der Verbandsgemeinde (VG) Schweich im Zuge des Flächennutzungsplan-Änderungsverfahrens "Windkraft" entgegenpeitscht, wird immer heftiger. Wurde bei der ersten Offenlegung der Pläne für die Windkraftnutzung in der VG Schweich im Winter schon die unerwartet hohe Zahl von 600 Anregungen und Bedenken erreicht, so haben Behörden und Bürger bei der am 12. August zu Ende gegangenen zweiten Offenlegung noch einmal zugelegt. Man sei noch beim Sichten, Sortieren, Katalogisieren und Einscannen, sagt Büroleiter Wolfgang Deutsch auf TV-Anfrage. Eine genaue Zahl könne er noch nicht nennen, aber es seien "viel mehr als bei der ersten Offenlage". Erwin Britz vom Verein Feller Gegenwind sagt: "Nach unseren Informationen sind sogar mehr als 1500 Stellungnahmen eingegangen." Allein der Verein übergab 472 Einwände besorgter Bürger (siehe Extra).

Das Prozedere soll wie bei der ersten Offenlage sein: Gleichlautende Eingaben, insbesondere die von Bürgerinitiativen herausgegebenen Vordrucke, werden zusammengefasst. Dem VG-Rat Schweich sollen am Dienstag, 6. Oktober, ab 16 Uhr im Bürgerzentrum Schweich die Anregungen und Bedenken vorgestellt werden. Es wird vermutlich so eine Mammutsitzung werden wie die am 23. Juni (der TV berichtete am 25. Juni), die acht Stunden dauerte.
Die Überprüfung der potenziellen Windkraft-Standorte durch das Büro Jestaedt hatte ergeben, dass nur etwa 20 der ursprünglich 40 ins Auge gefassten Anlagen realisiert werden können. Besonders umweltrelevante Flächen und weit einsehbare Sporne innerhalb des Landschaftsschutzgebiets Mosel bei Longuich und Klüsserath sollen wegfallen. Die besonders in der Kritik stehenden Anlagen oberhalb von Riol und Mehring sollen hingegen realisierbar sein. So jedenfalls sieht es Gutachter Andreas Jestaedt.

Der Verein Feller Gegenwind hat das Schweicher Verfahren vom Mainzer Biologen Olaf Kiffel prüfen lassen. Dessen Fazit: Die potenziellen Windkraft-Konzentrationszonen 3 und 4 müssten bei sachgerechter Anwendung der Landesrichtlinien gestrichen werden. Er konstatiert Falsch- oder Nichtanwendung, Verkürzung und Auslassung von Richtlinien, Regelungen und Fachkonventionen. "Der Planbeschluss ist rechtssicher nicht zu fassen", so sein vernichtendes Urteil. Unter anderem fehle eine Vorprüfung des Flora-Fauna-Habitat-Gebiets Fellerbachtal. Schutzbereiche windkraftsensibler Vögel und Fledermäuse seien nicht oder nur teilweise berücksichtigt worden. Um die Fledermäuse im Fellerbachtal zu schützen - das hatte auch schon der Bund für Umwelt- und Naturschutz gefordert - sei ein windradfreier Radius von fünf Kilometern zwingend geboten. Erwin Britz fordert deshalb: "Gebt unserer einmaligen Landschaft endlich die Wertschätzung, die sie verdient, und trefft die einzig richtige Entscheidung: An diese Standorte gehören keine Windkraftwerke."Extra

Die 472 Einwände, die der Verein Feller Gegenwind gegen die geplanten Moselwindräder vorgebracht hat, spiegeln viele Bedenken der Bürger wider. Alleine 416 Stellungnahmen thematisieren das Thema Lärm. Am zweithäufigsten wird allgemein auf mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit durch Windräder hingewiesen. Etwa 80 Prozent aller Eingaben befassen sich mit möglichen Auswirkungen des Infraschalls, auch die "Umzingelung", "Sichtverriegelung" und die "Zerstörung der Heimat" werden befürchtet. Negative Auswirkungen auf den Tourismus thematisieren 73 Prozent der Bürger. 80 Prozent befürchten, dass der Bau der 200 Meter hohen Windräder in Riol und Mehring dazu führt, dass es zu einem Wertverlust der Immobilien kommt.

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