Antike Flotte fährt wieder Patrouille

Antike Flotte fährt wieder Patrouille

Der Nachbau eines römischen Kriegsschiffes vom Typ "Navis Lusoria" lässt die Spätantike lebendig werden. Wissenschaftler und Studierende der Universität Trier haben maßgeblich dazu beigetragen.

Trier/Germersheim. Bereits 1981/82 kamen gut erhaltene Überreste von mehreren Schiffen aus dem vierten und fünften Jahrhundert bei Bauarbeiten nahe Mainz ans Tageslicht: die sogenannten Mainzer Römerschiffe. Im Museum für antike Schifffahrt in Mainz sind zwei originalgetreue Nachbauten dieser Schiffe ausgestellt.
Sie gehören zum Typ Navis Lusoria (lateinisch für "tänzerisches Schiff"): kleine, schnelle Militärschiffe der spätantiken Flotte. Aufgrund ihrer schmalen Bauform und Wendigkeit setzten die Römer sie als Patrouillenschiffe auf dem Rhein ein.
Universität Trier ist beteiligt


Die Universität Trier war an einem einmaligen Forschungsprojekt beteiligt. Ziel war ein schwimmfähiger Nachbau eines sechs Tonnen schweren Römerschiffes nach historischem Vorbild. Diese Rekonstruktion soll nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen den Originalmaßen der Navis Lusoria aus der Zeit der Spätantike entsprechen.
Als Gesamtprojektleiter fungierte Ralph Lehr aus dem rheinland-pfälzischen Germersheim bei Speyer. Die wissenschaftliche Leitung übernahm Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte an der Uni Trier.
Zehn Monate nahm der originalgetreue Bau des römischen Militärschiffes in einer Kaserne in Germersheim in Anspruch. 40 Studierende der Universität Trier, ehrenamtliche Helfer, Schüler der Berufsbildenden Schule in Germersheim sowie arbeitslose Jugendliche halfen mit. Der Verein für berufliche Bildung in Speyer ermöglichte den Jugendlichen diese Chance auf eine handwerkliche Weiterbildung. Finanziert wurde der mehr als 200 000 Euro teure Schiffsbau ausschließlich durch Spenden. Christoph Schäfer beschreibt das Experiment als "großartige Sache: Es ist faszinierend, wie viele Menschen sich für dieses Projekt begeistern und neue Erfahrungen sammeln konnten."
Nach der erfolgreichen Testfahrt im April 2011 folgten im Mai wissenschaftliche Tests auf dem Römerschiff. Daran waren 60 Studierende beteiligt. Laut Schäfer bestätigten sich die "überraschend guten Leistungsdaten" des Schiffes bezüglich der Wendigkeit und der Segeleigenschaften. Am 28. Mai wurde das Schiff bei der Eröffnung des Germersheimer Kultursommers feierlich auf den Namen "Lusoria Rhenana" getauft. Bei den Römertagen in Neustadt-Eining an der Donau vom 26. bis 28. August wird die Lusoria Rhenana auf dem Festgelände zu bestaunen sein. Ab Frühjahr 2012 soll das Kriegsschiff für Besucherfahrten eingesetzt werden.
An der Mosel entstand 2007 der Nachbau eines römischen Weinschiffs. Die Stella Noviomagi wurde von Auszubildenden der Handwerkskammer Trier gebaut und liegt im Hafen von Neumagen-Drohn (Kreis Bernkastel-Wittlich) vor Anker. Weitere Infos dazu im Internet unter www.roemerweinschiff.de


Wer römische Kultur in Trier hautnah erleben möchte, hat beim Spektakel "Brot & Spiele" vom 2. September bis 10. September die Möglichkeit dazu. Von Gladiatorenkämpfen bis hin zu römischem Alltagsleben in den Kaiserthermen gibt es vieles zu entdecken. Ein Höhepunkt des Programms ist die Schauspielinszenierung "Herkules und die Königin der Amazonen" im Amphitheater mit Katy Karrenbauer in einer Hauptrolle. Der TV präsentiert die Veranstaltung. Karten gibt es unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich oder im Internet: www.ticket.volksfreund.de