Antwort auf die "P"-Frage

Ich weiß, dass eigentlich nicht die richtige Zeit ist, um über Fastnacht zu reden. Aber es gibt nun mal Dinge rund um die fünfte Jahreszeit, die dulden keinen Aufschub. Was ich damit meine? - Natürlich die "P"-Frage!

Weil meine bessere Hälfte Bärbel auch nichts damit anzufangen wusste, erkläre ich's mal für alle Nicht-Karnevalisten: Der Heuschreck, das ist Triers ältester und wichtigster Narrenverein, also der, wo die schon von Geburt an wirklich lustigen Trie rer Mitglied sind. Präsident der Truppe ist seit ewigen Zeiten Gustl Thormeyer. Der war früher Spion und ein ziemlich hohes Tier beim Bund und will nächstes Jahr sein Präsidentenamt an einen Jüngeren abgeben. Hat er mir neulich an der Theke ganz im Vertrauen erzählt (übrigens auch das Motto der nächsten Session: irgendwas mit "eine Nacht in Venedig"). Jedenfalls sucht Thormeyer händeringend einen Nachfolger. "Die P-Frage ist noch offen", hat er mir gesagt. Was ich, ehrlich gesagt, nicht ganz verstanden habe, weil in einem so bedeutenden Verein wie dem Heuschreck doch bestimmt jeder gerne Präsident wäre. "Genau das ist ja das Problem", hat mir der Gustl gesagt. "Die, die gerne wollen, die will ich nicht. Und die, die ich will, wollen nicht." Ich hab' das nicht gleich verstanden, erst daheim, als ich es der Bärbel erzählt habe, und sie es mir danach erklärt hat. Dann hab' ich noch eine Nacht darüber geschlafen, bis mein Entschluss feststand: Die Antwort auf die "P"-Frage heißt Viezjupp. Ich bin bereit, das schwierige Erbe von meinem Kompagnon Gustl Thormeyer anzutreten und das närrisch dahinschlingernde Heuschreck-Schiff in den nächsten Jahrzehnten ans sichere karnevalistische Ufer zu steuern. Ich kann witzig sein, verstehe manchmal Spaß, vertrage ein bisschen was, habe eine Narrenkappe und zwei Orden. Und vor allem: Man kennt mich. "Das war ja schon die halbe Bewerbungsrede", hat meine Bärbel bewundernd gemeint. Womit sie ausnahmsweise mal Recht hatte.