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Antworten zum Hochwasser der Sauer

Wiederaufbau nach der Flut : Hochwasserschutz beginnt auf der Höhe

Der Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe im Juni läuft in Langsur auf vollen Touren weiter. Doch den Anwohnern stellen sich weiterhin Fragen: Wie lässt sich das finanziell stemmen? Und wie können in Zukunft derart drastische Ereignisse verhindert werden?

Auf einer Einwohnerversammlung in der Sporthalle standen Experten des Landes hierzu Rede und Antwort.

Demnach fließt inzwischen Wiederaufbauhilfe, Anträge bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) können bis 30. Juni 2023 gestellt werden. Beim über die private Vorsorge hinausgehenden Hochwasserschutz sieht es hingegen nicht nach einer schnellen und simplen Lösung aus. Denn dabei sind viele Akteure eingebunden und Kosten im Millionenbereich müssten aufgeteilt werden.

Den Wiederaufbau bei Privathaushalten und Unternehmen unterstützt das Land mit einem vom Bund querfinanzierten Fonds in Höhe von 15 Milliarden Euro. Drei Antragswege gibt es, um Geld aus diesem Topf zu erhalten, erläuterte Dr. Ulrich Link vom Vorstand der ISB. Der erste betrifft Schäden am Hausrat. Dort wird mit Pauschalbeträgen gearbeitet, abhängig von der Zahl der im Haushalt wohnenden Personen. Gutachten oder eine Bestätigung der Schäden durch die Gemeinde sind in diesem Segment nicht notwendig. Anders sieht es bei der Förderung zur Instandsetzung von Gebäuden aus. Dort werden diese formellen Schritte benötigt. „Es ist aber möglich den Antrag schon einzureichen und ein Gutachten erst später nachzuliefern“, versicherte Link, dass man bemüht sei bürokratische Hürden niedrig zu halten. Die Förderung in Höhe von bis zu 80 Prozent der Kosten schließe nicht nur die zur Wiederherstellung des Ursprungszustands notwendigen Arbeiten ein. Vielmehr ließen sich auch neue Maßnahmen zum Hochwasserschutz einrechnen. Wer also zusätzliche Sicherungen an seinem Haus verbauen möchte, kann diese gleich mit fördern lassen.

Ausdrücklich wurde auf zusätzliche Förderprogramme verwiesen, wie jene zum Einbau energieeffizienter Heizungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese ließen sich mit dem ISB-Programm kombinieren und würden nicht negativ angerechnet. Hingegen seien Eigenleistungen wie Heimwerkereinsatz nicht förderfähig. Dafür habe man von rheinland-pfälzischer Seite zwar gekämpft, sich aber in der Abstimmung mit dem Bund und anderen vom Hochwasser betroffenen Bundesländern nicht durchsetzen können, beantwortete Günther Kern, Vor-Ort-Beauftragter der Landesregierung für den Wiederaufbau, eine entsprechende Frage aus dem Saal. Alle Anträge bei der ISB müssen digital über das dafür eingerichtete Online-Portal gestellt werden.

Viele Anregungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Langsur und entlang der Sauer kamen aus der Einwohnerrunde. Überwiegend bewertete Joachim Gerke von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord diese Vorschläge positiv oder hatte sie in seinem einleitenden Vortrag bereits ins Gespräch gebracht. Aber der Experte benannte auch Schwierigkeiten, die einer zügigen Umsetzung im Weg stehen. Eine neue Schutzwand am Uferbereich würde beispielsweise allein für Langsur circa 15 Millionen Euro kosten. Denn sie würde entsprechende Sicherung im Untergrund ebenso erfordern wie einen entsprechenden Schutz auf der flussabgewandten Seite des Ortes, da sonst bei Starkregen Wasser von dort hereindrücken würde. „Hochwasserschutz beginnt auf den Höhen“, erklärte Gerke. Dort müssten landwirtschaftliche Nutzung und Waldwirtschaft künftig stärker mit Blick auf die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens hin betrachtet werden. Doch hier handele es sich häufig um private Flächen und die Landwirtschaft unterliege vielen externen Sachzwängen.