Anwältin der Landwirte

Ihr Engagement für die (heimische) Landwirtschaft beschränkt Hildegard Frey längst nicht nur auf ihre hauptberufliche Tätigkeit. Die Landwirtschaftsdirektorin aus Trier bekleidet ehrenamtlich das Amt der Bundesvorsitzenden der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) Deutschlands.

Trier. Wie wird man Vorsitzende einer für ganz Deutschland zuständigen, wichtigen Organisation? Hildegard Frey (59) schmunzelt: "Das kann schneller gehen, als man glaubt." Jedenfalls sei es bei ihr so gewesen. Dass sie sich auch außerhalb ihrer Tätigkeit als Landwirtschaftsdirektorin beim rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium ehrenamtlich engagiert, stand für sie nie außer Frage. Nur gleich von Null auf Bundesebene vorzustoßen, hatte die gebürtige Rheinhessin mit Wohnsitz in Trier ganz und gar nicht in der Planung. Der Zufall wollte es, dass sie durch eine Urlaubsreise in die Schweiz auf die Katholische Landvolkbewegung (KLB) aufmerksam wurde. Auf die Frage, ob sie auf Diözesan-Ebene im Vorstand mitarbeiten wolle, kam ein klares Ja, und so besuchte sie 1991 zum ersten Mal die KLB-Bundesversammlung. 1993 bereits war sie Stellvertretende Bundesvorsitzende und vier Jahre später deren Bundesvorsitzende. "Eigentlich wollte ich das nicht, denn es liegt mir mehr, aus der zweiten Reihe zu agieren", erzählt Hildegard Frey, die auf einem Bauernhof aufwuchs und zunächst eine Ausbildung als Hauswirtschafterin absolvierte."Krankenkassen rechnen doppelt ab"

Anschließend machte sie Abitur und studierte in Gießen Ernährungswissenschaften. Ihre Beratertätigkeit für das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium ließ sie viele landwirtschaftliche Betriebe kennenlernen. (Wieder-)gewählt als Bundesvorsitzende ist Hildegard Frey bis 2009."Dann ist definitiv Schluss, und ich lasse mich nicht mehr erweichen", steht der Abschied von der Bundesbühne unumstößlich fest. Die Position verlange, oft und viel zu reisen und auch ein Großteil des Urlaubs gehe für den Job drauf - den Papierkram nicht mitgerechnet, betont Hildegard Frey, seit 1983 in Trier zu Hause. Schon viele Themen und Anliegen hat die engagierte Frau im Interesse der Landwirte aufgegriffen. Derzeit liegt ihr eins ganz besonderes am Herzen: Es gebe Haupterwerbslandwirte, deren Einkommen so gering sei, dass sie auf ergänzendes Arbeitslosengeld (ALG) II angewiesen seien. Obwohl am Hungertuch nagend, müssten die Landwirte den vollen Unternehmerbeitrag zur landwirtschaftlichen Krankenkasse berappen.Eine streitbare Frau

"Das ist ungerecht, denn die Kassen erhalten schon eine Pauschale von der Arbeitsagentur. Ergo kassieren sie doppelt", argumentiert Frey. Unterm Strich erhielten die Krankenkassen von Landwirten, die auf eine Sicherung des Lebensunterhalts durch das ALG II angewiesen seien, höhere Beiträge als von denen, die ausreichendes Einkommen aus ihrem Betrieb erwirtschafteten. Die streitbare Frau kennt Existenzen, die dadurch vor dem Bankrott stehen. Freys Vorschlag: Rückkehr zur alten Regelung, wonach Haupterwerbslandwirte im ALG-II-Bezug vom Krankenkassen-Unternehmerbeitrag befreit waren. Für diese Änderung will sie nicht aufhören, zu kämpfen.