Anwohner der Trierer Weismark fühlen sich abgehängt

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Kein Bus der Stadtwerke fährt mehr auf der oberen Weismark bis 2021. Doch Anwohner wollen die Entscheidung der Stadtwerke nicht akzeptieren – und protestieren energisch.

Kein gutes Haar an der Chefetage der Stadtwerke Trier (SWT) lassen 30 Protestierer, die sich auf dem Platz Ecke Auf der Weismark/Pfahlweiher zum Gespräch mit dem TV versammelt haben, um ihrem Unmut einmal so richtig Luft zu machen.

Grund ist die Straßenbaustelle Pfahlweiher, die Ende Juli eingerichtet wurde. Der Protest geht weniger gegen die Baustelle, als vielmehr gegen die damit verbundenen Fahrplanänderungen der städtischen Busse. Die Sache ist schnell auf den Punkt gebracht: Alle drei bisherigen Haltestellen im Bereich Auf der Weismark, das sind (von „unten“) Cusanusstraße, Am Bildstock, Weismark-Pfahlweiher, wurden von den Stadtwerken inaktiv gestellt. Die Verkehrszeichen wurden zwar nicht zugehängt, aber mit dem Hinweis versehen, dass die besagten Haltestellen in der Zeit der voraussichtlich bis 2021 dauernden Bauarbeiten nicht angefahren werden.

So weit so gut, wenn es da nicht eine enorm weite Entfernung bis zur nächsten Haltestelle geben würde, sagen die Anwohner. Die befindet sich an der Einmündung Joseph-Haydn-Straße/Weismark und dürfte gut und gerne eineinhalb Kilometer entfernt sein von Haltestelle an der Haltestelle Pfahlweiher/ Weismark. „Zu weit“, meint Sophie Esper, Sprecherin des Bürgerprotestes. „Ich habe auf der Fahrt nach Hause schon angehalten und mir bekannte Leute mitgenommen, damit sie den beschwerlichen Weg bergauf nicht gehen mussten“, sagt sie.

Bushaltestellen Weismark_InterRed. Foto: TV/Schramm, Johannes

Und: Der unverhältnismäßig weite Weg zur einzig verbliebenen Haltestelle Josef- Haydn-Straße sei gerade für ältere Menschen unzumutbar. Von denen gebe es „hier oben“ zahlreiche. Ihren Ärger kann und will sie nicht verheimlichen. Circa 2000 meist ältere Menschen dürften von der „Kein-Bus-für-die-Weismark-Maßnahme“ der Stadtwerke betroffen sein, schätzt Sohn Thomas Esper.

Die SWT-Entscheidung hätte anders ausfallen können bei etwas gutem Willen, heißt es unisono aus dem Kreis der Protestler: „Bis vor so zehn Jahren“ sei der städtische Bus ohnehin bis zum Pfahlweiher gefahren, um anschließend auf dem großen freien Platz problemlos zu wenden und stadteinwärts zurückzufahren: „Sogar alle 15 Minuten“, wissen die Anwohner. Warum die Wende-Regelung – zumindest für die Zeit der Baustelle – nicht wieder aktiviert wurde, stößt auf Unverständnis: „Wir wurden abgehängt von den Stadtwerken“, lautet der Protest in Richtung SWT-Führungsetage. Keiner der Anwesenden widerspricht.

Neben den eineinhalb Kilometern bis zur Joseph-Haydn-Haltestelle, berge die Strecke weitere Gefahren für Fußgänger, so etwa die schmale Straße, der schnelle Verkehr, ein fehlender Gehweg und keine gescheite Überquerung. Mit größerem Kinderwagen, Rollstuhl und erst recht mit dem Rollator müsse man zwangsweise auf die Fahrbahn ausweichen, rügen die Betroffenen.

Vom Haydn-Halt zurück gehe es ganz schön bergan, was eine weitere Erschwernis bedeute – erst recht mit (Einkaufs-)-Taschen in den Händen. „Zu Hause angekommen sind sie k.o“, weiß Josefa Hermesdorf aus leidvoller Erfahrung. Problematisch sei auch der Weg für Besucher etwa der Awo Seniorenresidenz Härenwies, des Südfriedhofs oder des Südbads. Die Weismarker fühlen sich allein gelassen von der örtlichen Politik und den Stadtwerken sowieso.

Von dort habe man auch keine Antwort bekommen, bemängelt Sophie Esper die ihrer Meinung nach SWT-Ignoranz. Ortsvorsteher Rainer Lehnart (SPD) habe lapidar mitgeteilt, dass wohl nichts zu machen sei an der SWT-Regelung. Lehnart äußert sich auf TV-Anfrage: Momentan sei wohl nichts zu machen, die Betonung liege auf „momentan“: „Aber ich bin dran, eine Verbesserung zu erreichen.“

Für ihn denkbar sei ein Sammeltaxi. Neben ihrem Favoriten Wende-Bus haben die Weismarker eine weitere Alternative vorgeschlagen. „Es könnte ein Zubringer-Bus vom Pfahlweiher bis nach St. Matthias eingerichtet werden, etwa im Ein-Stunden-Takt“, sagt Sophie Esper. Damit wäre der Weismark sehr geholfen.“

Den Schulkindern sei offensichtlich schon geholfen worden, so ihre jüngsten Beobachtungen: Seit Schuljahresbeginn würden die Schulkinder an der Haltestelle Pfahlweiher abgeholt und auch dorthin zurückgebracht: „Durch einen Schulbus, der am Pfahlweiher wendet und stadteinwärts zurückfährt.“

Die Stadtwerke Trier haben das Problem erkannt und bemühen sich, die Situation zu verbessern. SWT-Pressesprecher Carsten Grasmück entgegnet: „In nächster Zeit werden Möglichkeiten einer Verbesserung für die Menschen vor Ort eingehend geprüft.“ Außerdem rechnet Carsten Grasmück mit Verzögerungen bei den Bauarbeiten bis Frühjahr 2021 „aktuell nicht“. Für die Haltestelle Härenwies sei bereits 2010 ein Anruf-Sammel-Taxi eingerichtet worden. Diese Fahr-Möglichkeit bleibe auch während der Umleitung bestehen. Sophie Esper sieht das Ganze positiv: „Wenn etwas Brauchbares bei den SWT-Bemühungen herumkomme, sei dies umso schöner.“

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