Arbeitsunfall in Trier: Hauswand und Gerüst stürzen auf Paulinstraße

Arbeitsunfall : Mauer und Gerüst stürzen auf Trierer Paulinstraße - Arbeiter schwer verletzt (Fotos/Video)

Eine Hauswand und ein Gerüst sind am Donnerstag auf der Paulinstraße in Trier eingestürzt. Ein Arbeiter auf dem Gerüst wurde schwer verletzt, zwei Frauen leisteten erste Hilfe. Die Polizei ermittelt.

Sieben Patienten stehen noch auf der Liste von Saskia Pesch und Geneva Myrick, als die Altenpflegerin und die Auszubildende mit ihrem Auto an der Kreuzung Balthasar-Neumann-/Paulinstraße in Trier-Nord stehen. „Plötzlich kracht es, und vor unseren Augen fällt eine halbe Hauswand auf den Bürgersteig“, beschreibt Pesch, was die beiden Mitarbeiterinnen eines Trierer Pflegedienstes am Donnerstagmorgen gegen 8.20 Uhr durch die Windschutzscheibe beobachten.

Mit der Giebelwand stürzt auch das davor aufgebaute Baugerüst ein. Ein Arbeiter, der auf dem Gerüst in etwa vier Metern Höhe steht, wird mitgerissen und unter einem Gerüstteil eingeklemmt. Auch ein Auto wird von den Trümmern leicht beschädigt, der Fahrer bleibt unverletzt.

Die 25-jährige Pesch und die 17 Jahre alte Myrick überlegen nicht lange. „Wenn man in der Pflege arbeitet, dann ist es in einem drin, dass man helfen will“, sagt Pesch.

Myrick schnappt sich den Koffer zur medizinischen Versorgung, mit dem das Pflegedienstauto ausgestattet ist. „Der Arbeiter war voll ansprechbar, blutete aber stark am Kopf. Ein Fuß hatte sich unter einem Bauteil verklemmt“, berichtet Pesch. Die Altenpflegerin legt einen Druckverband um die Kopfwunde an, um die Blutung zu stillen. Der Mann fragt nach etwas zu trinken, die Frauen geben ihm von ihrem Tee und beruhigen den Verletzten. „Viele haben zwar geguckt, aber außer uns war keiner bei dem Mann. Ein Autofahrer hat sogar gehupt – nach meinen Eindruck, weil er nicht schnell genug vorbeifahren konnte“, berichtet Pesch.

Wenige Minuten später sind Feuerwehr und Notarzt da und übernehmen die Befreiung und Versorgung des eingeklemmten Arbeiters. Mit einer schweren Kopfverletzung und wohl auch Knochenbrüchen wird der Mann in ein Krankenhaus gebracht. „Es besteht aber keine Lebensgefahr“, sagt Torsten Marx, Zugführer  bei der Berufsfeuerwehr Trier.

Baugerüst stürzt in Trier ein - Arbeiter verletzt

Ursache dafür, dass die Hauswand umstürzte und das Baugerüst mit sich riss, ist laut Werner Boesen wohl der Fehler eines Baggerfahrers. Boesen ist technischer Leiter bei der Aachener Baugesellschaft, in deren Auftrag das Haus in der Paulinstraße abgerissen wird, um Platz für einen Neubau zu machen (der TV berichtete, siehe Extra). „Offenbar ist der Baggerführer mit dem Greifarm des Baggers aus Versehen von innen gegen die Hauswand gekommen und hat sie dadurch so stark nach vorne gedrückt, dass sie in Richtung Paulinstraße stürzte“, sagt Boesen.

Mit der Planung des Abrisses – inklusive Sicherheitsvorkehrungen – hat die Aachener Elmar Lorenz beauftragt, der ein auf Sicherheitstechnik spezialisiertes Ingenieurbüro leitet. Der Ingenieur ist in der Paulinstraße vor Ort, weil für Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr eine Besprechung angesetzt war, wie beim weiteren Abriss des alten Hauses vorgegangen werden soll. „Wir hatten in den Plänen für den Abriss festgehalten, dass die Wand aus Sicherheitsgründen händisch – also ohne Maschineneinsatz – abgerissen werden muss. Aber als ich heute morgen herkam, um die Sache genauer zu besprechen, war die Mauer schon eingestürzt“, berichtet Lorenz.

Mit den Abrissarbeiten selbst hat die Aachener Baugesellschaft die luxemburgische Abbruchfirma Entrapaulus beauftragt. „Es war meiner Meinung nach noch nicht letztlich geklärt, ob und welcher Teil der Mauer händisch abgetragen werden soll“, sagt Christoph Lemke, Bauleiter bei der Firma Entrapaulus. „Aber als ich heute Morgen zur Besprechung herkam, hatten die Arbeiter den Bagger schon im Einsatz.“

Die Polizei hat die Ermittlungen zur Klärung der genauen Unfallursache aufgenommen.

Auf der Baustelle gilt zurzeit ein Baustopp. Der übrige Hausgiebel wird abgesichert. „Wir müssen prüfen, ob und was sich da noch gelockert haben könnte, bevor die Arbeiten weitergeführt werden können“, erläutert Sicherheitsingenieur Lorenz.

Jomana Yaramis wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter gegenüber des Abrisshauses in der Paulinstraße. „Ich hab mit meiner Kleinen am Morgen aus dem Fenster zugeguckt, wie der Bagger mit dem großen Greifarm die Hauswand nach und nach abgerissen hat“, berichtet die junge Frau. „Plötzlich kippt die Mauer wie in Zeitlupe nach vorne und reißt mit einem lauten Krach das Gerüst mit den beiden Arbeitern um.“

Die Mutter sieht, wie einer der Männer unter dem Gerüst eingeklemmt wird. Der andere Arbeiter bleibt zunächst vermeintlich unversehrt – muss aber später auch von einem Notarzt versorgt werden, offenbar hat er einen Schock erlitten. „Normalerweise ist um die Uhrzeit immer sehr viel los auf dem Gehweg und auf der Paulinstraße – Eltern, die ihre Kinder zum Kindergarten bringen und Leute, die zum Aldi einkaufen gehen“, berichtet Nachbarin Yaramis. „Aber zu dem Zeitpunkt waren wie durch ein Wunder keine Fußgänger dort unterwegs – bis auf den armen Bauarbeiter haben die wohl alle einen fleißigen Schutzengel gehabt heute Morgen.“

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