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Archäologie: Graben nach Gräbern : Leben und Sterben im römischen Trier

In der Trierer Paulinstraße haben Archäologen des Landesmuseums 140 Gräber aus den Jahren 40 bis 250 nach Christus endeckt.

Die Porta Nigra kennt in Trier jedes Kind. Aber dass ausgerechnet viele Trierer Römer „ihre“ Porta nicht kannten, leuchtet zunächst nicht so recht ein. Ist aber einfach zu erklären. Der Bau der römischen Stadtmauer und ihrer vier Torburgen (von denen die Porta Nigra als einzige heute noch steht) begann im Jahr 170 nach Christus.

Zu diesem Zeitpunkt war die um 17 vor Christus  gegründete Stadt Augusta Treverorum fast 200 Jahre alt – und  ihre ersten Bewohner-Generationen hatten längst das Zeitliche gesegnet. Dutzenden von jenen Römern aus der Frühzeit der Stadt begegnen Archäologen des Rheinischen Landesmuseums derzeit auf dem rückwärtigen Teil der Grundstücke Paulinstraße 10 und 12.

Dort, rund 100 Meter nördlich der Porta Nigra,  will die Immobilienfirma IFA  zwei Häuser mit 40 Wohnungen errichten. Doch bevor die Bauleute anrücken, untersuchen Wissenschaftler das Terrain, das in der Römerzeit Teil eines viele Hektar großen Friedhofs war.

Die Ausbeute nach rund vier Monaten Grabung: „Wir haben bislang rund 140 Bestattungen gefunden“, berichtet Chefarchäologe Joachim Hupe (52). Der Anteil der Körpergräber (in denen der Leichnam beigesetzt wurde) und der Brandgräber (Urnen mit der Asche des verbrannten Toten) halte sich die Waage.

Die Beisetzungen sind, so nimmt Hupe an, in der Zeit von 40 bis 250 nach Christus erfolgt. Und sie werfen viele Fragen auf. Etwa die, warum der Anteil der Brandbestattungen, die damals Usus waren, nur etwa die Hälfte ausmacht. Zudem gibt es bei den Körpergräbern einen erstaunlich hohen Anteil an Beisetzungen in Bauchlage. Hupe: „Dabei handelt es sich unseren ersten Einschätzungen nach überwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene, die maximal 25 Jahre alt geworden sind.“

Genauere Aufschlüsse und die Antwort auf die Frage „Wer ist wann und in welchem Alter woran gestorben?“ könnten Spezialuntersuchungen etwa mittels Radiocarbonmethode bringen, über die allerdings zurzeit noch nicht entschieden ist.

 Bei dem nur noch unvollständig erhaltenden kreisrunden Mauerwerk in der Bildmitte handelt es sich um den Unterbau eines einstmals vier Meter hohen zylindrischen Grabmonuments aus der Zeit um 100 n. Chr. Um den Grabbau herum wurden bislang ein Dutzend Brand- und Körpergräber gefunden.
Bei dem nur noch unvollständig erhaltenden kreisrunden Mauerwerk in der Bildmitte handelt es sich um den Unterbau eines einstmals vier Meter hohen zylindrischen Grabmonuments aus der Zeit um 100 n. Chr. Um den Grabbau herum wurden bislang ein Dutzend Brand- und Körpergräber gefunden. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Roland Morgen

Die Grabung auf dem Grundstück Paulinstraße 10/12 geht nach dem Abriss der Häuser an der Straße nun in ihre zweite Hälte. Noch bis Ende April hat das Landesmuseums-Team unter Leitung von Albert Hill Zeit, mehr Informationen über das Leben und Sterben im römischen Trier ans neuzeitliche Tageslicht zu bringen.