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Archäologische Grabung an der Bernhardstraße in Trier-Heiligkreuz

Kostenpflichtiger Inhalt: Archäologie : Römische Villa Hügel mit Blick auf Kaiserpalast

Eine archäologische Notgrabung an der Bernhardstraße in Trier fördert Erstaunliches zutage. Doch von der verschwundenen Mittelalter-Siedlung Bergentheim fehlt weiter jede Spur.

Das kam den Mitarbeitern der Morbacher Landschaftsbau-Firma Torsten Berg nicht geheuer vor. Auf dem Hanggelände zwischen Bernhardstraße und Altbach in Trier-Heiligkreuz, wo sie im Auftrag der Stadt einen Spielplatz anlegen soll, stieß die Baggerschaufel bei Ausschachtungsarbeiten auf Mauerreste. Der Fund wurde wie für den Fall der Fälle vereinbart sofort an die Landesarchäologie gemeldet, die gleich mit der Sondierung des Terrains begann und eine Notgrabung organisierte. Und die förderte Erstaunliches zutage.

„Offen gestanden hatten wir nicht auf dem Schirm, dass hier nur einen Meter unter der Erdoberfläche etwas zu finden sein könnte“, sagt Regional-Chefarchäologe Joachim Hupe. Seine Einschätzung basiert auf einer großen Grabung 2012 nur rund 80 Metern entfernt auf dem Gelände des ehemaligen Klosters der Weißen Schwestern, die vor einem großen Neubauprojekt stattfand. Ergebnis damals: „Ein echter Negativbefund. Wir haben damals lediglich einen römischen Grabstein gefunden, der allerdings nicht ursprünglich von dort stammte.“

Um so üppiger die aktuelle Fundsituation. Zwei mächtige Terrassenmauern wurden nachgewiesen: Von der unteren ist das Fundamt auf 17 Metern erhalten, von der oberen geben sogar große Teile des aufgehenden Mauerwerks aus Muschelkalkstein. Kleinfunde wie Münzen und Keramikscherben bestätigen Hupes erste Einschätzung: „Wir haben hier quasi den Vorbau einer Villa aus dem vierten Jahrhundert.“ Der Standort des eigentlichen Wohnbaus liegt unter der Bernhardstraße und der Häuserzeile gegenüber. Doch die vorgelagerte Terrassenanlage spricht Bände: Sie hatte eine statische Funktion am steil abfallenden Hang, und sie betonte den repräsentativen Charakter der Villa in wahrlich hervorgehobener 1a-Lage. Zu Füßen der Bewohner erstreckte sich der einstmals größte Tempelbezirk nördlich der Alpen, und dann kam auch schon der aus dieser Blickrichtung mit den Kaiserthermen beginnende Palastbezirk der in Trier residierenden römischen Imperatoren.

Wie groß die Nobelbehausung war, lässt sich nicht sagen, ebenso wenig, ob ein 1946 bei Leitungsarbeiten 50 Meter entfernt angeschnittenes Mosaik dazu gehörte. Immerhin besteht die theoretische Möglichkeit, dass spätere Generationen das Geheimnis der römischen „Villa Hügel“ (das neuzeitliche Nobelhotel gleichen Namens liegt ganz in der Nähe) lüften: Alle jetzt freigelegten Mauern bleiben im Boden und werden nach der finalen Dokumentierung (per Kamera und Zeichnungen) zugeschüttet.

Das hatte Archäologe Joachim Hupe nicht erwartet: Nur rund einen Meter unter der Erdoberfläche erstreckt sich eine fast 1700 Jahre alte Terrassenmauer. Foto: Roland Morgen
Auch Kleinfunde wie die antiken Keramikscherben, die Theresa Fuchs hier präsentiert, kamen bei der Grabung zum Vorschein. Foto: Roland Morgen

Einem weiteren Rätsel sind die am Landesmuseum stationierten Archäologen nicht weiter auf die Spur gekommen. Hinweise auf die im Mittelalter ganz in der Nähebestehende Siedlung Bergentheim fanden sich nicht. Der Ort ist nur von Urkunden her bekannt. Die jüngste datiert von 1493. Danach verschwand Bergentheim auf ungeklärte Weise von der Bildfläche.