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Archiv: EVAKUIERUNG Bombenfund stoppt Bahnbetrieb

Archiv: EVAKUIERUNG Bombenfund stoppt Bahnbetrieb

Blindgänger auf Ex-Laeis-Gelände gefunden Entschärfung in der Nacht

TRIER. Der Fund einer US-Fliegerbombe sorgte gestern Abend für zeitweisen Ausnahmezustand rund um den Trierer Hauptbahnhof. Hunderte Anwohner mussten die Häuser verlassen. Der fünf Zentner schwere Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg hatte rund 55 Jahre unbemerkt unter dem Betriebsgelände der Firma Laeis-Bucher zwischen Fabrikstraße und Ostallee gelegen. Und dort läge er heute noch, wenn der Trierer Maschinenbauer nicht in den Hafen Trier umgezogen wäre. Inzwischen laufen auf dem ehemaligen Fabrikareal die Ausschachtungsarbeiten für den Neubau eines Einzelhandels- und Dienstleistungszentrums. Auch gestern fördert der Bagger zunächst Kubikmeter um Kubikmeter Erdreich aus der Baugrube. Doch gegen 16.40 Uhr stellt der Maschinenführer sein schweres Gerät erst einmal ab: Vor ihm liegt in Umrissen zu erkennen eine alte Fliegerbombe.

Die in Ulmen (Kreis Cochem-Zell) verständigten Experten des Kampfmittelräumdienstes (KMRK) identifizierten den Findling als eine US-Fliegerbombe der Fünf-Zentner-Klasse. "Ein amerikanisches Standardmodell aus dem Zweiten Weltkrieg", so Räumdienst-Mitarbeiter Kurt Mazzucco zum TV.

Gegen 15 Uhr beginnen die Kampfmittelexperten damit, die Bombe freizulegen und den Zünder zu reinigen. Sprengmeister Horst Lenz, der die eigentliche Entschärfung vornehmen wird, befindet sich noch am Standort Ulmen. Sehr beeilen muss sich Lenz nicht. Bevor er mit dem Herausdrehen des Zünders beginnen kann, muss der Bereich im 200-Meter-Radius um die Fundstelle aus Sicherheitsgründen evakuiert sein. Auf freiem Feld wäre dies kein Problem doch diese Bombe liegt in Sichtweite des Trierer Hauptbahnhofs sowie des Stadtwerkegebäudes und im Umkreis von mehreren stark frequentierten Hauptverkehrsstraßen.

Schon gegen 15 Uhr steht fest: Vor Ende der abendlichen Hauptverkehrszeit läuft hier nichts in Sachen "Entschärfung".

200 Meter sind der Mindestabstand

Um 16.30 Uhr tagt in der Bahnhofs-Dienststelle des Bundesgrenzschutzes (BGS) ein Krisenstab bestehend aus BGS-Leuten, Trierer Polizei Eisenbahnern. Für die Stadt Trier erscheinen zunächst Feuerwehrchef Herbert Albers-Hain und drei Mitarbeiter sowie Presseamtschef Dr. Hans-Günter Lanfer.

"Was ist zu tun, und wie packen wirs an?" lautet die Kernfrage. Die KMRD-Leute bestehen auf einer Mindest-Sicherheitszone im 200-Meter Umkreis "wegen der Splitter, wenn's passiert". Nach rund einstündiger Bestandsaufnahme steht fest, dass sich vor 20 Uhr nichts wird machen lassen. Rund 8000 Anwohner im Bereich Bahnhofs-, Sichel-, Dewora- und Balduinstraße sowie in den Bereichen der Ostallee, des Bahnhofsvorplatzes und der Güterstraße müssen evakuiert werden. Behelfsunterkünfte für die nächtliche Wartezeit sind bereitzustellen. Die Wahl fällt auf die Aulen von MPG und AVG dort sollen die Ausquartierten von Helfern des DRK und des Malteser Hilfsdienstes betreut werden. Ein Problem für sich ist der Bahnverkehr. Nach einigem Hin und Her einigt man sich auf den Interregio Koblenz-Saarbrücken als "letzten Zug".

Wenn der um 20.38 Uhr den Bahnhof Trier verlassen hat, kann endlich die Arbeit von Sprengmeister Lenz beginnen. Eine bis anderthalb Stunden werde er für die Bombe brauchen, sagte er. Dann sind die Straßen und Häuser ums Bahnhofsviertel Menschenleer.