Arena mit "Ooh-Effekt"

TRIER. Der Countdown läuft: Noch zehn Wochen, dann soll das größte Trierer Bauprojekt der vergangenen Jahre in Betrieb genommen werden - die Großraumhalle in Castelforte. Der TV warf einen ersten Blick hinter die Kulissen.

Was für ein Riesen-Teil! Wer die neue Halle nur von außen kennt, neigt dazu, den 106 000 Kubikmeter umbauten Raum zu unterschätzen. Um so "erschlagender" ist der Anblick, wenn man sich über die Umfeld-Baustellen ins Innere durchgeschlagen hat. "Das ist der Ooh-Effekt", lacht Sportdezernent Georg Bernarding, der das Erstaunen in den Augen von Besuchern schon etliche Male beobachtet hat. "Bei der Ausstattung und im Preis-Leistungsverhältnis sind wir bundesweit vorn", betont er ebenso selbstbewusst wie stolz. Bernarding und sein "Chef", Oberbürgermeister Helmut Schröer, haben das Projekt über Jahre mit eiserner Energie angetrieben, über einen Hindernisparcours aus politischen, rechtlichen und finanziellen Hürden. Auf den allerletzten Drücker bekamen sie vom Land den Zuschlag, kurz bevor die öffentliche Finanzkrise zuschlug. Nun stehen sie hoch oben unterm Hallendach und betrachten zufrieden die Entwicklung ihres Ziehkinds. Unten wird emsig gearbeitet, "absolut im Plan", wie Schröer betont. Nicht nur zeitlich: Die Abweichung von der Finanzplanung (Gesamtkosten: netto 15 Millionen Euro) betrage derzeit "exakt 0,01 Prozent", versichert Bauamtsleiter Michael Strobel. Das Zauberwort heißt "Flexibilität"

 Die Zeit drängt: In zehn Wochen muss alles fertig sein. Foto: Hans Krämer
Die Zeit drängt: In zehn Wochen muss alles fertig sein. Foto: Hans Krämer

Im Lüftungsraum deutet Bernarding auf ein Firmenschild. Die Adresse liest er vor: "Gottbillstraße, Trier". Nicht ohne leise hinzuzufügen: "Mit einem schönen Gruß an die Handwerkskammer." Der Vorwurf, das heimische Handwerk würde durch unrechtmäßige Ausschreibungsmethoden um Aufträge gebracht, sitzt immer noch tief. Um ein Haar hätte er den Hallenbau buchstäblich zum Einsturz gebracht. Doch das ist Vergangenheit. Nun kann Manager Wolfgang Esser einen ganzen Fächer von Nutzungsmöglichkeiten ausbreiten. "Flexibilität" ist das Zauberwort, das die "Arena Trier" kennzeichnen soll. Das beginnt bei den Teleskop-Tribünen, die ausgefahren bis zu 4500 Sitzplätze bieten, im eingefahrenen Zustand aber nur 1,50 Meter Tiefe beanspruchen. Für jede Veranstaltung wird ein separates Platzkonzept angeboten, vom Reitturnier (2600 Plätze) bis zum Rock-Konzert für 7500 Besucher. So will man vermeiden, dass kleinere Ereignisse vor halbleeren Rängen stattfinden. Alles wirkt durchdacht, es gibt breite Zugänge für das Publikum und kurze Wege für Akteure und Presse. Zehn schicke Logen sollen Sponsoren locken, gemalte Kunst am Bau (vom Trierer Künstler Mario Diaz Suarez) die Gänge zieren. Direkte Wege zu den Parkplätzen, ideale Anfahrmöglichkeiten für Busse, Verbindungstunnels, alles behindertengerecht und "Club aktiv-geprüft": Die Planung hat offenkundig Hand und Fuß. Da zahlt sich aus, dass Verwaltung und Stadtrat die lange Verfahrenszeit genutzt haben, um unermüdlich vergleichbare Projekte zu studieren. Von Lyon bis Herzogenbusch, Flensburg bis Zwickau waren städtische Emissäre unterwegs. So entstand ein Konzept, das Topsport, Events und Vereinsinteressen unter einen Hut bringen soll. 50 Prozent der werktäglichen Nutzung sind für Schul- und Vereinssport reserviert. Neun (!) abtrennbare Trainingsflächen enthält das Hallen-Areal, ein Paradies für platzmangel-geschädigte Breitensportler. Mit deren täglicher Präsenz kalkuliert auch die 400 Quadratmeter große Sportbar, die von Riverside-Macher Bernd Gritzmacher betrieben wird. Dass die Groß-Events und der Trainings-Betrieb kollidieren, wollen die Hallen-Macher vermeiden. So kommen laut Wolfgang Esser "maximal zwei Fernseh-Produktionen pro Jahr" in Frage, weil sie die Halle für mehrere Tage blockieren. Bei Betreiberkonzept und Programm sind noch etliche Fragen offen (ausführlicher Bericht folgt). Aber eines steht fest: Am 18. Juni wird die Halle offiziell mit einem großen "Trier-Abend" zu zivilen Eintrittspreisen eröffnet, gestaltet von Künstlern aus der Region. Von Guildo Horn, Thomas Kießling und dem städtischen Orchester ist die Rede. Aber Esser will schon vorher einsteigen, rechnet mit den letzten Heimspielen der Basketballer und der Miezen bereits ab Ende Mai. Bis zum Startschuss bleiben rund 60 Tage. Bis dahin müssen der Innenausbau komplettiert, die Außenanlagen fertiggestellt, die gastronomischen Versorgungsstationen eingerichtet werden. Wenn die Zeit reicht, will man Bürgern bei einem Tag der offenen Tür einen Blick hinter die Kulissen gestatten.