Armut, Anmut, Abenteuer

Erfolgreiche Doppel-Premiere: Trier war auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin erstmals mit zwei Sonder-Präsentationen vertreten. Nach Einschätzung der Beteiligten - Tourist-Information sowie Museen und Uni - eine gelungene Sache.

Berlin/Trier. Das Interesse an Trier ist groß, manchmal sogar fast zu groß. Julia Kaell und Joachim Lange von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) wurden regelrecht belagert, als sie an den beiden Publikumstagen der ITB Restposten aus dem Konstantin-Jahr 2007 zum Nulltarif unters Volk brachten. Besonders begehrt: "Imperator"-T-Shirts. Als Laura Otto (15) und Nathalie Giese (13) am Sonderstand von GDKE und den historischen Städten des Landes auftauchten, war die abenteuerliche Verteilungsaktion schon vorbei. Die beiden Berliner Schülerinnen nahmen Prospekte mit. "Von Trier haben wir schon viel gehört, aber wir waren noch nicht da. Das wollen wir bald nachholen", sagt Laura Otto.

Hoffnungsträger 2012: der Heilige Rock



Triers Touristik-Chef Hans-Albert Becker sieht sich durch solche Aussagen bestätigt: "Unsere Präsentation ist besser denn je, weil wir am Sonderstand des historischen Rheinland-Pfalz ganz gezielt auf uns aufmerksam machen können." Haupt-Blickfang: eine Kopie der 1800 Jahre alten Marmor-Amazone aus den Barbarathermen. Kopflos zwar, aber zeitlos anmutig und deshalb ein beliebtes Foto-Motiv. Geht es nach Becker, dann gibt es auch auf der nächsten ITB neben dem Rheinland-Pfalz-Stand (mit den neun Ferienregionen sowie Partnern wie den Jugendherbergen und der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz) eine Präsentations-Extrawurst für die "Romantic Cities". Das Städte-Sextett Trier, Mainz, Koblenz, Speyer, Worms und Kaiserslautern verkörpere ein "wertvolles Pfund, mit dem wir weltweit wuchern können", findet auch GDKE-Chef Thomas Metz. Triers Tourismus-Chancen für die kommenden Jahre beurteilt Hans-Albert Becker als "ausgezeichnet". Selbst im vermeintlichen Durststrecken-Jahr 2009 (ohne Rallye-WM-Lauf und Antikenfestspiele) stiegen die Übernachtungszahlen leicht. "Jetzt geht es weiter aufwärts." Rallye und Festspiele stehen wieder auf dem Programm, 2012 steht im Zeichen der Heilig-Rock-Wallfahrt. 1996, als die Tunika Christi zuletzt gezeigt wurde, kamen 700 000 Pilger.

Einen kleineren, aber feinen Beitrag zur Steigerung der Fremdenverkehrsbilanz dürfte die Ausstellung "Armut - Perspektiven in Kunst und Gesellschaft" vom 10. April bis 31. Juli 2011 im Stadtmuseum Simeonstift und im Rheinischen Landesmuseum bringen. Die ITB bot den gebührenden Rahmen zum Werbe-Start für die erste große Gemeinschaftsproduktion von Uni und den beiden Museen. Die Ausstellung markiert den Schlusspunkt der zehnjährigen Arbeit des Sonderforschungsbereichs 600 ("Fremdheit und Armut"). Das Stadtmuseum zeigt 150 hochkarätige Exponate, darunter Bilder von Picasso, Breughel und Rembrandt. Im Landesmuseum sind Ausstellungsstücke aus der Antike zu sehen. Überregionales Interesse besteht bereits jetzt: "Vertreter von Sozialverbänden und Kultureinrichtungen, aber auch Veranstalter von Bildungsreisen haben sich an unserem Stand informiert", berichtet Uni-Mitarbeiterin Verena Hoppe.