Asylbewerber statt Soldaten

Das Land ist auf der Suche nach einem dritten Standort für eine Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber fündig geworden. In der ehemaligen Hochwaldkaserne sollen ab nächstem Jahr mindestens 500 Flüchtlinge aufgenommen werden, bevor sie von dort auf Kommunen verteilt werden.

Hermeskeil/Mainz. Die letzten Soldaten zogen 2006 aus der Kaserne am Stadtrand von Hermeskeil ab. Ursprünglich sollte das Areal einmal touristisch genutzt werden. Doch der Plan eines Feriendorfes scheiterte ebenso wie die Ansiedlung eines Hotels.
Nun wird vermutlich wieder Leben in die zum Teil leerstehenden Gebäude einziehen. Das Land hat die Kaserne als weiteren Standpunkt für eine Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (Afa) ins Auge gefasst. Bislang gibt es eine solche Afa nur in Trier. Neben der Hauptstelle in einer ehemaligen französischen Kaserne in Trier-Nord gehören zu der Afa noch zwei Nebenstellen in Trier-Euren (ehemalige Bundeswehrkaserne) und in Ingelheim bei Mainz.
Aktuell waren gestern in allen drei Einrichtungen 1434 Flüchtlinge untergebracht (davon 1146 an den Trierer Standorten). Die Afa ist der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier unterstellt. Sie ist bislang die einzige Dienststelle dieser Art im Land. Deren Aufgabe ist es, die in Rheinland-Pfalz ankommenden Asylbewerber zunächst aufzunehmen und unterzubringen, bevor sie auf die Kommunen des Landes verteilt werden.Kapazität kann erweitert werden


Bereits vor einem Monat hat die rheinland-pfälzische Inte grationsministerin Irene Alt (Grüne) angekündigt, aufgrund der steigenden Asylbewerberzahlen (bis Ende des Jahres rechnet das Land mit mehr als 10 000 Asylbewerbern) die Aufnahmekapazitäten zu erweitern. In diesem Zusammenhang deutet sie an, dass die bisherige Außenstelle in Ingelheim zu einer zweiten, eigenständigen Afa mit 500 Plätzen ausgebaut werden soll.
Gleichzeitig suche das Land nach einem Standort für eine dritte Afa. Den hat es nun wohl in Hermeskeil in der ehemaligen Kaserne gefunden. "Die ehemalige Hochwaldkaserne wäre als Standort sehr gut geeignet, da sich die Gebäude in gutem Zustand befinden", sagte Alt gestern. Mindestens 500 Asylbewerber sollen dort Platz finden, bevor sie nach spätestens drei Monaten auf Kommunen verteilt werden. Bei Bedarf könne die Kapazität der Kaserne, die seit 2011 im Besitz einer privaten Firma aus dem Kreis Cochem-Zell ist, erweitert werden. Zunächst war die Kaserne vom Kreis Trier-Saarburg als dauerhafte Unterkunft für Asylbewerber in Hermeskeil ins Auge gefasst worden. Nun haben Land, Kommune und Kreis sich wohl auf die Einrichtung einer Afa dort geeinigt.
Der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU) sieht in der Einrichtung auch eine Chance zur "Strukturstärkung" für Hermeskeil. Auch Verbandsbürgermeister Michael Hülpes (CDU) hofft, dass mit dem Projekt die Stadtentwicklung gefördert werden kann.
Offenbar war die Zustimmung der Stadt an den Erhalt des Hermeskeiler Krankenhauses geknüpft. "Wir wollen vor allem gewährleistet haben, dass unser Krankenhaus über das Jahr 2016 hinaus erhalten bleibt", sagte Stadtbürgermeister Matthias Queck (CDU) unserer Zeitung. Sollte der Stadtrat zustimmen, könnten im Frühjahr kommenden Jahres die ersten Asylbewerber in die Hochwaldkaserne einziehen. wie/ax