ATK-Gala in Trier - Nichts ist normal: Jetzt regiert der Rosa Stiletto (Fotos/Video)

Kostenpflichtiger Inhalt: Mit Starkoch Alfons Schuhbeck : ATK-Gala in Trier - Nichts ist normal: Jetzt regiert der Rosa Stiletto (Fotos/Videos)

Ein humorvolles Prinzenpaar, eine leidenschaftliche Laudatio und ein ungewöhnlicher Bayer als Ordensträger – diese Mischung hat die Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) in der Europahalle geboten.

„Normalerweise wartet doch immer der Mann auf die Frau“, sagt Andreas Peters schmunzelnd zu Prinz Harald III. von den Bobinet Coworing Places, der auf dem Weg zur Inthronisierung vor lauter Begrüßungen etwas länger zur Bühne braucht. Das Publikum der großen Gala der ATK in der Europahalle klatscht im Rhythmus der Blasmusik der Trierer Stadtgarde, doch „normal“ wird die Session mit diesem Prinzenpaar nicht, soviel ist schon bei ihrem Einmarsch klar. Die prominenten Gäste Johannes B. Kerner (Fernsehmoderator) und der Starkoch Alfons Schuhbeck, dem der Kaiser-Augustus-Orden verliehen werden soll, greifen erst spät am Abend ins Geschehen ein.

Der Moderator und Vorsitzende der ATK Peters überreicht die Urkunde für die Regentschaft über die Stadt Trier an den Prinzen und seine Prinzessin Marion II. von Estrich und Fliesenbau Silano. Dabei muss er immer wieder über witzige Kommentare und Antworten des Prinzen lachen, gibt aber auch schnelle Konter. Als er das majestätisches Haupt mit fünf roten und gelben Federn schmückt, sagt Peters: „Ja, du hast recht, du hast die Längsten“, und als die Federn nicht so recht reingehen und er am würdigen Prinzenkopf herumfummeln muss, kann sich das Publikum vor Lachen über den Schlagabtausch der beiden fast nicht mehr halten.

ATK-Gala 2020: Inthronisierung und Ordensverleihung

Showgeübt kommentiert Harald die hängenden Federn mehrdeutig und als Prinzessin Marion endlich mit Diadem gekrönt wird, fasst sie zusammen, was in der Halle längst schon klar geworden ist: „Also langweilig wird mir mit meinem Prinzen nicht in der Session“.

Trier hat ein neues Prinzenpaar: Marion II von Estrich und Fliesenbau Silano und Prinz Harald III von den Bobinet Coworing Places. Foto: TV/Hans Krämer

Der Kommandant der Koobengaarde überreicht dem Prinzen einen Regenten-Stab mit rosa Stiletto-Schuh oben drauf, den der Prinz ganz toll findet, denn damit throne der Rosa Karneval über der Session. In seiner Rede wünscht Prinz Harald bunte und vielfältige 20er Jahre – „so bunt, wie der Karneval“. Das Paar hofft, dass mehr Gastronomen begreifen: „Ballermann und Karneval haben nichts miteinander zu tun.“

Drei Fragen an Starkoch Alfons Schuhbeck

Und das wird an diesem Abend deutlich, denn Karneval ist aufwendig, kunstvoll und die Mitwirkenden präsentieren ihn mit Leidenschaft. Kleine Jungen und Mädchen von der Kindergarde RW-Ehrang geben in bunten Kostümen furchtlos ihren Regenbogentanz zum Besten. Eine zweite Kindergarde der KG Trier-Süd tanzt mit Blumen im Haar den Sommer herbei. Beide Gruppen erzählen mit ihren Darbietungen Geschichten, wie die großen Wieweler, die zur Titelmusik des Films „The Greatest Showman“ in dazu passenden Kostümen auftreten.

Die 24 Tänzerinnen der Goldenen Koben haben sich gerade für die Süddeutschen Meisterschaften qualifiziert. Foto: TV/Hans Krämer

Gerade erst zur süddeutschen Meisterschaft qualifiziert, springen die Goldenen Kooben aus Euren auf leisen Sohlen akrobatisch in die Luft und in den Spagat, sodass der Zuschauer bewundernd verstummt. Eine ebenso gute Solistengruppe zeigt mit einem einführenden Video, aus welchen Ortsgruppen ihre Mitglieder kommen.

Die Showtanzgruppe Don Bosco, die sich selbst „Chaosteam“ nennt, ist bei so manchem Zuschauer heimliches Highlight. Hier sieht nicht jede Tänzerin gleich aus und sie tanzen gekonnt und mit witzigen Einlagen in blau glitzernden Matrosenkleidchen unter dem Motto „Die Welt ist groß und rund, drum feiern wir kunterbunt“.

Tolle Performance: Die Kids von der Kindergarde RW-Ehrang begeistern die Zuschauer mit ihrem Regenbogentanz. Foto: TV/Hans Krämer

Solistin Monika Urbanek, die Kamelle Kapelle, Kölsche Jungs, die Leiendecker Bloas und die Band Viva La Vida heizen dem Publikum ordentlich ein, bis es spätestens beim Hit „Cordula Grün“ keinen mehr auf seinem Stuhl hält.

Anstatt Geschenken will das neue Prinzenpaar von der Eurener Koobengarde 111 Spenden sammeln für einen Nachmittag mit alten Leuten, erklärt Prinzessin Marion. Sie ist langjährig engagierte Karnevalistin, und unter anderem Trainerin der Showtanzgruppe Don Bosco. Ihr Prinz, ein Pionier des Rosa Karnevals in Trier, sagt: „Trier ist bunt und vielfältig.“

Mittendrin im Publikum: Fernsehmoderator Johannes B. Kerner, der die Laudatio auf Alfons Schuhbeck hält. Foto: TV/Hans Krämer

Dass es beim Trierer Karneval in der ausgelassenen Stimmung um mehr geht, als um Tradition und Party, macht auch Johannes B. Kerner deutlich, als er am frühen Sonntagmorgen – die Gala dauert länger als geplant – für seine Laudatio auf die Bühne kommt. Er sagt: „Das hier ist ein außergewöhnliches Zeichen gesellschaftlichen Zusammenhalts, denn Menschen verschiedener Herkunft, Neigungen und Alters feiern zusammen“. Hier fliege einem die Mitmenschlichkeit und Solidarität entgegen, die oft als verloren erklärt werde. Er fordert: „Ihr seid die Mitte der Gesellschaft. Ihr seid Deutschland. Lasst euch euer Land nicht von Rechten aus den Händen nehmen.“

Lobend beschreibt er daraufhin Alfons Schuhbecks Alltag. Der 70-jährige gehe neben seinen vielen Tätigkeiten in seinen Restaurants in München und Fernsehshows in Hamburg jede Nacht um 1 Uhr morgens noch ins Fitnessstudio. Trotzdem bleibe er bodenständig und nahbar und noch sozial engagiert.

Nachdem Alfons Schuhbeck, den mit 5 555,55 Euro dotierten Spendenorden überreicht bekommen hat, gibt er zu, dass es schon stimme, er sei nicht ganz normal: „I hob scho bissel en Schlog“. Er sei das erste Mal in Trier und verstehe, warum die Römer Trier gewählt haben. Er sagt: „Die wussten, dass da was Gescheites herauskommt“. Das Geld möchte er für Kinder mit schwerer Hautkrankheit einsetzen.

Viele Jubiläen werden an diesem Abend gefeiert und auch ein würdiger Abschied steht an. Wolfgang Heles war 15 Jahre Kommandant der Stadtgarde Augusta Treverorum mit ihren über 100 Mitwirkenden. Er kann sich eine Abschiedsträne kaum verdrücken.

Stefan Feltes, der mit Andreas Peters den Abend moderiert, freut sich, dass zum ersten Mal der gesamte Stadtvorstand zur Gala gekommen ist. Neben vielen anderen elegant gekleideten Karnevalisten und Personen des öffentlichen Lebens ist auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer gekommen, mit der sich Alfons Schuhbeck, wie er selbst sagt, außergewöhnlich gut verstanden hat.