Auch der Wald leidet

TRIER. Der Wald und dessen Bewohner haben einen schweren Stand im "Jahrhundertsommer". Sengende Hitze und Waldbrände bedrohen ihre Existenz.

Nicht nur der Mensch leidet unter der anhaltenden Dauerhitze, auch Pflanzen und Tieren macht die Dürreperiode schwer zu schaffen. Bäume, die viel Wasser benötigen, dazu zählen Fichten und Rotbuchen, werfen Nadeln und Blätter ab, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren. Doch der damit einher gehende Energieverlust zeigt deutliche Auswirkungen: Das Wachstum fällt merklich unter den Jahresdurchschnittswert. Dies geht aus der Breite der Jahresringe hervor, die in einem trockenen Sommer wesentlich schmaler sind. Da helfen auch die gelegentlichen, sintflutartigen Niederschläge nicht. Das meiste Wasser wird von den Baumkronen abgefangen oder verdampft wenig später auf dem stark erhitzten Waldboden. Nur wenig davon gelangt tief genug in die Erde, um von den Wurzeln aufgenommen zu werden. Außerdem werden die geschwächten Bäume von Schädlingen bedroht. Die Tiere des Waldes halten es mit der Hitze ähnlich wie die Menschen: Sie ziehen sich an Quellbereiche und schattige, feuchte Stellen zurück und versuchen, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Eine existenzielle Gefahr für den Wald und seine Bewohner ist der Waldbrand, der meist ganz unbemerkt in Form eines "Bodenfeuers" 30 bis 50 Zentimeter tief im ausgetrockneten Waldboden entsteht. "Kommt dann noch starker Wind hinzu", so Georg Schubach, Leiter des Forstamtes Trier, "dann kann schnell ein Kronenfeuer entstehen, das nur sehr schwer zu bekämpfen ist, was die aktuellen Bilder aus Frankreich und Portugal beweisen." Um dies zu vermeiden, sei es ganz wichtig, bestimmte Regeln zu befolgen: Im Landeswaldgesetz etwa ist festgelegt, dass bis zu einem Abstand von 100 Metern zum Waldrand ganzjährig nicht geraucht werden darf. Strikt untersagt sind ebenfalls Lager- oder Grillfeuer im Waldgebiet. Auch die Wirkung von achtlos weggeworfenen Glasflaschen wird oft unterschätzt. Ein abgebrochener Flaschenboden kann die gleiche Wirkung haben wie eine Lupe: Die Sonnenstrahlen werden gebündelt und können das verdörrte Nadelstreu im Nu entzünden. In der Region verliefen solche Vorfälle bisher glimpflich. Erst ein Mal musste die Feuerwehr diesen Sommer ausrücken, als sich auf der "Kanzel" bei Ehrang ein Waldbrand entfachte. Die Ursache ist ungeklärt.