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Auf 30 Hektar geht noch was

Schweich. Die Verbandsgemeinde (VG) Schweich verfügt über Baulandreserven in der Größenordnung von 30 Hektar. Vor wenigen Monaten war man auf Grundlage des Landesprogramms "Raum +" noch davon ausgegangen, dass ein Überangebot von knapp 70 Hektar besteht. Albert Follmann

Schweich. Voller Stolz präsentierte die Landesregierung vor drei Jahren ihr neues Programm "Raum +. Das "Leuchtturmprojekt" erstelle eine "landesweite Übersicht über vorhandene Siedlungsflächenpotenziale, um Städte und Gemeinden mit fundiertem Rat und praxistauglichem Werkzeug in ihrer Kommunalentwicklung zu unterstützen" - so hieß es bei der Vorstellung von "Raum +" für die Presse.
Mainz ließ sich bei der Neubewertung der Flächenpotenziale von zwei Kriterien leiten: dem Umweltschutz (natürliche Ressourcen schonen) und der demografischen Entwicklung (Rückgang der Einwohnerzahl). Wenn gebaut wird, dann bitte schön im Ortskern und nicht auf der grünen Wiese, lautete die Devise.
Auch die Verbandsgemeinde Schweich wendete das Programm an. Umsetzen sollte die Baulandermittlung im vergangenen Jahr das Planungsbüro Bachtler, Böhme & Partner aus Kaiserslautern. Als eine Planerin im Mai 2012 die Ergebnisse im Verbandsgemeinderat präsentierte, war die Überraschung groß. Die Potenziale seien deutlich größer als der Bedarf, so das Ergebnis der Flächenauswertung, die unter anderem auf Karten und Luftbildern basierte. Später kamen Zahlen auf den Tisch: Es gebe 67 Hektar Bauland mehr als nötig sei.
Schon damals bemängelten Bürgermeisterin Christiane Horsch und der Rat, dass das Land bei der VG Schweich falsche Maßstäbe ansetze. Im Gegensatz zu den meisten Regionen wachse an der Römischen Weinstraße die Bevölkerung noch, also könne man auch nicht so restriktiv mit Bauland umgehen.
In der jüngsten Sitzung präsentierte das Lauterer Büro nun andere Zahlen. Rund 30 Hektar Baulandreserve seien erlaubt, sagte Heiner Jakobs. Nachdem die VG alle Gemeinden gebeten hatte, ihren Baulandbedarf zu ermitteln, wurden 28,3 Hektar angemeldet (siehe Extra). "Wir kommen auf 29,3 Hektar, das ist eine Punktlandung", lobte Jakobs. Angesprochen auf die Diskrepanz zur ersten Untersuchung, ließ Jakobs kein gutes Haar an "Raum +". Man sei "gezwungen" worden, mit diesem Programm zu arbeiten. Es basiere teilweise auf veralteten Grundlagen und Bevölkerungsprognosen. Unter anderem seien Friedhöfe als Wohnbauland angegeben worden.
Einstimmig befürwortete der Verbandsgemeinderat die vorgeschlagenen Flächen. Sie sollen später im neuen Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde die Basis für die künftige Siedlungspolitik bilden.Meinung

Siedlungspolitik mit Maß und Ziel
Dass das Land künftig den Kommunen bei der Ausweisung von Bauland stärker auf die Finger guckt, ist richtig. Wir müssen sorgsamer mit unseren Ressourcen umgehen, das sind wir kommenden Generationen und unserer Umwelt schuldig. Dennoch darf man jetzt das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und die grüne Wiese zur Tabuzone für Bauherren deklarieren. Wichtig ist, eine gesunde Mischung zu finden - einerseits die Wohnattraktivität in den Dorfkernen stärken, andererseits bedarfsgerecht Neubauland ausweisen. Die Baulandermittlung in der Verbandsgemeinde Schweich zeigt, dass hier trotz der prognostizierten Bevölkerungszunahme mit Maß und Ziel gearbeitet wird. Im Übrigen sind heute die Grundstücke so teuer geworden, dass Luxusbaustellen kaum noch zu vermarkten sind. a.follmann@volksfreund.deExtra

In folgenden Orten der VG Schweich wird noch Bauland vorgehalten. Alle nicht aufgeführten Gemeinden haben keinen Bedarf für neues Bauland. (Ein Hektar entspricht etwa der Größe von anderthalb Fußballfeldern). Bekond: drei Hektar nördlich Detzem: 0,5 Hektar nördlich Ensch: 0,5 Hektar an B 53 Kenn: 1,5 Hektar Arrondierung Kenner Lay Leiwen: zwei Hektar im Bereich "Flurgarten" Longen: 0,25 Hektar oberhalb der B 53 Longuich: 2,5 Hektar südlich (Mühlenstraße). Naurath: 0,5 Hektar westlich Pölich: 0,3 Hektar südlich Riol: drei Hektar, Nähe Baugebiet Difenis Schweich: zwölf Hektar (davon rund fünf Hektar alter Sportplatz Issel, 2,5 Hektar beim Baugebiet Madell III, 4,4 Hektar Sandkaul (Norden). Trittenheim: zwei Hektar südwestlich der Ortslage alf