Auf dem Petrisberg gibt es doch keine Privatakademie

Auf dem Petrisberg gibt es doch keine Privatakademie

Die angekündigte Jura-Eliteschmiede auf dem Petrisberg nimmt frühestens mit zwei Jahren Verspätung ihren Betrieb auf. Aus dem Wohn- und Lehrgebäude wird ein Studentenwohnheim.

Trier. Einen Hauch von Oxford und Harvard sollte die private Petrisberg Law and Leadership Academy (PLLA) nach Trier bringen. Der geplante Start zum Wintersemester ist nicht geglückt, ein neuer Anlauf soll in frühestens zwei Jahren starten. Für viele ist das kein gutes Zeichen.
Bewerber sind abgesprungen


Der Plan: Ein paar Hundert Meter vom Campus entfernt hätten die ersten 35 Studenten der PLLA mit ihrem Einzug den Beginn ihrer ersten Semesterferien feiern sollen, wäre es nach dem Initiator der Akademie, dem Trierer Rechtsanwalt Thomas Schmidt, gegangen. Dieser hatte die private Akademie im vergangenen Jahr als studienbegleitende Eliteschmiede angekündigt, die ihren Studenten für 25 000 Euro pro Jahr ab Beginn des Wintersemesters durch Zusatzkurse und Kamingespräche zu einem überdurchschnittlich guten Examen verhelfen sollte.
Während die übrigen Studenten nach der Vorlesung an der Universität Trier nach Hause gehen, so die Idee, sollten die Absolventen der PLLA in einem eigenen Wohn- und Lehrgebäude auf dem Petrisberg weiter betreut und privat unterrichtet werden.
Doch inzwischen ist klar, dass das Konzept in Trier so nicht umzusetzen ist. "Man unterschätzt doch bestimmte Dinge, die etwas mehr Zeit brauchen", sagt Schmidt im TV-Gespräch.
Die Dinge, das sind vor allem die Finanzen. Weil kaum ein Student die hohen Kosten des Zusatzstudiums selbst tragen kann, sollte eine eigens gegründete Stiftung mehrere Stipendien zur Verfügung stellen. Auf diese Weise sollte etwa ein Fünftel der Studienplätze finanziert werden. Doch weil die Stiftung zu wenig Geld einnahm, konnte sie die Stipendien nicht vergeben - und die Bewerber sprangen wieder ab.
In frühestens zwei Jahren, also zum Wintersemester 2013/2014, soll die PLLA nun mit einem veränderten Konzept an den Start gehen. Schmidt will vor allem die Kosten senken und das Studium damit günstiger machen. Der Bauplan für das Gebäude in der Max-Planck-Straße wurde unterdessen geändert: Es dient in Zukunft 46 Studenten aller Fachbereiche als Wohnheim und wird zum Beginn des Sommersemesters bezugsfertig sein.
Fehlende Abstimmung


Wo die Studenten der PLLA unterrichtet werden, wenn die private Akademie in zwei Jahren an den Start geht, dafür gibt es Ideen: "Auf dem Gelände ist noch Platz für ein zweites Gebäude, in dem der Betrieb der Akademie stattfinden kann", sagt Wilfried Biewer, der im Vorstand der Trie rer Immobiliengesellschaft Triwo sitzt und dem das Gelände nach eigenen Angaben zusammen mit Thomas Schmidt und zwei weiteren Privatpersonen gehört.
Im Umfeld der Akademie werden aber Zweifel laut, dass es in zwei Jahren so weit sein werde. Selbst im prominent besetzten Beirat der PLLA gibt es kein klares Meinungsbild, ob die Akademie in Trier Erfolg haben werde. "Wir sind nicht einmal auf dem aktuellen Stand, was nun passieren soll", sagte ein Mitglied des 30-köpfigen Gremiums dem TV.
Professor Jan von Hein, der Dekan des Fachbereichs V an der Universität Trier, zu dem die Rechtswissenschaften gehören, kritisierte die fehlende Abstimmung der privaten PLLA mit der Universität.
"Die Akademie wurde uns damals als fertiges Konzept vorgesetzt. Sie greift auf unsere Studenten zurück, ohne sich mit dem Fachbereich abzustimmen. Das bleibt ein ungeklärter Punkt." Der Anspruch, als private Eliteschmiede im Rang der renommierten Law Schools aufzutreten und die Absolventen damit für den Arbeitsmarkt fit zu machen, sei bei den Trierer Rechtswissenschaftlern auf wenig Anerkennung gestoßen. "Das suggeriert, dass an der Universität nur weltfremde Professoren leben. Dieses Bild ist doch etwas verzerrt", sagt von Hein.
Darüber hinaus bestätigte der Dekan im Gespräch mit dem TV einen Bericht der Internetseite 16vor, wonach es wissenschaftlichen Mitarbeitern untersagt sei, neben ihrer Lehrtätigkeit an der Universität auch an der PLLA zu dozieren. An dieser Entscheidung wolle die Universität festhalten.