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Auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben

Auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben

Formen der häuslichen Gewalt richten sich gegen Angehörige und den eigenen Partner. Um Gewaltausbrüche in den eigenen vier Wänden einzudämmen, hilft die europäische Hotline Euline Tätern, die Probleme nicht mehr mit Fäusten lösen wollen.

Trier. Fast 600 Fälle von häuslicher Gewalt verzeichnet die luxemburgische Polizei für das Jahr 2010 offiziell - die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Um solchen Situationen zu entkommen, bieten viele Organisationen Opfern Hilfe und Beratung an. Ein anderer Ansatz zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt ist die Täterarbeit.
Auch Frauen schlagen zu


Im deutschsprachigen Raum gibt es seit 2005 die europäische Hotline Euline, bei der sich Täter anonym beraten lassen können: Mitarbeiter aus Luxemburg, Deutschland, Österreich und der Schweiz helfen Menschen auf dem Weg in ein Leben ohne Gewalt.
"Gewalt ist sehr viel verbreiteter, als man denkt", erzählt Gérard Faber, verantwortlicher Leiter von Euline Luxemburg. Der Gewaltberater und Tätertherapeut beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kreislauf von Gewalt. Er weist darauf hin, dass Klischees zur Erstellung eines Täterprofils wenig hilfreich sind: "Man hat vielleicht die Vorstellung von einer speziellen Gruppe, die äußerlich erkennbar ist: die typischen beringten, tätowierten, breitschultrigen Männer, denen man es schon ansieht. Das ist aber nicht der Fall!" Euline richtet sich an gewalttätige Menschen, die noch nicht auffällig geworden sind.
Am häufigsten treten Fälle von häuslicher Gewalt zwischen Partnern auf. Anfangs waren Beratungsangebote für Täter noch stark männerorientiert. Doch in den letzten Jahren hat der Anteil an Frauen, die zu Tätern werden, zugenommen. Während im Jahr 2000 nur etwa fünf Prozent der Taten von weiblicher Gewalt ausgingen, sind es mittlerweile schon um die 15 Prozent.
Formen der häuslichen Gewalt richten sich auch gegen Kinder und ältere Menschen. Laut Faber kann gerade die Pflege von Angehörigen zu belastenden Situationen führen, in denen es auch zu Handgreiflichkeiten kommt. Die Anwendung von Gewalt entstehe dabei generell weniger aus einem Machtgefühl heraus, sondern sei ein Ausdruck von Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Der Ausweg aus einem Leben mit der Gewalt umfasst grundsätzlich zwei Schritte. Die Mitarbeiter von Euline vermitteln den Tätern zunächst ein Beratungsgespräch in ihrer Nähe, um mit Hilfe pädagogischer Maßnahmen das erneute Ausbrechen von Gewalt zu verhindern. "Zuerst geht es ausschließlich darum, dass die Person nicht mehr schlägt und gewaltfrei lebt", sagt Faber. Im Anschluss kann auf Wunsch eine Therapie erfolgen. Der Schwerpunkt liegt darauf, dem Täter bewusst zu machen, dass er eigenverantwortlich handelt und die Entscheidung über die Anwendung von Gewalt allein bei ihm liegt. Bei regelmäßiger Teilnahme liegt die Erfolgsquote bei rund 90 Prozent.
Extra

Die Euline-Täterhotline wird von erfahrenen, ehrenamtlichen Mitarbeitern in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz betreut. Die nächste Beratungsstelle für Betroffene in der Region Trier befindet sich in Luxemburg Stadt. Die Hotline ist Montag bis Freitag von 9-17 Uhr erreichbar. Deutschland: 01805 - 439 258, Luxemburg: 00352 2662 1211. Weitere Informationen: www.euline.eu. maf