Auf dem Weg ins Neue Jahr

Sind Sie in den letzten Tagen nach Ihren Vorsätzen für das Neue Jahr gefragt worden? Glaubt man den Medien, gibt es in diesen Tagen kaum etwas Interessanteres als Jahresrückblicke und die stereotype, manchmal peinlich wirkende Frage nach den mehr oder minder durchdachten guten Vorsätzen von Menschen.

Immer öfter ist dann zu hören: Vorsätze? - Ich nehme mir gar nichts vor, weil ich es doch nicht einhalte und dann ärgere ich mich nachher nur. Andere nennen die altbekannten Absichten: aufhören zu rauchen, sich gesünder ernähren, mehr Bewegung etc. Der Jahreswechsel lässt noch einmal das letzte (Lebens-) Jahr aufscheinen mit allen genutzten oder ungenutzten Chancen, mit Freud und Leid, Höhen und Tiefen und öffnet den Blick für die nächste Zukunft. Offenbar benötigen Menschen solch äußeren Anlass, um leichter innezuhalten für Rückblick und Ausblick. Dabei braucht es für den Blick nach vorn immer auch den Blick zurück, weil Leben das Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist. Wenn das vergessen wird, bleiben gute Vorsätze meist leere Worte, hat doch jeder Mensch sich selbst im Gepäck auf dem Weg ins neue Jahr. Wohlwollend kritischer Rückblick auf das eigene Leben mit Erfahrungen und Gewohnheiten, Stärken und Schwächen ist die Voraussetzung für wirklich gute Vorsätze, wenn sie denn zur Umsetzung taugen sollen. Und nur solche können Veränderung bewirken, Veränderung, die lebensnotwendig ist, weil Leben sonst auf der Stelle tritt. Dabei ist es wichtig, der Realität Rechnung zu tragen. So ist es für manche leichter Gewohnheiten zu verändern oder Erfahrungen zu verarbeiten. Andere sind schon ausgelastet mit der Bewältigung des Alltags oder mit ihrer Erwerbstätigkeit. Deshalb taugen auch gut gemeinte Vorschläge für gute Vorsätze nicht. Eine Antwort allerdings, die ich in einem Interview hörte, scheint mir bedenkenswert: "Ich möchte mir am Ende des Jahres aufrichtig sagen können, dass ich mich immer redlich bemüht und mein Bestes gegeben habe." In diesem Sinne aufmerksam sein für das eigene Leben, ehrlichen Herzens immer wieder den eigenen Weg suchen und ihn gehen - das braucht den festen Vorsatz, ist oft anstrengend, auf Dauer aber lohnend. Ingrid Müller, Pastoralreferentin in Trier

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