Auf den Spuren der Indianer

Kein Fernseher, kein fließendes Wasser, kein Strom. Dafür aber reden, singen, tanzen und Bogen schießen. Seit 2009 lebt die Interessengemeinschaft "Lakol Wicohan" ihren eigenen Traum. Nun hat die Gruppe ihr erstes eigenes Indianer- und Trapper-Rendezvouz auf dem Freilichtgelände in Pluwig gefeiert.

Pluwig. (anf) Zinnbecher, Wasserkessel und alte Laternen stehen am Lagerfeuer bereit. Über die sorgfältig geschnitzten Äste der Nachtlager ist heller Leinenstoff gespannt. Tierfelle und perlenbestickte, hirschlederne Bogenköcher zieren die Trapper- und Indianerbehausungen in der freien Natur. Irgendwo weiter hinten wurde ein kleiner Pflock in die Erde geschlagen. Eine Blume und ein mit Initialen versehener Stein sind daran befestigt - der Dank an Mutter Erde für einen guten und sicheren Lagerplatz.

"Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet, das letzte Tier getötet ist, erst dann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann." Die alte Indianerweisheit hat sich in die Herzen der 2009 entstandenen Gruppe "Lakol Wicohan" (übersetzt "Der indianische Weg") gebrannt. "Lakol Wicohan" ist eine elfköpfige Truppe, zu der auch Mischlingshündin "Akascha" gehört. Vor Jahren haben sich die Mitglieder über die Karl-May-Festspiele kennengelernt. Dort haben sie auch ihre gemeinsame Leidenschaft für das Amerika des frühen 19. Jahrhunderts entdeckt. Seit 2009 treffen sich die Freunde nun auch regelmäßig außerhalb der Spielzeiten, um in authentischen Kostümen dem Alltag komplett zu entfliehen.

Nun haben sie ihr erstes eigenes Rendevouz (Lager) veranstaltet. Im zuvor ordnungsgemäß abgesicherten Waldstück um das Pluwiger Freilichtgelände haben sie handgefertigte 3D-Schlangen, -Bussarde und -Murmeltiere aufgestellt. Mit Pfeil und Bogen gilt es, die Figuren möglichst zielgenau zu treffen. Den besten Schützen winken begehrte Hobby-Sachpreise wie Taschenmesser oder neue Pfeile.

"Hier laden wir unsere Akkus wieder auf", berichten Jörg und Barbara Schulze. "Der Alltag ist jetzt zu 100 Prozent ausgeschaltet." "Total cool" findet es auch Michael Ferring, ein ganzes Wochenende lang ohne Fernseher, Strom und Uhr zu verbringen.

Ganz so wie früher können sie natürlich nicht leben, auch wenn sie nur zu gerne einmal selbst ein echtes Bison schießen und verarbeiten würden. Frank Geippel: "An die Gesetzgebung müssen wir uns schon halten. Es sind die Kleinigkeiten, die wir hier ausleben. Brennnesseltee und Löwenzahnsalat kann man selber machen, und zum Feueranzünden benötigen wir auch keine Streichhölzer mehr", sagt er.

Außerhalb der Treffen, im "echten Leben", gehen die Mitglieder ganz normalen Berufen nach. Ferring ist Beamter, Schulze Maler. Auch Schlosser, Installateure und eine Heilpraktikerin gehören zu "Lakol Wicohan".

Warum man tagelang freiwillig mit minimalsten Mitteln auskommt und dabei die größte Entspannung empfindet, erklärt Gast Joachim Schley: "Sehen kann ich den Sternenhimmel aus meinem Wohnzimmerfenster heraus auch, schaue ich aber durch die Öffnung im Tipi, kann ich ihn erleben."

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