Auf den Weltmeeren zufällig getroffen

Freundschaft : Von der Volksbank auf die Aida - Wenn Frauen aus der Region sich auf den Weltmeeren treffen

Julia Klassen und Nadja Kees absolvierten ihre Ausbildung beide in Volksbankfilialen der Region. Jetzt haben die jungen Frauen aus Trier und Irsch/Saar erneut denselben Arbeitgeber und arbeiten da, wo andere Urlaub machen: auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff.

Die noch nicht fusionierten Volksbanken in Trier und Saarburg konnten ihren Angestellten Julia Klassen (26) von der Trierer Weismark und Nadja Kees (26) aus Irsch/Saar als Arbeitgeber ziemlich viel bieten. Eines allerdings nicht – nämlich während des ganzen Jahres über die Weltmeere zu schippern.

In jungen Jahren möglichst viel von der großen, weiten Welt zu sehen, schwebte den beiden aber schon immer vor. Dies ging jedoch nur mit einem beruflichen Szenenwechsel: Raus aus der Bankfiliale, hinein ins Abenteuer Seefahrt. Diesen Schritt setzten beide völlig unabhängig voneinander in die Tat um. Das Kuriose dabei: Mit der Trierer Volksbank teilten sie schon einmal den Arbeitgeber. Nun arbeiten die beiden wieder für dasselbe Unternehmen – und dazu auch noch auf dem gleichen Kreuzfahrtdampfer.

Obwohl ihr Tagesablauf als Besatzungsmitglieder auf einem Schiff der Aida-Flotte mit täglicher Arbeitszeit von zehn bis zwölf Stunden in erster Linie aus Arbeiten besteht, bleibe ihnen dennoch immer genügend Freizeit, stellen die beiden erfreut fest. Sie hätten die richtige Wahl in Sachen Beruf getroffen – und die freie Zeit wird genutzt, wann immer es geht. Momentan befinden sie sich auf einem Aida-Schiff mit Fahrziel ins kanadische Montreal. Die Passagiere genießen ihren Aufenthalt an Bord, die beiden Frauen aus der Trierer Kante auch – trotz knapp bemessener Freizeit.

Montreal wollen sich die beiden anschauen, auch wenn dazu nur ein paar Stunden bleiben: Shoppen und Sightseeing in der City sind dann angesagt. Nach dieser Tour mit weiteren Zielen in Kanada und Neufundland geht es nach Asien und in die Karibik. Zwischendrin ist dann aber noch ein drei- beziehungsweise vierwöchiger Heimaturlaub angesagt. Für Nadja Kees aus Irsch/Saar jetzt gleich – für die Triererin Julia Klassen etwas später im Dezember. Nach nicht ganz einem Jahr fern von daheim freuen sich die beiden darauf, ihre Familien, Freunde und auch Bekannte wiederzusehen.

Angeheuert bei der deutschen Reederei mit Sitz in Rostock hatte zuerst Nadja Kees. Einige Monate später begann dann auch für Julia Klassen die berufliche Laufbahn auf hoher See. Während sich Julia Klassen für die Hotelsparte auf dem Schiff entschieden hat, wählte Nadja Kees die Offizierslaufbahn.

Derzeit bekleidet sie das Amt des First Pursers. Sie kümmert sich darum, dass beim Aufenthalt in den unterschiedlichen Häfen alles optimal abläuft, wozu auch die Zollabfertigung zählt. Dazu pflegt sie den engen Kontakt mit den jeweiligen staatlichen Stellen in den Hafenverwaltungen. Andererseits ist sie auch für die Belange der Passagiere da, ob sie nun an Bord kommen oder von Bord gehen, um die Heimreise anzutreten.

Kleines Beispiel: Im Hafengebäude von Montreal fand ein Passagier seinen Koffer nicht auf Anhieb. „Keine Sorge, der wird schon auftauchen“, sagt Kees, um keinen Stress aufkommen zu lassen. Gepäckstücke ohne Kofferband landen meist an einer bestimmten Stelle, weiß sie aus Erfahrung. Tatsächlich: Der Koffer wird gefunden, der Passagier ist hocherfreut.

Auch Julia Klassen hat tagtäglich mit mehreren hundert Passagieren zu tun als eine gute Seele an der Schiffs-Rezeption. Langeweile ist auch für sie ein Fremdwort bei den täglich neuen Herausforderungen. Ob kleine oder größere Anliegen, Klassen weiß kompetent zu helfen, wenn es klemmt: Ein Passagier hatte Probleme mit einem Rad an seinem Koffer, das wohl „heiß gelaufen“ schien und sich nicht mehr drehen wollte. Kurzerhand vermittelt Klassen einen Reparaturauftrag in der schiffseigenen Werkstatt. Die Reparatur ging aufs Haus, sprich aufs Schiff. Das Problem ist gelöst, der Gast auch hier überglücklich. Ihre Arbeit unterscheide sich nicht viel von der Tätigkeit in einem großen Hotel mit einigen Hundert Zimmern, die auf dem Schiff Kabinen heißen, erzählt Klassen.

Das Publikum sei nahezu vollständig deutschsprachig. Dennoch werden beste Englischkenntnisse von den Besatzungsmitgliedern verlangt. Ihr nötiges Rüstzeug für ihre Aufgaben erhalten die Angestellten unmittelbar an Bord. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung, die sich an der künftigen Aufgabe orientiert. Dem vorausgegangen war eine Sicherheitsausbildung der Reederei in Hamburg.

So richtig begeistert seien die Familien nicht gewesen als ihnen eröffnet wurde, dass die beiden in See stechen wollten, verraten Julia Klassen und Nadja Kees im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. „Meine Mutter war schockiert, als ich es ihr sagte“, meint Kees.

Schließlich bedeutet Seefahrt, bis zu sechs Monate am Stück mitunter sehr weit weg von zu Hause in einem fernen Kontinent zu sein, mit Kontakt allein übers Internet: „Eine echte Herausforderung für die zu Hause.“ Und Vorsicht: Zeitverschiebung beachten, zumindest bei Anrufen. Die Familien hätten den neuen Berufswunsch aber schließlich akzeptiert, berichten beide. „Es muss ja nicht für ewig sein“, gibt Klassen zu bedenken: „Aber ein paar Jahre dürfen es schon werden.“ Beide wissen von Kollegen, die von der Weite der Ozeane so fasziniert sind, dass sie von Wellen und Meer nicht mehr lassen können. So weit müsse es ja nicht kommen.

Wenn die Besatzungsmitglieder ihren obligatorischen Heimaturlaub antreten, bezahle die Reederei die Flugtickets. Da könne schon mal ein größerer Betrag anfallen, zum Beispiel bei einem Hin- und Rückflug aus der Karibik oder von Fernost nach Deutschland. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, bezeichnen die Frauen die „Heuer“ als okay. Die Sozialleistungen entsprächen deutschen Standards. Da die Aida Schiffe als Teil der Reederei Costa Crociere (zu erkennen an dem gelben Schornstein) unter italienischer Flagge fahren, bezahlt die Crew die Einkommenssteuer an Italien.

Die Besatzung sei so international und dadurch horizonterweiternd wie kaum anderswo. Und wie ist das Leben auf dem Schiff als Besatzungsmitglied? Bestens, finden beide ohne Einschränkung. Vielleicht etwas eng auf der Standard-Zweier-Kabine. Beide fühlen sich gut aufgehoben in einer großen, internationalen Familie. In dem Crew-Bereich (für Passagiere eine Tabu-Zone) gebe es einen attraktiven und großzügigen Freizeitbereich für die Besatzungsmitglieder. Den Schiffsarzt dürften die Besatzungsmitglieder kostenlos konsultieren. Und bei der Verpflegung für die Besatzung werde international gekocht, wobei für jeden etwas dabei sei. Kein Wunder bei Besatzungsmitgliedern aus so gut wie allen Erdteilen.

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