Auf der Höhe abgehängt

IRSCH. Seit Januar gelten für Triers Höhenstadtteile neue Fahrpläne und Takte für die Stadtbusse. Die Anbindung von Irsch ist aus Sicht vieler Einwohner und des Ortsvorstehers unzureichend und nicht seniorengerecht. Die Stadtwerke verweisen auf Fahrgastzahlen und Sparzwänge.

"Die Busanbindung für die Bewohner des oberen Teils von Irsch hat sich sehr verschlechtert", beklagt Kathrin Leiendecker, die täglich mit dem Bus fährt. Tatsächlich haben die Stadtwerke zu Jahresbeginn den Takt für den Abschnitt Hockweiler Straße geändert. Nur noch stündlich verkehrt hier die Linie 26. Wer die lange Wartezeit vermeiden will, muss zur Haltestelle "Propstei" im unteren Ortsteil gehen. Dorthin kommt die 26 alle 30 Minuten - so, wie früher in ganz Irsch.Samstags über Olewig nach Tarforst

Die Linie 3 hat sich komplett aus dem Stadtteil verabschiedet. Laut Auskunft von Frank Birkhäuer, Chef des Stadtwerke-Verkehrsbetriebs, ist es aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur sehr schwer möglich, die Strecke zwischen den Haltestellen Wenzelbachstraße und Hockweiler Straße mit einem Gelenkbus zu befahren. Doch die Linie 3 wird aufgrund der hohen Fahrgastzahlen ausschließlich mit Gelenkbussen bestückt. Ob derweil bauliche Veränderungen seitens der Stadt Trier geplant sind, war im Baudezernat nicht zu erfahren. Als Ersatz für die fehlende Anbindung zum Einkaufszentrum Tarforst und zur Universität, die bisher durch die Linie 3 gewährleistet wurde, verkehrt nunmehr die Campus-Linie 4 zwischen Irsch und dem Petrisberg. Allerdings bindet sie nicht die Hockweiler Straße an, sondern endet ebenfalls an der Haltestelle Propstei. Und dies, obwohl die Linie 4 in der Regel nicht mit Gelenkbussen bestückt ist. Besonders deutlich wird die unzureichende Anbindung zum Einkaufszentrum Tarforst an Samstagen. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist und dort einkaufen möchte, ist gezwungen zunächst mit der Linie 84 über Kernscheid nach Olewig zu fahren, um dort in die Linie 87 umzusteigen. Diese bringt den Fahrgast dann auf direktem Wege zum Einkaufszentrum Tarforst. Der Rückweg erfolgt spiegelgleich. Wer also am klassischen "Einkaufstag" Samstag diese Tour auf sich nehmen will, ist - Verspätungen nicht eingerechnet - eine Stunde und sechs Minuten unterwegs, um eine Entfernung von rund fünf Kilometern zu bewältigen; eine Strecke, die sich in derselben Zeit auch spielend zu Fuß zurück legen lässt. Bereits zu Beginn des Jahres forderten die Ortsvorsteher von Kernscheid und Irsch eine direkte Bus-Verbindung ihrer Stadtteile zum Tarforster Einkaufszentrum. Auch Filsch würde von einer solchen Linienführung profitieren. Doch die Stadtwerke lehnen diese Idee mit der Begründung ab, dass diese Route eine zu lange Fahrzeit in Anspruch nehmen würde. Der Irscher Ortsbeirat forderte daraufhin einen Rundverkehr, der neben den Höhenstadtteilen den Hauptbahnhof und Kürenz mit einbinden sollte. "Man hat uns gesagt, der Vorschlag passe nicht in das Gesamtsystem", berichtet Erwin Berg, damals zuständiger Irscher Ortsvorsteher. Immerhin: Eine positive Entwicklung ist bei den Fahrzeugen zu erkennen. Die Stadtwerke reagieren auf ein verstärktes Aufkommen von älteren und behinderten Menschen. Daher verkehren immer häufiger Niederflur-Busse auf den Linien 26 und 4, um den Menschen den Ein- und Ausstieg zu erleichtern. Doch dass gerade diese älteren und behinderten Menschen an der Propstei abgesetzt werden und die nicht unerhebliche Steigung in den oberen Ortsteil von Irsch auf "Schusters Rappen" zurücklegen müssen, daran denkt bei den Stadtwerken offenbar niemand. Bei vielen Irschern drängt sich zunehmend der Verdacht auf, dass die 1969 eingemeindeten Höhenstadtteile jetzt über den öffentlichen Personennahverkehr wieder "ausgemeindet" werden könnten.Morgen: Top oder Flop? Das abgespeckte Brunnenfest in Heiligkreuz.

Mehr von Volksfreund