Auf der Niederburg lebt das Mittelalter

Trotz Mittelalter-Veranstaltungen in Dhronecken und Bad Bertrich zog das Manderscheider Burgenfest wieder geschätzte 20 000 Besucher an. Spektakuläre Ritterturniere, Gaukler und Musikleut' sowie ursprüngliche Handwerker nahmen die Besucher mit auf eine Zeitreise.

 Die „Emanzipatio“ hat auch in Manderscheid Einzug gehalten: Gräfin Adelheid von Manderscheid im Einsatz beim Ritterturnier, das zumindest im Mittelalter wohl rein männlich besetzt gewesen wäre. TV-Foto: Marion Maier

Die „Emanzipatio“ hat auch in Manderscheid Einzug gehalten: Gräfin Adelheid von Manderscheid im Einsatz beim Ritterturnier, das zumindest im Mittelalter wohl rein männlich besetzt gewesen wäre. TV-Foto: Marion Maier

Manderscheid. Frenetischer Applaus schallt dem Herold auf der Turnierwiese zu Füßen der Niederburg entgegen. Das Volk, das sich in der vorderen Kinderzone, auf den Stehplätzen dahinter und auf der Tribüne dicht gedrängt versammelt hat, gibt klare Antworten. Ja, die "Emanzipatio" hat auch in Manderscheid Einzug gehalten. Gräfin Adelheid von Manderscheid soll beim Ritterturnier mitstreiten.

Ritter werfen sich gegenseitig vom Ross



Was folgt, ist das bunte und teils atemberaubende Turnier der "Löwenritter". Da werden zu Pferd Ringlein aufgespießt, Sauen erstochen und sich gegenseitig vom Ross geworfen. Bei der abendlichen Wiederholung wird das Ganze noch durch den Einsatz von Feuer getoppt. Da brennen die Ringlein, und die Ritter galoppieren durch eine Feuerwand.

Doch das Turnier ist nur einer der Höhepunkte des Fests, das mit niedrigen Preisen und vielen Kinderattraktionen besonders Familien anspricht. Musikgruppen sorgen mit zum Teil mittelalterlichen Instrumenten für Tanzstimmung und auch besinnliche Momente. Der Handwerkermarkt bietet eine Fülle von Schönem und Nützlichen wie handgemachten Seifen und Bonbons, Ledergürtel und Lederbucheinbände, geschmiedete Scheren und Töpfe, Filzhüte und Bernsteinschmuck.

Die Böhmische Gruppe "Vawra" zeigt Schwertkampf, wie er früher war. Kriegerisch geht's auch bei der Gruppe "Les Ecorcheurs" zu, die mit Pfeil und Bogen sowie Kanonen schießt. Ein Feuerspucker zeigt sein Können, und Pille und Pankratz, zwei komische Figuren, die auf ulkigen Mönchsfiguren reiten, ziehen alles und jeden durch den Kakao.Wie die Großen haben auch die Kinder ihr Turnier. Sie erkämpfen sich Ritterorden, indem sie auf dem Steckenpferd und mit einem Holzschwert bewaffnet eine Holzsau erlegen. Für die Kleinen gibt es aber auch Geschichten von Berthold, dem Erzähler und Vorführungen der Zauberhexe. Traditionell überrascht das Feuerwerk Samstagnacht mit immer neuem, brillantem Raketenglitzer.

Das Programm mit 20 Marktleuten und 20 vorführenden Gruppen und Einzelpersonen hat trotz Konkurrenzveranstaltungen in Bad Bertrich und Dhronecken auch in diesem Jahr wieder etwa 20 000 Besucher angelockt. Dies schätzte Organisator Rainer Schmitz, Leiter der Manderscheider Tourist-Info, am Samstagmittag. "Bei fast der Hälfte der Besucher am Samstag dürfte es sich um Amerikaner gehandelt haben", sagte Schmitz. Die US-Bürger kämen nicht nur von der Airbase Spangdahlem, sondern auch von Ramstein und Darmstadt. Eine weitere Besonderheit: Viele Besucher waren mittelalterlich gewandet und verliehen dem Fest, an dessen Vorbereitung etwa 320 ehrenamtliche Helfer beteiligt sind, eine besonders authentische Note.