Auf der Suche nach Shangri-La

Auf der Suche nach Shangri-La

TRIER. Auf eines der letzten Abenteuer unserer Zeit wollen sich die Trierer Geographie-Studenten Johannes Linder (22) und Frederik Pfältzer (23) begeben. Mit dem Fahrrad planen sie, den Südwesten Chinas zu erkunden und über die Pässe des Himalaja-Gebirges zu radeln.

Der Markusberg, das Trainingsgebiet von Johannes Linder und Frederik Pfältzer, mit seinen rund 300 Höhenmetern scheint bei den Plänen der beiden Globe-Treter nur ein kleiner Hügel zu sein. Denn die Höhenunterschiede, die sie werden überwinden müssen, werden enorm sein. Die Pässe, auf denen sie von August bis Anfang Oktober radeln wollen, liegen auf über 4000 Metern. Dennoch gehen sie das Projekt erstaunlich gelassen an. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass wir unser Geld verlieren. Am Anfang haben unsere Familien schon geschluckt. Mittlerweile haben sich langsam an den Gedanken gewöhnt und freuen sich darüber." Die Hochregion des südwestlichen Chinas und das Grenzgebiet zu Tibet ist das anvisierte Ziel. Die Strecke soll sie von Chengdu über Litang und Zhongdian nach Kunming führen. "Das ist ein richtiges Abenteuer", sagen Pfältzer und Linder, weil sie die Wege, die sie dort erwarten, noch nicht richtig einschätzen können. In Deutschland sind kaum exakte Karten für dieses Gebiet zu bekommen. "Im Fahrradweltführer steht nur, der Südwesten Chinas sei schwierig." Angeregt zu ihrem Plan wurden sie vom Weltbestseller "Der verlorene Horizont" (1930) von James Hilton. Er erzählt in dem Buch die Geschichte von europäischen Himalaja-Reisenden, die entführt werden und im sagenumwobenen, paradiesischen Bergkloster Shangri-La eine Gesellschaft entdecken, die in Abkehr von der Hast der Zivilisation und in ewiger Jugend lebt, Kultur und Wissen bewahrt. Shangri-La ist der Inbegriff für einen Sehnsuchtsort. Die Beschreibungen der majestätischen Gebirgslandschaft üben noch heute große Faszination auf die Leser aus. "Ein utopisches Abenteuer irgendwo in Tibet", lautet der Untertitel. "Das ist der absolute Traum vom Himalaja, und diesen Traum wollen wir erleben." Vor einem halben Jahr haben Pfältzer und Linder begonnen, ihre Tour zu planen und zu trainieren. Gute Vorbereitung ist unerlässlich, wenn man mit minimalem Gepäck auf unvorhersehbare Situationen eingestellt sein will. Nur 30 Kilogramm können sie mit sich führen. Ersatzteile, Werkzeug, Funktionskleidung, Zelt, Schlafsack, Kompass und Notration gehören zur Grundausstattung, "um auch zwei, drei Tage in der Wildnis überleben zu können". Mit Karten wollen sich die Radler in Shanghai eindecken. Die Orientierung, die Höhe und die Sprachbarriere werden die größten Schwierigkeiten sein, die sie auf sich gestellt meistern müssen. Einen Sponsor haben sie im Zweiradgeschäft Monz gefunden, das ihnen Trikots und Know-How zur Verfügung stellt. "Ob wir wirklich bis Kunming kommen, ist nicht so wichtig. Natürlich zählt der sportliche Aspekt. Man muss fit sein, das ist das Mittel zum Zweck. Aber wir sind nicht so auf das Ziel fixiert. Der Weg ist das Ziel, und es geht uns darum, die Landschaft zu erleben." Und eine befreundete Kommilitonin, die aus Kunming stammt, hat ihnen außerdem einen guten Tipp mit auf den Weg gegeben: Hund sei das teuerste Gericht auf einer Speisekarte.

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