Auf der Suche nach Wegen aus den Krisen

Auf der Suche nach Wegen aus den Krisen

Die guten Jahre sind wohl erst einmal vorbei. Entsprechend gedämpft war die Stimmung bei der Mitgliederversammlung des Kreisverbands der Bauern und Winzer. Die fürchten teilweise durch das geplante Handelsabkommen mit den USA weitere Nachteile.

Schweich. Gekommen waren fast alle. Unter anderem mehrere Landtagsabgeordnete, Vertreter der Jägerschaft und nicht zu vergessen Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz. Und natürlich viele Winzer und Landwirte. Denn der für die Stadt und den Kreis zuständige Kreisverband des Bauern- und Winzerverbands mit seinen rund 1800 Mitgliedern hatte zur Jahreshauptversammlung in Schweich geladen.
Offensichtlich stehen viele Landwirte und Winzer derzeit vor großen Herausforderungen. Denn die Preise sind im Keller. Kreisvorsitzender Walter Clüsserath formulierte es so: "Die Lage ist schlecht." Es sei immer wieder vorgekommen, dass einzelne Sparten zu kämpfen hätten. Doch derzeit sehe es fast durchweg nicht gut aus. "Von der Milch über das Getreide bis hin zum Fasswein", sagte Clüsserath in seiner Begrüßungsansprache.
Goldgräberstimmung ist vorbei


Vor gar nicht allzu langer Zeit war das noch anders. Willi Kampmann, Cheflobbyist der deutschen Bauern bei der Europäischen Union, sagte: "Vor drei bis vier Jahren herrschte Goldgräberstimmung." Der ein oder andere Landwirt habe damals möglicherweise zu großzügig investiert. Dadurch verstärkten sich nun die Probleme.
Diese Situation dürfte vielen der rund 100 Teilnehmer an der Sitzung schon bewusst gewesen sein, ehe sie zum Tagungsort gekommen waren. Wie man aus dieser misslichen Lage herauskommt, ist hingegen weiter offen. Gleich mehrere Redner machten ihrem Ärger über die Landwirtschaftspolitik der Landesregierung Luft. Die Verpachtung der staatlichen Weinbaudomäne Avelsbach kam dabei bei vielen Winzern überhaupt nicht gut an. Der Trierer Peter Terges kritisierte beispielsweise, dass der Betrieb auf ökologische Arbeitsweise umgestellt worden war. Er war sich sicher, dass dies der falsche Schritt gewesen sei. Bereits vor zwei Jahren habe er vor dieser Umorientierung gewarnt.
Einige Redner deuteten mehr oder weniger deutlich an, dass sie auf einen Regierungswechsel bei der Landtagswahl hoffen. Verbandsvorsitzender Walter Clüsserath bezeichnete beispielsweise halb im Scherz Günther Schartz schon einmal als scheidenden Landrat. Schartz werden Aussichten auf einen Posten in der Regierung nachgesagt, falls die CDU an die Macht kommt.
Eher ernst und durchaus gespalten war das Meinungsbild bezüglich des geplanten Handelsabkommens zwischen den USA und der EU namens TTIP. Kampmann, Leiter des Brüsseler Verbindungsbüros des Deutschen Bauernverbands, sagte, dass an TTIP kein Weg vorbeigehe. Es sei besser, den Prozess mitzugestalten, anstatt eine Verweigerungshaltung einzunehmen.
Dem widersprach beispielsweise Landwirt Gerd Potz aus Bekond entschieden. "Ihr seid schuld, wenn wir Gentechnik bekommen", warf er den Funktionären vor. Das beurteilte Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, anders: Er setzte auf Realismus: "Wer glaubt, wir Bauern könnten TTIP verhindern, der träumt." har
Extra

Videos: Beim auf der Video-Plattform Youtube eingerichteten Kanal agriKultur erklären junge Winzer und Landwirte aus der Region, wie Landwirtschaft und Weinbau funktionieren (der TV berichtete). Mit dabei ist die aus Igel stammende Winzerin Stephanie Johaentges (Foto: Youtube), die das Projekt bei der Versammlung des Bauern- und Winzerverbands vorgestellt hat. Unter anderem zeigte sie den Clip "Respect your farmer", der bei einem Wettbewerb den ersten Platz belegt hat. har

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