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Auf die Teller statt in den Müll

 Kochen Thaicurry sowie Grünkohl mit Kartoffeln: die fleißigen Helfer der Trierer Volxküche (von links) Mohamed, Lisa, Steffi, Olli, Anna und Hanna. TV-Foto: Friedemann Vetter
Kochen Thaicurry sowie Grünkohl mit Kartoffeln: die fleißigen Helfer der Trierer Volxküche (von links) Mohamed, Lisa, Steffi, Olli, Anna und Hanna. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier. Was tun gegen Verschwendung von Lebensmitteln? Das hat sich eine Gruppe Trierer Studenten gefragt und die Volxküche (in Abwandlung von Volksküche) initiiert. Dort wird seit einem Jahr einmal im Monat gemeinschaftlich gekocht - mit Zutaten, die sonst in der Tonne gelandet wären. Senta Zickwolff

Trier Sie haben Kisten mit Paprika, Gurken, Tomaten, Kartoffeln, Blumenkohl und jeder Menge Obst die Treppe hinauf in die oberen Räumen der Scheinbar geschleppt, nun beratschlagen die vier Helferinnen und Helfer, was bei der Trierer Volxküche (Vokü) heute auf den Tisch kommen soll. "Wie wäre es mit Thaicurry?", fragt Julia Scheidweiler und begutachtet ein Päckchen Tomaten. Eine ist verschimmelt, aber der Rest noch genießbar.
Scheidweiler ist an diesem Donnerstag verantwortlich für die Volxküche, die in den Räumen der Scheinbar, einem von Schülern und Studierenden organisierten Café an der Weberbach, stattfindet. Vincent Benter, der zum festen Kern der Vokü gehört, merkt an, dass sie auch jede Menge Grünkohl und Kartoffeln haben. Und so beschließen sie, beide Gerichte zuzubereiten.
Die Volxküche, die es in anderen Städten auch unter dem Namen Küfa (Küche für alle) gibt, hat ein einfaches Konzept: Es gibt ein warmes Essen gegen eine freiwillige Spende. In der Trierer Vokü, die hauptsächlich von Studierenden organisiert ist, sind alle zum Mithelfen eingeladen. "So hängt am Ende die ganze Arbeit auch nicht an denjenigen, die alles organisiert haben", erklärt Vincent Benter.
Die zu verarbeitenden Lebensmittel stammen aus Spenden der Gäste, dem Fair-Teiler-Schrank (siehe Artikel unten) und von Lebensmittelgeschäften der Foodsharing Initiative (siehe Infokasten), die das Essen sonst wegschmeißen müssten. "Das Planen ist jedes Mal eine Herausforderung, weil man nicht abschätzen kann, wie viele Gäste kommen und welche Zutaten da sind", sagt Benter. Elisa Langeheine ist auch Studentin und kommt regelmäßig zur Vokü, sie sitzt neben drei Frauen und schneidet Paprika, Zwiebeln und Salat. Schnell kommen die vier ins Gespräch, zwei von ihnen sind heute zum ersten Mal dabei. "Vor allem die gemeinschaftliche Atmosphäre und die Zwanglosigkeit" seien es, die ihr so an der Vokü gefielen, ruft Elisa Langeheine - sie muss laut reden, denn es sind immer mehr Helfer gekommen, im hinteren Raum wird Kicker gespielt, drei Gitarristen sorgen für Musik.
Bald zieht der Duft des Currys durch den Raum. Zwei Besucher bauen eine große Orangenpresse auf. Oft befindet sich in den Netzen von Zitrusfrüchten nur eine verdorbene Frucht, und trotzdem muss das ganze Netz aussortiert werden. Die Volxküche solle ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln setzen und zeigen, wie viele Leute von aussortierten Lebensmitteln noch satt würden, erklärt Julia Scheidweiler.
Mit einem Klatschen eröffnet Vincent Benter das Bufett. Die Besucher strömen zu den dampfenden Töpfen, nehmen sich Grünkohl, Thai-Curry, Reis, Salat und Obstsalat und setzen sich an die Tische, auf denen eben noch geschnippelt wurde.
Elisa Langeheine und einige andere haben auf dem Boden Platz genommen. Die meisten der rund 50 Gäste sind Studierende. Es wäre schön, wenn die Gruppe bunter würde, sagt Langeheine. "Jeder ist herzlich eingeladen!"
Die Vokü Trier öffnet jeden dritten Donnerstag im Monat, neuerdings im Exhaus. So auch am Donnerstag, 16. Februar. Spenden können ab 17 Uhr abgegen werden. Gekocht wird ab 18 Uhr, gegessen um 20 Uhr. Weitere Infos gibt es auf der Facebookseite Volxküche Trier.
INITIATIVE FOODSHARING


Extra

Foodsaver nennen sich die Mitglieder der Initiative Foodsharing Trier, zu Deutsch: Lebensmittelretter. Sie verhindern, dass noch genießbares Essen weggeworfen wird. Nahrungsmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder mit Schönheitsmängeln wie einem Riss in der Verpackung gelten als unverkäuflich und werden von den meisten Supermärkten entsorgt. Die Initiative Foodsharing geht Kooperationen mit aufgeschlossenen Supermärkten ein und holt kurz vor Ladenschluss das ab, was für den Müll bestimmt ist. Die "geretteten" Lebensmittel werden über die Facebookseite der Initiative, den Fair-Teiler-Schrank (siehe Artikel unten) oder die Volxküche weitergegeben. https:// <%LINK auto="true" href="http://www.facebook.com/groups/foodsharing.trier" text="www.facebook.com/groups/foodsharing.trier" class="more"%>