Auslese : Auf ein Glas 2019er

Der 2018er Jahrgang ist ja buchstäblich in aller Munde. Er schmeckt, wird gepriesen und gekauft. Wer weiß schließlich, wann mal wieder ein solcher Jahrgang auf dem Markt ist.

Tatsächlich habe ich vor kurzem den 2019er Jahrgang probiert. Auf der anderen Seite der Erde, in Südafrika, ist der nämlich bereits gefüllt und im Verkauf. Entdeckt habe ich ihn auf der Weinmesse Veritable in dem kleinen Ort St. Martin in der Pfalz. Dort schenkte das Weingut Kaapzicht aus Stellenbosch stolz seinen aktuellen Jahrgang aus. Wie er schmeckt? Verrate ich nicht. Ich will schließlich nicht die Überraschung verderben.

Auf einer Weinmesse lernt man ja einiges. Etwa, dass deutscher trockener Weißwein unsern Nachbarn aus Österreich besonders gut schmeckt, so dass sich in St. Martin mancher österreichische Weinhändler tummelte. Angeregt philosophierten die Experten über die Gläser, mit denen sich am besten Wein verkosten ließe. Denn die Messebesucher hatten tatsächlich zwei verschiedene Gläsertypen zur Auswahl: von einem renommierten österreichischen Hersteller und von einem renommierten deutschen. Jetzt raten sie mal, was die Ösis bevorzugen? Richtig! Naja, ein bisschen Nationalstolz schadet ja nicht.

Weil diese Weinmesse mit mehr als 100 Spitzenweingütern aus 42 Weinregionen der Welt besonders interessant und vielfältig war, lag es für mich auf der Hand, Tropfen jenseits der deutschen Anbaugebiete zu testen. Champagner zum Beispiel, das Getränk, um das die Franzosen gerne Kult treiben. Dabei schmecken die Champagner ohne Dosage (sie besteht meist aus Rohrzucker, der im Verhältnis 500 bis 750 Gramm pro Liter in Wein aufgelöst wird) herrlich frisch und anregend. Eine Tatsache, die die Franzosen wohl lieben, bei den deutschen Verbrauchern bisweilen Ressentiments hervorruft. So behalten sich die Franzosen denn Abstufungen vor, was den Geschmack betrifft, von brut nature oder zero dosage (trocken) bis hin zu sec oder demi sec (halbtrocken) – was meiner Meinung nach wirklich nur was für Naschkatzen ist. Nach sechs Stunden Verkostung, müden Füßen und müdem Gaumen lautet meine Bilanz: Jeder Wein findet seine Abnehmer. v.kerl@volksfreund.de